Branche spricht von deutlicher Konjunkturbelebung - Fachkräfte gesucht - kaum Nachfrage nach Helfern

Zeitarbeit spürt den Aufschwung

Kassel/Göttingen. Bei Hochkonjunktur werden sie händeringend gesucht, und in der Krise sind sie die ersten, die gehen müssen: Zeitarbeiter. Die Lage der Personaldienstleister-Branche insgesamt ist ein Gradmesser für die bevorstehende wirtschaftliche Entwicklung.

Lesen Sie auch:

Zeitarbeitsbranche boomt

Demnach steht es um die Konjunktur in naher Zukunft besser als vor einigen Monaten noch erwartet. Auch in der Region zieht die Nachfrage nach Leiharbeitnehmern an. Auf 730.000 bis 750.000 Beschäftigte beziffert das Institut der deutschen Wirtschaft die aktuelle Zeitarbeiterzahl bundesweit. Zum Vergleich: Im Juli 2008, auf dem Höhepunkt des jüngsten Wirtschaftsbooms, beschäftigte die Branche 820.000 Männer und Frauen, nur neun Monate später waren es fast 290.000 weniger.

„Wir spüren den konjunkturellen Aufschwung“, sagt Michael J. Pusch vom Personaldienstleiter Job AG in Fulda. Stark gefragt seien derzeit Arbeitskräfte für die Logistik-Branche, Pflege-, und Heilberufe sowie Call-Center. Weiter schleppend verlaufe die Geschäftsentwicklung im Maschinenbau. Wie der Sprecher der Volkswagen-Zeitarbeitsfirma Autovision, Bernd Telm, stellt auch Pusch eine verstärkte Nachfrage nach höher und hochqualifizierten Arbeitnehmern fest. „Gefragt sind vor allem Techniker und Ingenieure“, erklärte Telm. Im ersten Quartal habe das Geschäft angezogen. Autovision betreibt unter anderem Niederlassungen in Kassel und Göttingen und bedient neben den VW-Konzerngesellschaften auch Dritte mit Zeitarbeitern.

Vielerorts macht sich bereits ein Fachkräftemangel bemerkbar. Eine Entwicklung, die auch der Göttinger Niederlassungsleiter des Personaldienstleisters Ranstaad, Lars Stöber, bestätigt: „Tendenziell werden nicht Produktionshelfer, sondern Fachkräfte gesucht“, sagt er. Mit Ausnahme des Maschinenbaus zeichnet sich auch nach seinen Beobachtungen ein breiter Aufschwung über nahezu alle Branchen ab. Dagegen sieht die Kasseler Niederlassungsleiterin von Manpower, Martina Quaß, allenfalls einen „leichten Trend nach oben“. Die überwiegend kurzen Vertragslaufzeiten zeigten ferner, dass viele Arbeitgeber noch sehr vorsichtig agierten. In Kassel und Umland wirken sich vor allem zwei Sonderfaktoren seit Monaten positiv auf den Arbeitsmarkt und damit auch auf die Zeitarbeit aus: Am Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal mit seinen 13.000 Beschäftigten ging die Krise wegen der guten Auftragslage bei Europas größtem Autobauer nahezu spurlos vorüber, wodurch die Beschäftigung – auch bei Zulieferern und Dienstleistern – weit gehend stabil blieb.

In Kassel und Umland wirken sich vor allem zwei Sonderfaktoren seit Monaten positiv auf den Arbeitsmarkt und damit auch auf die Zeitarbeit aus: Am Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal mit seinen 13 000 Beschäftigten ging die Krise wegen der guten Auftragslage bei Europas größtem Autobauer nahezu spurlos vorüber, wodurch die Beschäftigung – auch bei Zulieferern und Dienstleistern – weit gehend stabil blieb. Und der Solartechnik-Hersteller SMA in Niestetal (Kreis Kassel) fegt den Arbeitsmarkt mit seinem ungewöhnlich hohen Waschstumstempo regelrecht leer. Etwa 1800 neue Jobs – teils fest, teils in Zeitarbeit – schuf das Unternehmen in den vergangenen 15 Monaten. 1000 weitere sollen folgen. Schon jetzt klagen Handwerker und andere kleine Unternehmen über eine starke Abwanderung von Fachkräften zu SMA.

Von Jose Pinto

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.