Was wird aus Schlecker?

Ehingen - Für die Schlecker-Beschäftigten war es ein Osterfest zwischen Bangen und Hoffen. Ein Finanzinvestor hat sein Interesse an der insolventen Drogeriekette bestätigt. Sein Image ist umstritten.

Den Schlecker-Sanierern bleibt nicht mehr viel Zeit. Bis zum Pfingstfest in knapp 50 Tagen soll ein Investor für die insolvente Drogeriekette gefunden sein. Für die Schlecker-Frauen war es ein Osterfest zwischen Hoffen und Bangen. Einige Bewerber stehen vor der Tür. Wird die osteuropäische Investmentgruppe Penta, deren Interesse ausgerechnet am Karfreitag öffentlich wurde, zum Retter?

Die Prager Investment- und Immobiliengruppe, gegründet von fünf Freunden, hat in ihrer slowakischen Heimat nicht das beste Image. Sie soll ihren Erfolg auch der geschickten Nutzung von Gesetzeslücken und dem engen Kontakt zu wichtigen Politikern verdanken. Bisher liegen ihre Schwerpunkte in Tschechien, der Slowakei und Polen. Penta startete in den 1990er Jahren als Wertpapierhändler und entwickelte sich seitdem zu einer internationalen Investment- und Immobiliengruppe. Nun hat sie nach eigenen Angaben ein unverbindliches Angebot für den Schlecker-Gesamtkonzern abgegeben.

Insgesamt stehen nach früheren Angaben von Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz fünf “ernstzunehmende“ Interessenten für eine Übernahme bereit. Zu Namen und der Höhe der Gebote äußert er sich nicht. Geiwitz ist bei der Auswahl auf die Zustimmung der Gläubiger angewiesen. Als Knackpunkt der Verhandlungen gilt der Kaufpreis. Für den Insolvenzverwalter ist er nach Angaben vom Gründonnerstag das alles entscheidende Kriterium. Doch soll die Kette mit noch immer 13 500 Mitarbeitern wirklich einfach an den Höchstbietenden verkauft werden?

Die Gewerkschaft schlägt schon Pflöcke ein, noch bevor Näheres über mögliche Käufer bekannt ist: “Unsere Sicht ist die der Beschäftigten“, sagt Verdi-Sprecherin Christiane Scheller. “Egal welcher Investor es am Ende wird - es muss einer sein, der sich langfristig engagiert, das Filialnetz und die Arbeitsplätze erhalten will und unsere sozialen Standards einhält.“

Nachdem sich die angedachte Auffanglösung zerschlagen hat, ist auch das baden-württembergische Finanzministerium nur noch in der Beobachterrolle. “Wir hoffen, der Insolvenzverwalter trifft eine Entscheidung im Sinne der Beschäftigten“, heißt es aus dem SPD-geführten Haus.

Unklar bleiben bisher die Absichten der Kaufinteressenten, die - soweit bekannt - alle aus dem Investmentbereich und nicht aus der Drogeriebranche stammen. Dem “Spiegel“ zufolge könnte zumindest Penta für die Modernisierung der verbliebenen Schlecker-Läden rund 90 Millionen Euro einsetzen. Ein weiterer Jobabbau sei nicht vorgesehen.

Rettung für Schlecker also? Branchenkenner sind skeptisch. “Es ist schwer vorstellbar, dass daraus noch etwas werden kann“, meint einer und verweist darauf, dass die insolvente Kette schließlich jahrelang nur auf Expansion gesetzt habe, statt in die Modernisierung des Filialnetzes zu investieren. Mit Interesse verfolgt man in der Branche, “was der Geldmarkt daraus macht“. Wirtschaftsprüfer beurteilen die Perspektiven für ein Überleben der Kette allerdings nicht sehr rosig.

Zwar scheint auch noch ein Engagement von Meike und Lars Schlecker als möglich. Interessent Penta könnte sich laut “Spiegel“ aber allenfalls eine symbolische Minderheitsbeteiligung der beiden Kinder von Firmengründer Anton Schlecker vorstellen. Dass in einem künftigen Unternehmen noch an der Pleite Beteiligte sitzen könnten, ist auch für die Arbeitnehmervertreter schwer erträglich. Schließlich haben 11 000 Schlecker-Frauen ihren Job verloren. Und nicht alle von ihnen dürften das klaglos hinnehmen. Schon die Aussicht auf langwierige Gerichtsverfahren könnte Investoren abschrecken.

dpa

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