Brüsseler Regeln stärken freie Kfz-Werkstätten – Reparaturen sollen billiger werden

EU zieht die Schrauben an

Freie Fahrt für freie Werkstätten? Sie sollen nach dem Willen der EU-Kommission den gleichen Zugang zu Ersatzteilen und Informationen haben wie die an Hersteller gebundene Konkurrenz. Foto: dpa

? Wie hilft die Regelung freien Werkstätten, und was hat der Verbraucher davon?

!Hersteller dürfen freien Werkstätten technische Informationen und den Zugang zu günstigen Ersatzteilen nicht verweigern. Das galt zwar auch bisher, aber mit den neuen Regeln kann die EU schärfer gegen schwarze Schafe vorgehen. „Die Preise werden sinken, es wird mehr Auswahl geben und der Service wird besser werden“, verspricht EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Reparaturen machen nach Angaben der Brüsseler 40 Prozent der Gesamtkosten für die Fahrzeughaltung aus.

? Warum sind freie Werkstätten meist günstiger?

!Die Arbeitsstunden sind in der Regel billiger als bei Vertragswerkstätten. Denn diesen macht „ihr“ Hersteller Vorschriften: Sie müssen Personal vorhalten, repräsentieren. Das kostet Geld, das letztlich die Verbraucher zahlen.

? Gilt die Garantie der Hersteller auch, wenn das Auto in einer freien Werkstatt repariert wurde?

!Ja. Autohersteller dürfen die Gewährleistungspflicht nicht davon abhängig machen, dass Wartungsarbeiten, etwa ein Ölwechsel, nur in zugelassenen Werkstätten vorgenommen werden, erklärt die EU. Wenn die Reparaturen fachgerecht gemacht werden und Ersatzteile die gleiche Qualität haben wie die Originalteile, dann „ist die Gewährleistung gesichert“, sagt Manfred Kaufhold, Präsident des Bundesverbandes der Freien Werkstätten. Der Zeitpunkt der Verordnung hilft den freien Werkstätten sehr. Denn dank der Abwrackprämie sind mehr Neuwagen auf dem Markt. Gerade bei diesen geht es um Gewährleistung.

? Gibt es Ausnahmen von diesen Neuregelungen?

!Eine Ausnahme gesteht die EU den Auto-Herstellern zu: Sie dürfen verlangen, dass unter die Gewährleistung fallende Reparaturen, für die sie selbst aufkommen müssen, nur von Vertragswerkstätten vorgenommen werden.

? Für manche Reparaturen werden teure, markenspezifische Spezialwerkzeuge gebraucht. Können freie Werkstätten da mithalten?

!Immer mehr freie Werkstätten schaffen diese Werkzeuge an – vor allem die Garagen, die mit neuen Autos arbeiten wollen, können kaum darauf verzichten. Andere Werkstätten leihen sich die Werkzeuge untereinander aus. Das ist allerdings nicht ganz einfach, sagt Kaufhold.

? Haben die freien Werkstätten jetzt Grund zum Feiern?

!Die Neuregelung stärkt die freien Werkstätten wirkungsvoll, sagt Kaufhold. Doch er vermutet, dass die Automobilindustrie ihrerseits Kunden locken wird: etwa mit „Flatrate-Angeboten“ oder Zusatzgarantien.

? Wie viele Werkstätten gibt es in Deutschland?

!Es gibt 39 000 Autohäuser und Werkstätten, davon etwa 20 000 freie Werkstätten.

? Was ändert sich für die Autohändler?

! Ab 2013 können Konzerne Händler wieder verpflichten, nur eine Marke zu verkaufen. Begründung der EU: Die Mehrmarkenregelung sei zu kompliziert und treibe die Vertriebskosten in die Höhe.

Von Barbara Will

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