Ob E-Antrieb aus Baunatal kommt, ist noch nicht entschieden

VW arbeitet am E-Auto: Fünfsitzer und "leistungsstark"

2013 bringt VW die ersten E-Autos auf den Markt. Wer den Antrieb für E-Up und E-Golf liefern wird, ist noch offen. Im Rennen ist das Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal.  Wir sprachen mit Thomas Lieber, Leiter Forschung und Entwicklung für das E-Auto der Marke VW.

Für Laien ist die Antriebstechnologie für E-Autos schwer zu verstehen: Elektrofahrzeug, Plug-In Hybrid, Twin Drive, Range Extender. Welchen Weg geht Volkswagen?

Thomas Lieber: In Zukunft wird es bei den alternativen Antrieben verschiedenste Varianten geben. Bislang gab es Otto-, Diesel- und Erdgas-Motoren. Nun kommen verstärkt Hybride dazu. Bei Volkswagen haben wir mit dem Touareg den ersten Voll-Hybrid auf den Markt gebracht. 2012 folgt in den USA der Jetta-Hybrid. Die ersten rein elektrischen Fahrzeuge von VW werden 2013 der Up! Blue-e-motion und der Golf Blue-e-motion sein – mit einer Reichweite von bis zu 160 Kilometern.

Wie sieht es mit der Infrastruktur aus?

Seit Februar 2010 leitet Thomas Lieber den Bereich Forschung und Entwicklung der E-Traktion der Marke VW im Wolfsburger Konzern.

Lieber: Für unsere Fahrzeuge werden wir unterschiedliche Ladekonzepte umsetzen. Wichtig dabei ist die Versorgung der Kunden mit einer Lade-Infrastruktur. In den Städten wird es Ladesäulen in Parkhäusern oder auf Parkplätzen von Geschäften geben. Kaufhäuser werden die Kunden über mögliche Ladezeiten ins Geschäft locken. Vorrangig ist es aber Aufgabe der Kommunen und der Versorger eine Infrastruktur bereitzustellen. Bei den Energieversorgern mischt VW über die VW-Kraftwerk GmbH mit.

Woher wissen Sie, was Kunden vom E-Auto wollen?

Zur Person

Thomas Lieber (45) leitet im VW-Konzern den Bereich Forschung und Entwicklung der Elektro-Traktion für die Marke VW. Der gebürtige Wermelskirchener studierte Maschinenbau in Aachen, arbeitete bei Philipps Electronics und Audi. Seit Februar hat der Vater zweier Kinder seine Position bei VW in Wolfsburg. Er lebt mit seiner Familie in Braunschweig. Er fährt gern Ski, joggt und spielt Squash.

Lieber:Mit unserer Flottenerprobung des Golf Blue-e-motion, der in Großstädten und auf dem flachen Land eingesetzt wird, testen wir das Verhalten des Kunden – welche Strecken er zurücklegt, wann er lädt. Gestartet wird mit 80 Fahrzeugen Anfang 2011. Die Ergebnisse aus diesem Versuch fließen dann in die Serienentwicklung ein.

Fahren diese Fahrzeuge mit einem E-Antrieb aus dem VW-Werk Kassel in Baunatal oder mit einem von Toshiba?

Lieber: Bei den Komponenten eines E-Autos ist es uns wichtig, dass wir intern Know-How aufbauen. Das gilt für den Antrieb, für die Leistungselektronik und die Batterie. Die bisherigen Prototypen und Flottenfahrzeuge sind zum Beispiel mit einer E-Maschine aus Kassel ausgerüstet, das Batteriesystem wurde in Braunschweig aufgebaut. Die finale Entscheidung, wer die Serienfertigung dieser Komponenten umsetzt, fällt zu einem späteren Zeitpunkt.

Woher kommen derzeit die meisten Impulse?

Lieber: Aus dem asiatischen und dem US-Markt. Asiatische Unternehmen versuchen derzeit verstärkt, sich mit der E-Technologie zu positionieren. Wir beobachten den Markt sehr genau und intensiv und arbeiten an unseren Konzepten, die weltweit zum Einsatz kommen. Unser Konzept ist es einen vollwertigen Fünfsitzer als leistungstarkes E-Fahrzeug auf die Straße zu bringen, also kein Verzichtsauto.

Bei der Batterietechnologie machen viele Informationen die Runde, nach denen VW mit Sanyo, BYD, Samsung-Bosch und Varta kooperiert. Wer ist noch im Rennen?

Lieber: Die Batterien befinden sich nach wie vor technologisch sowie kommerziell in einer extrem harten Wettbewerbssituation. VW ist deshalb weiter mit allen wichtigen Batterie-Zulieferern in Gesprächen, um sicherzustellen, dass in unseren Produkten das aktuell technisch beste Konzept zu den günstigsten Kosten eingesetzt wird.

Aktuell ist vom Einsatz von Zellen die Rede, die in Notebooks verwendet werden. Dafür forscht VW in Karlifornien.

Lieber: Die Forschung und Entwicklung im Hinblick auf Batteriezellen geht bei Volkswagen in ganz verschiedene Richtungen. Die Batterie-Technologie ist derzeit das A und O für ein E-Fahrzeug. Davon hängt die Reichweite ab. Auch hier gilt: Das beste Gesamtpaket im Fahrzeug entscheidet über seinen Serieneinsatz.

Wie wollen Sie das bis 2013 schaffen?

Lieber: An der Elektromobilität arbeiten wir alle in der Tat mit Hochdruck, insbesondere in unserem Kompetenzzentrum Isenbüttel. Um bis 2018 die Marktführerschaft in der E-Mobilität zu erreichen, werden wir die Menschen und Prozesse zur Elektro-Traktion und Elektronik-Kompetenzen künftig an einem Standort vernetzen, dem Elektro-Mobilitäts-Campus der Technischen Entwicklung Wolfsburg.

Von Martina Wewetzer

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