Am Freitag beschließen Netzbetreiber Beitrag für 2012 – Experten rechnen mit 3,9 Cent pro Kilowattstunde

Zulage für Ökostrom treibt Preise

Windkraftanlagen – wie hier im Seehafen von Rostock – gehören zu den Kostentreibern für erneuerbare Energien. Foto: dpa

Kassel. Dieser Freitag ist für alle Verbraucher wichtig: Dann geben die Betreiber der Höchstspannungsnetze die tatsächlichen EEG-Kosten für 2012 bekannt. Im vergangenen Jahr war die Ökostromzulage um fast 1,5 Cent gestiegen, was heftige Debatten über die Kosten von Sonnen- und Windstrom entfachte. Diese Umlage zahlt jeder Verbraucher mit seiner Stromrechnung.

Für das noch laufende Jahr wurden pro Kilowattstunde (kWh) 3,53 Cent fällig, plus Mehrwertsteuer sind es 4,2 Cent. Für 2012 rechnen Branchenkenner, könnte die Umlage auf fast 3,9 Cent pro kWh steigen. Für einen Durchschnittshaushalt wären dies im Jahr 14 Euro (ohne Mehrwertsteuer) mehr – unabhängig davon, ob sich der Strompreis verändert. Mit der Umlage finanzieren Stromverbraucher den Umstieg auf regenerative Energie.

Der Grund für diese Anhebung ist Deutschlands Ökostromkonto. Zum Stichtag 30. September war es mit 711,2 Millionen Euro in den Miesen. Verwaltet wird dieses Konto von den Netzbetreibern. Auf diesem Konto werden Einnahmen und Ausgaben für die Förderung der erneuerbaren Energien verwaltet. 2010 lagen die Netzbetreiber kräftig daneben. Ende des Jahres war das Konto mit 1,29 Milliarden Euro im Minus. Diese Summe musste von den Verbrauchern nachträglich bezahlt werden – eben jene 3,53 Cent pro kWh.

An Vergütungen für den Ausbau der erneuerbaren Energien wurden 2010 bereits 12,8 Milliarden Euro gezahlt. Bis 2025 soll laut einer Studie des bayerischen Wirtschaftsverbandes dieser Kostenblock auf jährlich rund 21 Milliarden Euro steigen. Treiber dieser Entwicklung, so die Studie, sind der angenommene starke Ausbau der Photovoltaik sowie der Offshore-Windkraft auf hoher See. Was letztlich als Mehrkosten pro kWh beim Verbraucher hängen bleiben wird, vermag derzeit niemand zu prognostizieren.

Ausnahmen für Unternehmen

Der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) widersprach diesen Zahlen und wies die Berechnungen „als unseriös zurück“. Und verwies auf die hohe Wertschöpfung durch die rund 370 000 geschaffenen Arbeitsplätze.

Einen anderen Grund für den möglichen Anstieg der Umlage führt der BEE an: Demnach steige die Umlage nicht wegen des Zubaus erneuerbarer Energien, sondern weil die Bundesregierung Ausnahmen für die Wirtschaft geschaffen habe, so dass sich Firmen von der Ökostromzulage befreien können. Stromfressende Betriebe können sich in Kraftwerke einkaufen. Der Strom gilt dann als Eigenverbrauch und das Unternehmen ist befreit. Allein dieser Effekt erhöhe laut BEE die Umlage um 0,31 bis 0,54 Cent.

Zudem sind hierzulande 650 Betriebe, die viel Strom brauchen, weitgehend von den Zahlungen befreit. Das kostet die Verbraucher mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr. Die Gemeinschaft der Zahler wird weiter schrumpfen: Ab 2013 können sich Unternehmen aus dem EEG verabschieden, wenn sie zehn statt wie bislang 100 Gigawattstunden Strom pro Jahr verbrauchen.

Welchen Betrag die Netzbetreiber für 2012 auch festlegen werden – für die Verbraucher wird die Zulage immer unkalkulierbarer. (mwe/dpa)

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