Preis für Braugerste und Malz gestiegen: Wird das Bier bald teurer?

Kassel/Einbeck. Deutsche Brauereien könnten einem Medienbericht zufolge den Preis pro Kasten Bier im kommenden Jahr um bis zu 50 Cent erhöhen. Als Grund nennt der Verband der Privaten Brauereien Bayern um bis zu 80 Prozent gestiegene Preise für Braugerste und Malz.

Dass sich höhere Preise auch auf das Faßbier für den Ausschank übertragen, konnte Verbands-Geschäftsführer Stefan Stang nicht ausschließen. Derzeit steckt in einem Liter Bier Gerste für vier Cent. Für einen Zehn-Liter-Kasten beträgt der Gerstenpreis demnach 40 Cent. Heimische Brauer würden eine Preiserhöhung begrüßen, können es sich aber nicht leisten, teurer zu werden, ohne das die Großbrauereien mitziehen. Bislang hat kein großer Braukonzern in Deutschland Bierpreiserhöhungen angekündigt.

Karl Wagner, Mitarbeiter bei Schwalm-Bräu in Treysa, sieht in der möglichen Anhebung eine Rückkehr zu normalen Preisen. „Viele Premium-Biere waren lange Zeit für weniger als zehn Euro zu haben“, sagt Wagner. Würde der Preis pro Kasten nun wieder steigen, bedeute dies eine Entspannung im Verdrängungswettbewerb, den größere Brauereien führten. Dass Landwirte vermehrt Mais für Biogasanlagen anbauen, statt Gerste und Malz, kann Wagner bestätigen. Das knappere Angebot mache den Einkauf für die Brauereien teurer. Dennoch sollen die Preise für Schwalm-Bräu auch im kommenden Jahr stabil bleiben.

„Eine Preiserhöhung ist derzeit völlig fehl am Platz“ sagt Hinrich Haffner, Geschäftsführer der Uslarer Bergbräu-Brauerei. Er hofft, dass die Kunden mit dem konjunkturellen Aufschwung im kommenden Jahr wieder bereit sein werden, mehr Geld für Qualitätsbiere auszugeben.

Auch bei der Einbecker-Gruppe, zu der die Martini-Brauerei in Kassel gehört, ist eine Preiserhöhung „nicht fest geplant“, sagt Marketing-Direktor Andreas Berndt. „Wir können es nicht, wenn die Großen nicht vorlegen.“ Notwendig sei eine Anhebung der Preise aber, um die mittelständischen Brauereibetriebe zu erhalten. Der teurere Einkauf erhöhe die Ausgaben der Betriebe. Gleichzeitig müssten die Bierproduzenten günstig verkaufen, um gegen die Sonderpreise der großen Brauereien bestehen zu können. Das reduziert die Gewinne. Hinzu kommt, dass die Branche seit Jahren mit einem rückläufigen Bierkonsum im Inland zu kämpfen hat.

In der Zwickmühle

Damit drohen die Mittelständler zwischen Rohstofflieferanten und Großbrauereien aufgerieben zu werden. Einen Weg aus dieser Zwickmühle sieht Berndt nur über eine Normalisierung, also Anhebung, der Bierpreise durch die Großkonzerne.

„Der Branche täte eine Preiserhöhung gut“, sagt auch Frank Bettenhäuser, Inhaber der Baunataler Hütt-Brauerei und der Malsfelder Löwenbier-Brauerei. Er hat momentan ebenfalls keine Erhöhung geplant. Rein kaufmännisch sei eine Anhebung angesichts der „schwierigen Rohstofflage“ aber sinnvoll. Zum geänderten Anbauverhalten der deutschen Landwirte komme noch die Nachfrage aus Ländern wie Indien und China, die riesige Mengen Gerste aufkauften.

Von Jan Baetz

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