Das Kasseler Unternehmen arbeitet mit Faserverbund-Werkstoffen statt Stahl

Xperion hat’s gern leicht

Setzen auf Leichtgewichte: Die Kasseler Xperion GmbH stellt Walzen und Gasbehälter aus Verbundfaserstoffen her. Das Bild zeigt Sebastian Hahn an der Wickelmaschine. Die schwarzen, hauchfeinen Kohlefasern sind nur sieben tausendstel Millimeter stark – ein Haar ist zehn Mal so dick. Fotos: Koch

Kassel. Auf den richtigen Dreh kommt es an. Dicht an dicht legen sich die schwarzen, feinen Kohlefasern um das meterlange Stahlrohr. Später werden sie in einem Ofen aushärten und der Stahlkern wird wieder herausgezogen. Was bleibt, ist ein robustes Leichtgewicht, das als Bahnführungswalze in einer Druckmaschine rotieren wird – 24 Stunden am Tag.

Die Kasseler Xperion Energy & Environment GmbH speckt ihre Produkte gewissermaßen ab. In den Komponenten, die sie herstellt, ersetzen leichte Kohle- und Kunststofffasern vollständig oder teilweise den schweren Stahl. Abnehmer des vor zehn Jahren gegründeten Unternehmens sind Druckindustrie, Maschinenbauer und die Energiewirtschaft. In Verbundfaser-Tanks aus Kassel wird komprimiertes Erdgas (CNG) transportiert. Xperion-Antriebswellen arbeiten in Schiffsmotoren, Glasfaserkupplungen in Windrädern. Sogar mehrere tausend Meter unter Wasser sind die Produkte der Nordhessen zu finden. Sie statten Öl- und Gasförderer mit Rohren und Leitungssystemen für Tiefseebohrungen aus.

„Buy and build“ – kaufen und aufbauen nennt Xperion-Geschäftsführer Dietmar Müller die Strategie der Herforder Avanco-Gruppe, zu der die Xperion-Familie mit ihren Standorten gehört (siehe Hintergrund). Die Kasseler gingen 2001 mit dem Kauf des Faserverbundgeschäfts der dortigen AIK-Gruppe, eines Herstellers von Spezialwerkstoffen und Komponenten, an den Start. Weniger als zwei Millionen Euro Umsatz erwirtschafteten die rund 20 Beschäftigten damals. Heute ist die Belegschaft auf 97 Mitarbeiter gewachsen, 30 von ihnen sind Leiharbeiter.

Die Verbundfaser-Rohre für Schwesterunternehmen der Holding machen die Hälfte des Umsatzes aus, sagt Müller. Den Rest steuern die Druckbehälter für Gas und Wasserstoff bei. „Sie sind unser strategisches Top-Thema“, sagt Entwicklungschef Michael Kleschinksi. Denn anders als in Europa, wo CNG über kürzere Strecken durch Rohrleitungen geschickt wird, werden in Ländern wie Asien und Amerika weite Distanzen per Lastwagen zurückgelegt.

Die Rechnung für den Transporteur ist einfach: Je leichter ein Gasbehälter ist, desto mehr können aufgeladen werden. Auch für Autos mit Gasantrieb sind die Leichtgewichte interessant.

Auch in Taxis in Singapur

Ein Liter-Tank aus Stahl oder Aluminium wiegt etwa ein Kilogramm. Die mit Verbundfaser umsponnenen Plastikbehälter von Xperion bringen 250 bis 550 Gramm auf die Waage. Sind sie gefüllt, ist der Druck in ihnen mit 200 bar hundert Mal so hoch wie in einem Autoreifen. 8 000 Behälter fertigen die im Dreischicht-Betrieb arbeitenden Kasseler im Jahr. Sie sind damit schon weit herumgekommen: Xperion-Tanks stecken sogar in mit Gas angetriebenen Taxis in Singapur.

Von Barbara Will

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