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Wegen Zinsflaute: Lebensversicherung kündigen oder nicht?

Die Lebensversicherung hat Tradition bei uns: Über Jahrzehnte war sie das Altersvorsorgeprodukt schlechthin.

Die Lebensversicherung, Klassiker der Alltagsvorsorge, hat Ärger. Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank setzt Versicherern zu. Sollte man nun die Police kündigen oder nicht?

Im Laufe der Jahre ging der Garantiezins zurück. An den Überschüssen werden die Kunden bei neuen Policen zwar höher beteiligt, aber lohnt sich die Lebensversicherung noch? Ist dies auch der Fall, wenn der Versicherer seine Lebensversicherungen verkauft – wie zuletzt der italienische Versicherungskonzern Generali? Er hat seine deutsche Tochter Generali Leben an den Abwickler Vidirium verkauft – inklusive rund vier Millionen Lebensversicherungsverträgen. Kürzlich wurde bekannt, dass die Frankfurter Leben die Kunden der Pro bAV Pensionskasse des Axa Konzerns und der Prudentia Pensionskasse der Schweizer Familienholding Cofra (Modekette C&A) übernommen hat.

Lohnt sich eine Lebensversicherung?

Attraktiv sind meist noch ältere Policen, die vor dem Jahr 2005 abgeschlossen wurden. Die Erträge liegen ohne Schlussüberschuss meist bei vier Prozent im Jahr. Sind es nur noch wenige Jahre bis zur Auszahlung, lohnt es sich oft bis zum Vertragsende durchzuhalten und noch den Schlussüberschuss mitzunehmen. Um die Garantieversprechen von einst zu halten, haben die Versicherer eine Zinszusatzreserve aufgebaut, ihre Kapitalanlagepolitik geändert, Produkte mit veränderten Garantiezusagen eingeführt und die Kosten gesenkt, betonte Thomas Menning, Experte des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft im Juni 2018.

Die Zinszusatzreserve betrug Ende 2016 insgesamt 44,1 Milliarden Euro, Ende 2017 waren es 60 Milliarden Euro. In den nächsten Jahren werden weitere Milliarden hinzukommen. Aber selbst ein hoher Garantiezins ist nicht unbedingt attraktiv. Denn er bezieht sich nur auf den Sparanteil. Das sei der Teil, der nach Abzug von Kosten und Risikoabsicherung noch übrig bleibt, so Kerstin Becker-Eiselen von der Verbraucherzentrale Hamburg gegenüber den Kollegen der HNA*.

Lebensversicherung kündigen oder nicht?

Unabhängig von der Ertragsentwicklung der einzelnen Versicherungspolice gibt es zwei grundsätzliche und wichtige Kriterien, die man stets bedenken sollte:

  1. Viele Policen enthalten eine Berufsunfähigkeits-Rente. Sie ist oft schwer zu ersetzen, denn je älter man ist, desto teurer wird solch eine Police.
  2. Wer sein Haus noch abzahlen muss, kann mit dem Geld der Police das Darlehen ablösen oder das Geld in Sondertilgungen stecken, anstatt mickrige Zinsen zu kassieren.

Auch bei Neuabschluss einer Lebensversicherung ist Vorbereitung und Wissen wichtig. Leider gibt es für Laien keinen einfachen Check, der bei der persönlichen Entscheidung hilft. Zum einen sind die Verträge komplex, es gibt unterschiedliche Vertragsarten. Für eine vernünftige Entscheidung braucht es eine fachmännische Vertragsanalyse – und die gibt es nicht umsonst. Die Verbraucherzentrale Hessen verlangt beispielsweise für eine halbe Stunde 40 Euro. Unabhängige Finanz- und Honorarberater findet man bundesweit über das Internet. Das Honorar dieser privaten Berater wird pauschal oder stundenweise berechnet und ist immer fällig - egal ob es zu einem Vertragsabschluss kommt oder nicht. Eine Stunde kostet im Durchschnitt 150 Euro. Um herauszubekommen, ob sich solch der Einsatz des Geldes lohnt und wie es um die eigene Versicherung steht, hat der Bund der Versicherten(BdV) einen Online-Rechner auf seiner Seite.

Lebensversicherung verkaufen: Das muss man beachten

Zwar achtet die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) darauf, dass auch die neuen Besitzer der Lebensversicherungs-Verträge die versprochenen Garantien von einst erfüllen, aber bei den variablen Erträgen wie der Überschussbeteiligung ist Spielraum. Wenn es einzig um das Verkaufen oder Abwickeln geht, wo sollte da der Anreiz sein, sich für mehr Überschuss ins Zeug zu legen? In solch einem Fall hat der Kunde drei Möglichkeiten: Weiterzahlen (weil der Vertrag sich dem Ende zuneigt), beitragsfrei stellen oder verkaufen. Letzteres sollte man aber nie ohne fachkundige Beratung tun.

Was ist mit der Überschussbeteiligung bei der Lebensversicherung?

Die Zinszusatzreserve betrug 2017 60 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Doch woher kommt das Geld für diese Zusatzreserve? Oft geht dies zulasten der Überschüsse, die die Versicherer an ihre Kunden auszahlen. Im Laufe der vergangenen Jahre sank nicht nur der Garantiezins, sondern auch die Überschussbeteiligung. Das bekommen vor allem die Bestandskunden zu spüren. „Während Versicherte mit alten Verträgen häufig über den Garantiezins hinaus kaum oder gar keine Überschüsse erhalten, gibt es bei Neuverträgen ab 2013 mehr davon“, sagt Theodor Pischke von der Stiftung Warentest. Immer wieder beschäftigen sich Gerichte mit dieser Thematik.

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Wie sieht das beim Abschluss einer neuen Lebensversicherungen aus?

Auch die neuen Produkte mit abgesenkten Garantien, sogenannte Neue Klassik, eignen sich nicht als planbare Altersvorsorge. „Höhere Überschüsse – als Ausgleich für weniger Garantien in Aussicht gestellt – sind ungewiss“, erklärt Pischke. Denn: Nullzinspolitik bleibt Nullzinspolitik.

Kapitallebensversicherung - Widerspruch

Für Kapitallebens- und Rentenversicherungsverträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden und eine falsche Widerspruchsbelehrung haben, gilt ein unbegrenztes Widerspruchsrecht. Ob sich das lohnt, kann man online bei der Verbraucherzentrale Hamburg www.vzhh.de testen. Sollen die Verbraucherschützer den Vertrag prüfen, kostet dies 85 Euro.

Bausteine der Lebensversicherung als Übersicht

Eine Lebensversicherung besteht aus verschiedenen Bausteinen. Hier haben wir eine knappe Übersicht für Sie erstellt.

  • Garantiezins: Der Garantiezins ist Teil der Gesamtverzinsung der Sparbeiträge (der monatliche Beitrag nach Abzug der Kosten für die Verwaltung) einer Lebensversicherung. Wer aktuell eine Lebensversicherung abschließt, macht dies zu einem Garantiezins von 0,90 Prozent (mehr dürfen seriöse Gesellschaften nicht garantieren). Dieser Zins wird vom Bundesfinanzministerium einmal im Jahr festgesetzt.
  • Überschussbeteiligung: Lebensversicherer sind verpflichtet, mit den Kundenbeiträgen vorsichtig zu kalkulieren.. Sie erzielen regelmäßig Überschüsse aus drei Töpfen: Zum einen, wenn die Kapitalanlage höhere Erträge abwirft, als für die garantierte Verzinsung gebraucht werden. Zum anderen aus Überschüssen aus dem Risikogeschäft. Die ergeben sich aus den Todesfällen (es sterben weniger Menschen in einem Jahr als kalkuliert) und auch aus Überschüssen aus dem Kostenergebnis (die Verwaltung der Versicherung arbeitet sparsamer).
  • Ausschüttungen: Dafür gibt es bei Lebensversicherungen gesetzliche Vorgaben. Die Versicherten erhalten den Löwenanteil aus den Überschüssen aus Kapitalanlagen und Risikogeschäft sowie einen Anteil der Überschüsse aus dem Kostenergebnis.
  • Zinszusatzreserve: Sie wurde 2011 als Sicherheitspuffer eingeführt, um auch noch über viele Niedrigzinsjahre die garantierten Leistungen für alle Versicherten zu erbringen. Das Geld stammt aus den drei Töpfen, bevor die gesetzlichen Ausschüttungen für die Kunden festgelegt werden.

Von Martina Hummel (HNA)

 

HNA.de* ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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