Lastwagen-Allianz rückt näher – Autobauer macht Aktionären Pflichtangebot

VW will MAN übernehmen

Volkswagen macht Übernahmeangebot für MAN: Der Wolfsburger Autobauer will einen neuen Nutzfahrzeugriesen aus MAN, VW und Scania (von links) schaffen. Foto: dpa

Wolfsburg. An den Plänen zu einem neuen Nutzfahrzeugkonzern wird in Wolfsburg schon seit Jahren geschmiedet. Jetzt hat Volkswagen überraschend seinen Anteil an MAN von 29,9 auf 30,74 Prozent erhöht und den übrigen Aktionären ein Pflichtangebot gemacht. Möglich wurde die Erhöhung des Anteils nach den fusionsrechtlichen Genehmigungen.

Grund für diesen Schritt sei vor allem das Ziel einer engeren Zusammenarbeit aller beteiligten Unternehmen bei Einkauf, Entwicklung und Produktion, hieß es seitens des Wolfsburger Autobauers. Nun soll die Zusammenarbeit intensiviert werden.

Wirtschaftlich interessant wird der Zusammenschluss dieses Unternehmenskonstrukts (siehe Grafik) durch verschiedene Synergieeffekte. „Ein Großteil der in diesem ersten Schritt zu hebenden Synergien liegt auf einer engen Zusammenarbeit im Bereich der Beschaffung“, hieß es aus Wolfsburg.

Bislang war die Kooperation eher schleppend gelaufen und nicht vorangekommen. Gespräche zwischen den Beteiligten hätten bestätigt, dass kartellrechtliche Beschränkungen hohe Hürden für die Kooperation darstellten und die Chancen wesentlicher Synergieeffekte behinderten. Daher habe VW beschlossen, die Vorraussetzungen zu schaffen, um die kartellrechtlichen „bisherigen Schranken“ zu überwinden.

VW will den Aktionären spätestens bis Ende Mai ein Angebot machen. Dann steht auch der Aktienpreis fest. Dem Vernehmen nach soll der Angebotspreis je Stammaktie der MAN Se vorraussichtlich 95 Euro betragen. Somit würde er nach dem aktuellen Kurs der MAN-Aktie, der am Montag um 17.30 Uhr bei 97,99 Euro plus 1,52 Prozent notierte, keine Prämie erhalten, um damit möglichst viele Aktien zu bekommen. Für die Vorzugsaktien setzt VW einen gewichteten Durchschnittskurs der letzten drei Monate an – damit dürfte der Preis bei rund 60 Euro liegen.

Dass mit dieser Offerte seitens VW lediglich ein Pflichtangebot vorliege, sorgte an der Börse kurzfristig für Ernüchterung, sagte ein Marktteilnehmer. „Damit hat sich VW jetzt quasi freigekauft, mehr müssen sie jetzt nicht mehr machen“, kommentierte es ein Händler.

„Strategisches Geschäftsfeld“

Fest steht auch noch nicht, wie das mögliche Modell eines integrierten Lkw-Konzerns aussehen wird und wie die Beteiligungsverhältnisse ausgestaltet werden. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender des Volkswagen Konzerns, betonte lediglich: „Das Nutzfahrzeuggeschäft ist für uns ein hochinteressantes, strategisches Geschäftsfeld.“ Und versicherte, dass die markenspezifischen Eigenschaften und alle Geschäftsfelder von MAN und Scania unangetastet bleiben. Dies gelte auch für Mitbestimmungs- und Arbeitnehmerrechte sowie für Standorte.

Weltweiter Branchenprimus bei schweren Lastwagen ist Daimler, dahinter folgen asiatische Hersteller sowie MAN und Scania. VW baut in seiner Nutzfahrzeugsparte vor allem Transporter. Das Geschäft mit schweren Lkw in Brasilien hatte VW an MAN verkauft.

Von Martina Wewetzer

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