Wirtschaftsfaktor Hund: Leckerli, Leine und Luxusnapf sichern 100.000 Arbeitsplätze

Die Umsätze aus der Hundehaltung machten 2010 etwa 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus. Foto: dpa

Köln/Göttingen. Sie sind treue Begleiter, der beste Freund des Menschen – und ein enormer Wirtschaftsfaktor: Hunde. Ob für Futter, Spielzeug oder Tierarzt, das Wohl ihres Vierbeiners ist den Deutschen einiges wert.

50 bis 100 Euro geben Hundebesitzer laut dem Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) im Schnitt monatlich für ihr Tier aus.

Für den Einzelnen mag das viel oder wenig sein. Für die Wirtschaft insgesamt ist der Faktor Hund beträchtlich. In Deutschland leben 5,3 Millionen bellende Vierbeiner. Sie zählen neben Katzen zu den beliebtesten Haustieren. Das Geschäft mit Schäferhund, Dackel und Labrador brummt – umsatzstark und krisensicher. Allein für Hundefutter gaben die Deutschen nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) im Jahr 2010 rund 834 Millionen Euro aus. Zum Vergleich: Für Babynahrung zahlten sie 556 Mio..

Leckerlis allein machen das Tier schon lange nicht mehr froh. Der Umsatz mit Hundebedarfsartikeln kletterte im vergangenen Jahr auf 155 Millionen Euro – ein Zuwachs von 3,3 Prozent gegenüber 2009. „Dazu gehört alles, was der Hund braucht, aber nicht fressen darf“, sagt der Sprecher des Industrieverbands Heimtierbedarf IVH, Detlev Nolte – also Zubehör wie Leinen, Bürsten, Körbchen oder Spielzeug.

Alle Ausgaben, die direkt oder indirekt mit der Hundehaltung zusammenhängen, summieren sich auf rund fünf Milliarden Euro im Jahr. Zu diesem Ergebnis kommen Renate Ohr und Götz Zeddies in einer Studie an der Universität Göttingen im Auftrag des IVH. Die umfassenden Berechnungen der beiden Ökonomen liegen zwar schon fünf Jahre zurück. Doch ihre Zahlen seien noch aktuell, sagt VDH-Geschäftsführer Leif Kopernik.

258 Millionen Hundesteuer

Der IVH schätzt, dass auf jede Milliarde, die mit Hundefutter umgesetzt wird, etwa vier weitere an sonstigen, gesamtwirtschaftlich relevanten Umsätzen folgen. Die Göttinger Forscher zählen dazu die Erlöse von Tierärzten, Hundeschulen, -vereinen, -salons und -pensionen, Züchtern, Schauen, Tierheimen und Versicherungen. Schwer zu beziffern sind die Ausgaben für Gassi-Geher.

Auch der Staat verdient mit: Nach Angaben des Statistischen Bundesamts kassierten die Kommunen 2010 bundesweit 258 Millionen Euro Hundesteuer.

Die Umsätze aus der Hundehaltung machten 2010 etwa 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes aus, das bei 2497 Milliarden lag. Der Anteil der Land- und Forstwirtschaft lag bei 0,9 Prozent. Rund 100 000 Arbeitsplätze vom Tierarzt bis zum Verkäufer sind in Deutschland laut der Göttinger mit Hunden verbunden. Das ändert sich in wirtschaftlich schwierigen Zeiten kaum.

Selbst wenn das Hundeleben endet, kurbelt der Vierbeiner die Wirtschaft an. Das Geschäft mit Tierbestattungen boomt, den Umsatz schätzt Gert Buttgereit vom Bundesverband der Tierbestatter auf rund zehn Millionen Euro. Herrchen zahlt für Bestattung und Ruhestätte 100 bis 450 Euro. (dpa)

Von Olivia Konieczny

Viele Marken, wenige Hersteller

Die Palette der Hundenahrung in den Regalen der Supermärkte erscheint bunt und breit gefächert. Viele scheinbare Konkurrenz-Produkte werden jedoch vom gleichen Konzern hergestellt.

Mars Petcare

Das Schokoriegelimperium Mars vereint viele bekannte Marken unter seinem Dach: Mit Mars Petcare vertreibt der US-Konzern unter anderem Chappi, Pedigree, Frolic, Royal Canin und Cesar. Zudem versorgt Mars mit Whiskas und Kitekat auch Katzen. Insgesamt kontrolliert Petcare ein Viertel des deutschen Heimtiernahrungsmarktes, der zu 90 Prozent aus Hunde- und Katzenfutter besteht, und setzte hier 2010 etwa 709 Mio. Euro um. Dabei beherrschte die Mars-Tochter, die seit der Gründung 1960 bis 2001 als Effem firmierte, den deutschen Markt jahrzehntelang fast vollständig von ihrer Niederlassung im niedersächsischen Verden aus.

Nestlé Purina

Weltweit beherrscht die Nestlé-Tochter mit einem Viertel des Marktes fast so viel wie Spitzenreiter Mars, in Deutschland kommt Purina mit Marken wie Matzinger, Pro Plan und Bonzo sowie Felix Katzenfutter auf knapp 15 Prozent Marktanteil. 2010 setzte Nestlés Tierfutterabteilung in Deutschland 241,5 Mio. Euro um.

Andere Marken

Auch Futtermarken wie IAMS und Eukanuba (Procter & Gamble), Hill’s (Colgate-Palmoliv) und Kibbles ‘n Bits (Ketchup-Hersteller Heinz Company) gehören großen Lebensmittelkonzernen. In den vergangenen Jahren sind jedoch vor allem die Eigenprodukte der Supermärkte und Discounter wie Aldi, Edeka und Rewe auf dem Vormarsch. Laut dem Wirtschaftsforscher Manfred Fuchs greift etwa jeder siebte Hundehalter zu diesen günstigen Marken. (ntz)

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