Früherer Manager muss aussagen

Wirecard-Skandal: Ex-Chef verweigert Aussage im Untersuchungsausschuss - „Mehr sage ich nicht ...“

Wirecard-Ex-Vorstandsvorsitzender Markus Braun sitzt an einem Tisch beim Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages.
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Wirecard-Ex-Vorstandsvorsitzender Markus Braun vor seiner Aussage im Wirecard-Untersuchungsausschuss des Bundestages.

Der erste Zeuge im Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal ist gleich ein Hochkaräter. Was verrät Ex-Konzernchef Braun? Ein Gericht zwingt ihn, persönlich in Berlin zu erscheinen.

Update vom 19. November, 14.28 Uhr: Der frühere Chef des Skandalunternehmens Wirecard, Markus Braun, sieht kein unlauteres Verhalten von Behörden und Politik im Zusammenhang mit dem Bilanzskandal. Er habe „zu keiner Zeit Feststellungen getroffen oder Hinweise erhalten, dass sich Behörden, Aufsichtsstellen oder Politiker nicht korrekt, pflichtwidrig oder in irgendeiner Form unlauter verhalten hätten“, sagte Braun am Donnerstag vor dem Untersuchungsausschuss des Bundestags. Das gelte auch für den Aufsichtsrat als Kontrollorgan und für die Wirtschaftsprüfer.

Mehr werde er vor dem Ausschuss nicht sagen, erklärte Braun, der seit dem Sommer in Untersuchungshaft sitzt. Er wolle sich zunächst vor der Staatsanwaltschaft äußern. „Am Ende werden unabhängige Richter entscheiden, wer die rechtliche Verantwortung für den Zusammenbruch des Unternehmens der Wirecard AG trägt“, sagte er. Auf jegliche Fragen von Abgeordneten verweigerte Braun daraufhin die Aussage.

Wirecard/Untersuchungsausschuss: Markus Braun muss vor Untersuchungsausschuss aussagen

Erstmeldung vom 19. November, 10.56 Uhr: München/Berlin - Der frühere Chef des Skandalunternehmens Wirecard soll am Donnerstag im Untersuchungsausschuss des Bundestags zu dem Bilanzbetrug aussagen. Die Abgeordneten wollen den Ex-Manager vor allem zu seinen Kontakten zu Politik und Behörden befragen. Dass er sich zu möglichen kriminellen Machenschaften und den konkreten Betrugsvorwürfen der Staatsanwaltschaft äußert, wird als eher unwahrscheinlich eingeschätzt. Zeugen müssen sich nicht selbst belasten. Markus Braun gilt als einer der Hauptverantwortlichen für Betrugsskandal, bei dem Wirecard über Jahre Scheingeschäfte in Milliardenhöhe verbucht haben soll.

Der Ausschuss will aufdecken, ob das deutsche Fintech-Unternehmen als aufstrebender Börsenstar von den Aufsichtsbehörden trotz Hinweisen auf Unregelmäßigkeiten mit Samthandschuhen angefasst wurde. Dabei geht es auch um Versäumnisse der Politik, weshalb die Kontakte Brauns relevant sein könnten.

Wirecard/Untersuchungsausschuss: Markus Braun sitzt in Untersuchungshaft

Der Ex-Manager sitzt seit dem Sommer in Bayern in Untersuchungshaft. Er wollte ursprünglich nicht persönlich vor dem Ausschuss in Berlin erscheinen, sondern per Video aussagen. Der Bundesgerichtshof gab diesen Anträgen jedoch nicht statt, so dass Markus Braun* am Mittwoch bereits nach Berlin gebracht wurde. Er übernachtet in einem Gefängnis.

Braun ist nicht der einzige Zeuge, der am Donnerstag vor dem Ausschuss aussagen soll: Auch ein Mitglied des Wirecard-Aufsichtsrats, der frühere Leiter des Rechnungswesens sowie ein für die Wirecard-Tochter in Dubai verantwortlicher Manager werden befragt. Die beiden Manager sollen per Video zugeschaltet werden - wohl auch, damit sie Braun nicht begegnen.

Wirecard/Untersuchungsausschuss: Jahrelange Verluste bei insolventem Dax-Konzern

Der inzwischen insolvente Dax*-Konzern hatte im Sommer Luftbuchungen von 1,9 Milliarden Euro eingeräumt. Das einst als deutsche Technologiehoffnung gehandelte Unternehmen saß als Dienstleister für bargeldlose Zahlungen an Ladenkassen und im Internet an der Schnittstelle zwischen Händlern und Kreditkartenfirmen* - in einem hart umkämpften Markt.

Nach bisherigem Stand der Ermittlungen machte Wirecard* jahrelang Verluste. Die Münchner Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass seit 2015 Scheingewinne auswiesen wurden. Allein Banken und Investoren verloren nach ihren Berechnungen mehr als drei Milliarden Euro.

Doch sie sind nicht die einzigen Geschädigten, auch viele Aktionäre verloren Geld, weil die Wirecard-Aktie* nach Bekanntwerden des Skandals rapide abstürzte. Am Mittwoch wurde bekannt, dass nach der Pleite gut 11.500 Gläubiger Forderungen in Höhe von 12,4 Milliarden Euro angemeldet haben. Diese Summe übersteigt die bisher erzielten Erlöse bei der Abwicklung des Konzerns um ein Vielfaches. Es gilt als ausgeschlossen, dass der Insolvenzverwalter die verlorenen Milliarden komplett zurückholt.

Wirecard/Untersuchungsausschuss: Auch Merkel und Scholz sollen als Zeugen befragt werden

Neben Wirecard selbst stehen in dem Fall die Finanzaufsicht Bafin und eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft in der Kritik. Zentrale Fragen bei der politischen Aufarbeitung soll sein, wann die Bundesregierung von den Unregelmäßigkeiten wusste und ob sie zu wenig dagegen unternommen hat.

Auch Kanzlerin Angela Merkel* (CDU*), die sich im vergangenen Jahr bei einer China-Reise für Wirecard eingesetzt hatte, und Finanzminister Olaf Scholz (SPD*) sollen im Untersuchungsausschuss als Zeugen befragt werden. Scholz hat als Reaktion auf den Skandal einen Aktionsplan für eine Reform der Finanzaufsicht vorgelegt. Die Opposition wirft ihm allerdings vor, damit von eigenem Versagen als oberster Chef der Finanzaufsicht ablenken zu wollen.

Ein Untersuchungsausschuss hat mehr Rechte als gewöhnliche Bundestagsausschüsse. Er kann Zeugen und Sachverständige vernehmen und Akteneinsicht verlangen. (dpa) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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