Im Internet werden Milliarden umgesetzt, doch so mancher schaut noch zu

Wer zögert, verliert

Media Markt setzte bislang auf freche Werbung wie „Billiger geht so“. Zuletzt holte sich die Kette Unterstützung von Mario Barth. Doch nun wurde die Werbeagentur gewechselt. Foto: obs/Media Markt/Ingolstadt

Berlin / Ingolstadt. Die Nachfrage nach Elektronikgeräten ist seit Jahren ungebremst. Ob 3D-Fernseher oder luxuriöse Kaffeemaschine – die Industrie schafft es jährlich neue Begehrlichkeiten zu wecken. Stark profitierte davon 2010 der Online-Handel. Doch nicht jeder Händler hat diesen Vertriebskanal für sich besetzt. Die Elektronikkette MediaMarkt/Saturn, eine Tochter des Metro-Konzerns, geht erst an den Start.

Zuletzt stagnierte der Umsatz. Zwar lag der Umsatz im vierten Quartal international bei 6,6 Milliarden Euro – 100 Millionen Euro mehr als im Vorjahresquartal. Aber in Deutschland blieb er aufgrund der Witterungsverhältnisse im vierten Quartal unter dem Niveau der ersten neun Monate, sagte am Donnerstag ein Sprecher des Unternehmens in Ingolstadt.

Wettereinflüsse könnten bald Geschichte sein. Denn der Konzern arbeitet an einer Online-Strategie. „Wichtig ist, dass ein Onlinekonzept die stationären Märkte stützt“, sagte ein Unternehmens-Sprecher. Keine leichte Aufgabe: Die Geschäftsführer der 382 deutschen Märkte bestimmen die Preise selbst. Das lukrative Geschäftsmodell hat die Märkte groß gemacht, denn je nachdem wie stark die örtliche Konkurrenz war, gingen die Preise rauf oder runter.

„Unsere Tests in den Niederlanden und Österreich laufen positiv. Alles spricht im Moment dafür, dass wir in diesem Jahr auch in Deutschland starten können“, sagte er. Auch sollen die Werbeaktivitäten multimedial werden. Vor Tagen war bekannt geworden, dass sich der Elektronikriese von der Agentur Kempertrautmann getrennt hatte, mit der er seit 2004 zusammengearbeitet hatte.

Die Zeit drängt, denn das Geschäft mit dem Mausklick brummt: Über 18 Milliarden Euro sind im vergangenen Jahr bundesweit online ausgegeben worden. 2009 waren es nach Angaben des Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) 15,5 Mrd. Euro. Bekleidung hat daran einen Anteil von etwa 40 Prozent, Elektronikartikel machen rund 15 Prozent aus.

Deren Erfolg ist schnell erklärt: Die Produkte sind leicht zu vergleichen, Informationen gibt es im Netz, einzig der Preis zählt. Der Online-Verkauf ist für Händler günstiger, da Betriebskosten wie Ladenmiete und Lagerfläche niedriger sind. Und: Der Netz-Handel ist auch in ländlichen Regionen präsent, sagt Christin Schmidt, BVH-Sprecherin.

Beschleunigt haben den Wandel im Handel Smartphones wie das I-Phone. Sie machen Einkaufen überall zu jeder Zeit möglich. Und: Die erste Generation, die mit dem Internet groß geworden ist, wird geschäftsfähig. Schmidt: „Wer zu spät kommt, den bestraft das Netz.“

Von Martina Wewetzer

Hintergrund

Expert-Gruppe legte kräftig zu

Die Metro-Töchter Media Markt und Saturn bilden gemeinsam die größte Elektronik-Handelsgruppe in Deutschland. Nach Branchenschätzungen lag der Inlandsumsatz 2009 bei 10,8 Milliarden Euro und damit in etwa auf Vorjahresniveau. Nummer zwei ist die Verbundgruppe Expert, die den Umsatz im Geschäftsjahr 2009/10 um zehn Prozent auf 3,6 Mrd. Euro steigerte. Die Verbundgruppe ElectronicPartner brachte es 2009 auf 3,15 (2008: 3,12) Mrd. Euro. Der Online-Händler Amazon liegt nach Branchenschätzungen bei 1,58 (1,3) Mrd. Euro und der Fachhändler Conrad Electronic bei stagnierenden 670 Millionen Euro. (jop)

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