Kasseler Ferngashändler bestätigt Untersuchung wegen Vertragsklauseln

Wingas im Blick der Kartellwächter

Kassel. Das Bundeskartellamt ermittelt gegen den Kasseler Energieriesen Wingas. Demnach hat die Wettbewerbsbehörde ein sogenanntes Verwaltungsverfahren eingeleitet, um die Rechtmäßigkeit von Wingas-Verträgen zu prüfen.

Damit erhöhte die Behörde „Untersucht werden Verträge, die einen Weiterverkauf von Gasmengen nicht erlauben. Wingas verfügt über einzelne Verträge, die eine solche Klausel enthalten“, bestätigte Wingas-Sprecher Stefan Leunig am Donnerstag.

Der Energieversorger Wingas ist ein Gemeinschaftsunternehmen des größten deutschen Erdöl- und Erdgasproduzenten, der Wintershall in Kassel, und des russischen Branchenriesen Gazprom. Bei den Prüfungen des Bonner Bundeskartellamtes geht es um so genannte Take-or-Pay-Klauseln (Nehmen oder Bezahlen), die sich unter anderem auch in Wingas-Verträgen finden.

„Diese Vertragsklauseln wurden in den 90er–Jahren vereinbart und waren damals marktüblich, werden seit einigen Jahren aber von Wingas nicht mehr angewandt“, sagt Leunig. Take-or-Pay verbietet Großkunden – wie Industrieunternehmen und Stadtwerke – geordertes, aber nicht benötigtes Gas weiterzuverkaufen. Möglich wäre dies wie beim Strom über so genannte Spotmärkte. Die Versorger haben kein Interesse daran, dass der Spotmarkt mit weiterem Gas bedient wird.

Zusätzliche Angebote könnten auf den Preis drücken. „Stattdessen verkauft Wingas das Gas aus den Altverträgen oder speichert es zunächst und verkauft es später“, sagt Roland Schmied, Sprecher des Großverbraucherverbandes VIK in Essen – solang die Speicher des zweitgrößten deutschen Ferngasanbieters Wingas nicht gefüllt sind. „Es wird also zweimal kassiert, wenn auch nun zu deutlich ungünstigeren Preisen“, kritisiert Schmied.

Während der allgemeinen Wirtschaftskrise könnten derzeit etliche Industrieunternehmen ihren Abnahmepflichten nicht nachkommen. Über alle Branchen sind es Schnitt an die zehn Prozent Gas zuviel, das geordert wurde. Bestellt werde von den Großkunden in der Regel eine Menge, die um zehn Prozent über oder unterschritten werden kann. Das Bundeskartellamt war bislang zu keiner Stellungnahme bereit.

Von Martina Wewetzer

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