Regierung: Kein Grund zur Sorge

Immer mehr Deutsche haben Zweitjobs

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Stellensuche in der Zeitung. Seit 2003 hat sich die Zahl der Bundesbürger mit einem Nebenjob mehr als verdoppelt.

Berlin - Seit 2003 hat sich die Zahl der Bundesbürger mit einem Nebenjob mehr als verdoppelt. Die Frage ist: Wollen sie es oder müssen sie es? Die Regierung sieht keinen Anlass zur Sorge.

Immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland verdienen sich neben ihrer Hauptbeschäftigung noch etwas hinzu. Im vergangenen Jahr hat bereits jeder elfte Beschäftigte zusätzlich zu seiner regulären Arbeitsstelle mindestens einen Minijob ausgeübt. Seit dem Jahr 2003 hat sich damit die Zahl der Zweitjobs mehr als verdoppelt. Das geht aus einer neuen Statistik der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor, über die zunächst die „Saarbrücker Zeitung“ (Freitag) berichtete.

Hatte der Anteil der Nebenjobber unter Männer und Frauen mit einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung im Juni 2003 mit 1,157 Millionen lediglich bei 4,3 Prozent gelegen, waren es im Juni 2011 bereits 2,5 Millionen oder 8,8 Prozent. Die Bundesagentur führt diese Entwicklung im wesentlichen darauf zurück, dass seit dem Jahr 2003 Minijobs auch wieder als Nebenjob ausgeübt werden dürfen. „Seitdem nehmen die Zahlen zu“, sagte eine BA-Sprecherin. Die Gründe dafür ließ sie offen.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

Vorsicht am Arbeitsplatz: Auch ihr Arbeitgeber könnte ihre Mails und Surfgewohnheiten mitlesen. Kommt es dann zu Differenzen, ziehen Sie schnell den Kürzeren. © dpa
Im Auto sorgt die Telemetrie dafür, dass Daten über das Fahrverhalten wie Geschwindigkeit, Verschleiß und Fahrzeiten aufgezeichnet werden. Versicherungen überlegen bereits, ihre Tarife an diesen Daten zu orientieren. © dpa
Die Black Box im Auto speichert genau wie die im Flugzeug Fahrzeugdaten und gibt Aufschluss über die Laufleistung und Ihre Fahrgewohnheiten. © dpa
Überwachungskameras an öffentlichen Plätzen dienen in erster Linie dazu, Kriminalität zu verhindern. Dennoch sollten wir uns bewusst sein: Jeder Reisende wird aufgezeichnet und archiviert. © dpa
Inzwischen können Überwachungskameras dank moderner Software biometrische Daten lesen und sogar gesuchte Verbrecher erkennen. © dpa
Lesen bildet, das weiß jeder. Doch hätten Sie gedacht, dass die Liste der von Ihnen ausgeliehenen Bücher in Ihrer Bibliothek viel über Ihren Charakter verrät und gespeichert werden? © dpa
Wer online Bücher kauft, etwa bei Amazon, muss wissen: Das Unternehmen speichert alle Daten, inklusive Zahlungsmittel. Wie sonst könnte Sie die Website persönlich begrüßen und ihnen Lesevorschläge machen, die immer erstaunlich gut mit ihren Interessen übereinstimmen. © dpa
Auch im Supermarkt lauern jede Menge Überwachungssysteme: © dpa
Lebensmittel im Supermarkt, aber auch Kleidung sind bereits heute mit RFID-Chips ausgestattet. Darin gespeichert: Marke, Menge und Preis. Sie lösen die bisher üblichen Barcodes ab. Das Problem: Sie können überall ausgelesen werden. So erfährt jeder Supermarkt oder jedes Einkaufszentrum, das Lesegeräte für diese Etiketten besitzt, was Sie tragen und wieviel Geld Sie dafür ausgeben.  © dpa
Inzwischen sind sie alte Bekannte und jeder hat mindestens eine einstecken: Bonuskarten. Sie verraten dem Supermarkt, welche Produkte wir kaufen und ob wir potente Kunden sind. Ihr Bonuskarten-Anbieter weiß, wie viel Alkohol Sie beispielsweise trinken oder ob Sie schwanger sind. © dpa
Wer die Wahl zwischen der Bargeld- oder der Kartenzahlung hat, sollte sich im Klaren darüber sein, dass die Zahlungsdaten bei Kartenzahlung gespeichert werden. © dpa
Digitales Fernsehen bietet uns jede Menge Vorzüge: Bessere Bildqualität, größere Senderauswahl und sogar Filme auf Bestellung. Und ganz nebenbei kann der Anbieter ein genaues Bild unserer Fernsehgewohnheiten erstellen. © dpa
Gut zu wissen: Wer ein Flugticket kauft und es mit Kreditkarte bezahlt, gibt viele persönliche Daten preis. Wer in die USA reist, muss wissen, dass EU-Staaten 40 Datensätze an die USA liefern, die 15 Jahre gespeichert werden dürfen. Dazu zählen, Name, Geburtstdatum, Alter, usw. © dpa
Unsere Reisepässe sind schon heute mit biometrischen Daten ausgestattet. Sie verraten bei Passkontrollen unsere persönlichen Daten. Stimmen unsere Reise-Gewohnheiten also mit denen eines Terroristen überein, gibt‘s Probleme. © dpa
Telefonieren Sie auch gern und ausführlich mit dem Handy? Vorsicht! Das Abhören der kleinen Alleskönner ist inzwischen kein Problem mehr. Die Mobilfunkanbieter sind zudem gesetzlich dazu verpflichtet, alle Verbinsdungsdaten zwei Jahre lang zu speichern. © dpa
Haustiere tragen häufig RFID-Chips im Körper, die ihre Indetifizierung erleichtern. Manchmal öffnen diese Chips sogar die Hundeklappe. Wenn Sie mit Ihrem Vierbeinder also gassigehen, hinterlassen Sie auch dabei Ihre Datenspur. Auch Menschen können sich RFID-Chips implantieren lassen. Vielleicht ersetzen sie bald den Schlüsselbund. © dpa
Die meisten Haus- und Wohnungstüren haben noch herkömliche Schlösser, doch so mancher Vermieter könnte auf die Idee kommen, sie gegen elektronische Schlösser auszutauschen. Dann weiß er auch gleich wann sie wie lange zu Hause waren. © dpa
Laserdrucker markieren ihre gedruckten Seiten mit einem kleinen Code, dann lassen sich die Dokumente dem Gerät zuordnen - und Ihr Chef weiß, was Sie am Arbeitsplatz ausdrucken. © dpa
Internet-Provider speichern ebenso wie Mobilfunkanbieter Verbindungsdaten zwei Jahre lang - sie wissen mit wem Sie Kontakt haben. © dpa
Spyware, die Hacker beispielsweise in Spam-E-Mails verschicken oder die auf infizierten Seiten lauert, installiert sich von selbst auf Ihrem Rechner und versendet unbemerkt persönliche Informationen wie Passwörter oder Bankdaten. © dpa

Das Bundesarbeitsministerium sieht in der Entwicklung keinen Anlass zur Sorge. Es gebe „keinen empirischen Beleg“ dafür, dass materielle Not die Betroffenen zusätzlich in Minijobs zwinge, sagte ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums. In einer Allensbach-Umfrage hätten 70 Prozent der Minijobber von einer „Wunschkonstellation“ gesprochen.

„Dass immer mehr Beschäftigte neben ihrer Haupttätigkeit einem Zweitjob nachgehen, ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Arbeit nicht mehr existenzsichernd ist und das Geld aus einem Job nicht mehr ausreicht“, sagte dagegen die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linken, Sabine Zimmermann, der Zeitung. Vollarbeitsverhältnisse, aus denen man sein Leben bestreiten könne, gebe es immer seltener.

Nach Ansicht des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ist materielle Not hingegen nicht das Hauptmotiv, da es unter den arbeitenden Senioren auch viele Hochqualifizierte gebe. „Viele wollen arbeiten, weil sie sich noch fit fühlen“, sagte jüngst der IW-Arbeitsmarktexperte Holger Schäfer.

In Deutschland gibt es rund 6,9 Millionen Minijobs. Nur 243 000 dieser geringfügig Beschäftigten sind in Privathaushalten angemeldet. Gut 760 000 Minijobber sind im Rentenalter. Ende 2004 waren es laut BA noch 650 000. Für Minijobs müssen die Arbeitgeber pauschaliert Steuern und Abgaben entrichten. Das waren im zweiten Quartal 2012 nach Zahlen der Minijob-Zentrale etwa 1,7 Milliarden Euro.

Von Günther Voss

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