Kasseler Studie bescheinigt modernen Anlagen an Land ein Riesenpotenzial

Wind statt Atomkraft

Kurt Rohrig

kassel/hannover. Allein die Windenergie an Land könnte mittelfristig nicht nur die gesamte deutsche Kernkraft ersetzen, sondern annähernd dreimal soviel Strom liefern wie alle deutschen Atommeiler zusammen und damit fast zwei Drittel des gesamten Bedarfs decken. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie, die das Kasseler Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik (Iwes) für den Bundesverband Windenergie (BWE) erstellt hat. Sie wurde am Dienstag auf der Hannover Messe vorgestellt.

2010 hatte die Windkraft einen Anteil von 6,5 Prozent am deutschen Strommix. Voraussetzung für eine Verzehnfachung der Windkraftleistung an Land ist nach Angaben des stellvertretenden Iwes-Chefs Kurt Rohrig, dass zwei Prozent der deutschen Fläche mit modernen Windkraftanlagen mit deutlich größeren Nabenhöhen und Rotorköpfen belegt wird. Allerdings entspricht diese Fläche einem Drittel des Landes Hessen. Das größte Zubaupotenzial sieht Rohrig in Bayern und Baden-Württemberg, wo die Windkraft unterrepräsentiert ist.

So will Rohrig die aktuelle Studie vor allem „als politischen Ansporn für mehr Windkraft“ verstanden wissen. BWE-Präsident Hermann Albers fordert die Ausweisung von mehr Windkraftstandorten sowie die Beseitigung von Höhenbeschränkungen für Windräder. Je höher die Anlagen und größer die Rotoren, desto besser ist die Energie-Ausbeute. Eine moderne Anlage mit einer Nabenhöhe von 143 Metern kann wegen der besseren Windverhältnisse am selben Standort 50 Prozent mehr Strom produzieren als ein 93 Meter hohes Windrad. Angesichts zunehmender Proteste gegen die „Verspargelung“ der Landschaft forderte Albers mehr Verständnis für die Erneuerbaren.

Die deutschen Atomkraftwerke steuerten 2010 etwa 140 der 600 Terawattstunden - das sind 600 Mrd. Kilowattstunden - zur deutschen Stromerzeugung bei. Würden zwei Prozent der deutschen Fläche mit modernen Windrädern bestückt, läge der Ertrag laut Iwes-Studie bei 390 Terawattstunden.

Pumpspeicherwerke nötig

Gleichwohl wies Albers auf den notwendigen Ausbau der Netze hin, um den zunehmenden Anteil des dezentral erzeugten Stroms von seinem Entstehungsort zu den Verbrauchern zu transportieren. Und Rohrig ließ auch keinen Zweifel daran, dass die Iwes-Rechnung ohne der Bau von leistungsfähigen Pumpspeicherwerken nicht aufgeht.

Mit überschüssigem Windstrom kann man Wasser von einem Becken in ein höher gelegenes Becken pumpen. Bei Flaute, lässt man das obere Becken ab. Das talwärts schießende Wasser treibt eine Turbine an, die Strom erzeugt.

Albers betonte, dass die Windenergie an Land die kostengünstigste aller Erneuerbaren sei: „Wenn der Umstieg beschleunigt werden soll, ist ihr Ausbau nicht nur ökologisch, sondern auch volkswirtschaftlich am sinnvollsten.“

Von José Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.