Regionale Wirtschaft ist in Sektlaune

Kassel/Göttingen. Krise war gestern. Selten war die Stimmung in der heimischen Wirtschaft so gut wie jetzt: In der Industrie brummt es wieder, das Handwerk in Nordhessen und Südniedersachsen erwartet trotz auslaufender Konjunkturprogramme mehr Aufträge.

Auch der Einzelhandel glaubt, an die gute Umsatzentwicklung des vergangenen Jahres anknüpfen zu können.

Volkswagen: Der mit 14 500 Beschäftigten mit Abstand größte Arbeitgeber in der Region kann sich vor Arbeit kaum retten. Nach einem Produktionsrekord von 3,46 Mio. Getrieben im vergangenen Jahr will das Werk Kassel in Baunatal den Ausstoß 2011 nochmals um zehn Prozent auf 3,8 Mio. steigern. Sonderschichten und Mehrarbeit werden weiter zunehmen, außerdem soll ein Teil der 1500 Leiharbeiter in feste Beschäftigungsverhältnisse übernommen werden.

Continental: Auch beim Reifenhersteller und Autozulieferer mit seinen regionalen Standorten in Korbach, Northeim, Bebra und Hann.Münden mit insgesamt rund 6700 Beschäftigten läuft es rund. Insgesamt wird erwartet, dass der hannoversche Konzern an die gute Geschäftsentwicklung 2010 anknüpft und die Beschäftigung leicht steigt.

Krauss-Maffei Wegmann / Rheinmetall: Die beiden großen Rüstungsschmieden in der Region haben gut zu tun. Neben dem Großauftrag zur Fertigung von mehr als 400 Schützenpanzern des Typs Puma, den sich die beiden Hersteller teilen, schlagen Bestellungen von leichten und mittleren gepanzerten Fahrzeugen für die Auslandseinsätzen von Bundeswehr und anderen europäischen Armeen zu Buche. Außerdem läuft das Instandhaltungsgeschäft zurzeit gut. Beide Unternehmen beschäftigten in Kassel rund 2500 Mitarbeiter.

Sartorius: „Wir planen überdurchschnittlich zu investieren, werden eine ganze Reihe von neuen, vielversprechenden Produkten einführen und erwarten Wachstum in beiden Konzernsparten“, heißt es bei Sartorius in Göttingen. Der Biotechnologie- und Mechatronikanbieter beschäftigt weltweit 4300 Mitarbeiter, davon 1800 am Konzernsitz.

Daimler: Das zentrale Achsenwerk für Lkw- und Transporterachsen in Kassel ist nach der schweren Branchenkrise im Herbst 2010 zur Normalität zurückgekehrt. Die Auslastung ist gut, die Vollbeschäftigung der gut 2900 Mitarbeiter ist gesichert.

Bombardier: Der Kasseler Lokbauer will wie 2010 auch in diesem Jahr rund 130 Zugmaschinen ausliefern. Das entspricht einer guten Auslastung, die die Beschäftigung der rund 750 Mitarbeiter sichert.

SMA: Der weltweit führende Solartechnik-Hersteller aus Niestetal (Kreis Kassel) legt nach dem rasanten Wachstum der vergangenen Jahre 2011 eine kleine Verschnaufpause ein. Der Umsatz soll laut Unternehmensprognose um zehn Prozent auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro sinken. Die Beschäftigung der rund 5500 Mitarbeiter dürfte aber gesichert sein. (jop)

Einzelhandel und Handwerk

Umsatz steigt: Der Einzelhandelsverband Hessen Nord erwartet nach den Worten seines Geschäftsführers Hans Joachim Ebert „einen vernünftigen Konsum“ und somit eine Fortsetzung des positiven Trends von 2010. „Wir hoffen auf stabile wirtschaftliche Verhältnisse, damit die Verbraucher verlässlich planen können“, sagte Ebert. Der Vorsitzende des Einzelhandelsverbandes in Göttingen, Willi Klie, rechnet mit einem Umsatzplus von bis zu einem Prozent. Er baut auf insgesamt steigende Löhne, um den Konsum zu stärken.

Beschäftigung wächst: Das Handwerk in der Region ist äußerst zuversichtlich. Matthias Joseph von der Kammer in Kassel erwartet ein „ordentliches Jahr“. Die Beschäftigung - im Kammerbezirk arbeiten 87 000 Menschen in 15 600 Betrieben - werde „mindestens stabil“ sein. In Hessen beschäftigt die Branche 330 000 Mitarbeiter und setzte 2010 rund 35 Mrd. Euro um. Das niedersächsische Handwerk mit seinen 428 000 Beschäftigten erwartet leicht steigende Umsatz- und Mitarbeiterzahlen. 2010 lag der Umsatz bei 37,5 Mrd. Euro. (jop)

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