Bohrloch statt Handel

Wintershall in der Wende

Bohren bringt Gewinn: Geld verdient Wintershall überwiegend bei der Förderung von Öl und von Gas – wie hier im sibirischen Achimov. Fotos: Wintershall/Koch

Kassel. Die Reise nach London hat sich gelohnt. In der britischen Finanzmetropole brachte Wintershall-Chef Rainer Seele Analysten das Öl- und Gasgeschäft der BASF-Tochter nahe. Ausbeute für den Dax-Konzern aus Ludwigshafen: Überwiegend Wohlwollen für die Aktie.

Die Präsentation der Öl- und Gastochter, die sei ermutigend gewesen, schrieb ein Analyst der US-Bank JP Morgan. Wintershall verdiente 2012 bei 16,7 Milliarden Euro Umsatz unterm Strich 1,2 Mrd. Euro.

Wintershall steckt im Strategiewechsel, verabschiedet sich vom Gashandel und fährt die Öl- und Gasförderung herauf. Holten die Kasseler im vergangenen Jahr eine Rohstoffmenge aus dem Boden, die 126 Millionen Barrel Öl (ein Barrel sind 159 Liter) entspricht, sollen es 2015 schon 160 Mio. Barrel sein. „Die spannende Zeit werden die Jahre 2015 bis 2017 werden“, sagt Seele. Dann gehen neue Felder in Russland und Quatar sowie vor den Küsten Norwegens und Großbritanniens in Betrieb.

Käufe und Täusche

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-Wintershall schafft 60 neue Stellen in Kassel

Im Wettkampf um Ressourcen und Produktionsausweitung konnte Wintershall mermals punkten: Der Kauf des norwegischen Branchenkollegen Revus sicherte dem Unternehmen den Zugriff auf mehr als 40 Lizenzen für die Öl- und Gasförderung in der Nordsee. Vom russischen Langzeitpartner Gazprom will Wintershall Anteile an Gasfeldern in Sibirien übernehmen und dafür den Russen die Gashandel- und -speichertöchter Wingas und Astora ganz überlassen. Die Verträge sind unterschrieben, nun muss die EU-Kommission das Geschäft prüfen.

Der jüngste Coup ist ein 1,3 Milliarden-Dollar-Geschäft, in dessen Rahmen sich Wintershall an drei Öl- und Gasfeldern der norwegischen Statoil beteiligt und die Förderung vor der skandinavischen Küste schon in diesem Jahr von 3000 auf 40.000 Barrel am Tag heraufkatapultiert. Dass die USA immer mehr Schiefergas fördern, das als verflüssigtes Gas LNG in die ganze Welt verschifft werden kann, sieht Seele gelassen: „Das wird das Preisgefüge in Europa nicht durcheinanderwirbeln.“ Die eifrigsten LNG-Käufer sitzen ohnehin in Asien.

Forschen in Kassel

Schiefergas wird unter Chemikalien-Einsatz mit Fracking gefördert, ein Verfahren, das in Deutschland auf heftigen Widerstand stößt. Ein Wintershall-Vorhaben in Niedersachsen liegt vorerst auf Eis.

Am Fracking wird Wintershall trotzdem weitertüfteln, auch in Kassel. Ein großer Teil der 60 Stellen, die dort neu entstehen sollen, werden im Bereich Forschung und Entwicklung angesiedelt sein. „Man kann nirgends so gut Technologien entwickeln wie in Deutschland“, sagt Seele. Wintershall hat dabei nicht nur Fracking im Blick. Um die Ausbeute von Ölfeldern zu erhöhen wird unter anderem mit einem Pilz experimentiert: Das lappige Gewächs produziert Schizophyllan, eine gel-artige Substanz, die biologisch abbaubar ist und dabei helfen soll, das Öl leichter aus der Lagerstätte zu drängen. Ein Feldversuch im niedersächsischen Bockstedt läuft – der Erfolg soll sich im ersten Halbjahr 2014 zeigen.

Von Barbara Will

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