Der Kali- und Steinsalzproduzent prüft die Wiederbelebung stillgelegter Bergwerke

Zurück in alte Schächte

Schätze unter Tage: Mit Kali- und Steinsalzprodukten setzte der Kasseler K+S Konzern 2009 rund 3,55 Milliarden Euro um. Das Unternehmen prüft, ob sich aus aufgegebenen Lagerstätten noch etwas herausholen lässt, denn der Kalipreis steigt. Foto: K+S

Kassel. Der Kasseler Kali- und Steinsalzhersteller K+S erkundet trotz der Übernahme des kanadischen Kali-Erkunders Potash One neue Fördermöglichkeiten in Deutschland. Gegenwärtig prüft das im Dax notierte Unternehmen, ob sich die Wiederbelebung des Bergwerks Siegfried Giesen in der Nähe von Hildesheim lohnt und lotet den Kauf des Bergwerks Roßleben in Thüringen aus.

In Niedersachsen werden Ergebnisse über das Werk Siegfried Giesen im Sommer erwartet. Untersucht wird dabei nicht nur die Menge der Kalivorräte, sondern auch ihre Qualität. Denn von der Mischung der Mineralien hängen die Produktionsweise und damit die Kosten der Düngemittelherstellung ab. Die Grube, die K+S gehört, war 1987 wegen Überkapazitäten und den schwierigen Abbaubedingungen stillgelegt worden. Doch seitdem habe die Aufbereitungstechnik, mit der die wertvollen Stoffe aus dem Rohsalz herausgeholt werden, Fortschritte gemacht, sagt K+S-Sprecher Ulrich Göbel.

Hinzu kommt: Der Weltmarktpreis für Kaliumchlorid steigt. Gegenwärtig werden für eine Tonne 430 Dollar (314,60 Euro) bezahlt. Das ist zwar weit vom Boom-Jahr 2008 mit Spitzenpreisen von bis zu 800 Dollar je Tonne entfernt, aber mindestens doppelt so viel wie zur Zeit der Bergwerks-Schließung. Offen ist jedoch auch, was mit den Produktionsabfällen geschehen soll. „Ganz ohne Halden wird es nicht gehen“, sagt Göbel. Das Unternehmen streitet um die Entsorgung von Salzwasser aus dem Kali-Revier im Kreis Hersfeld-Rotenburg.

Das niedersächsische Bergwerk ist zwar geschlossen, aber die Infrastruktur unter Tage mit vier Schächten ist vorhanden. Im stillgelegten Bergwerk in Roßleben, für das sich K+S ebenfalls interessiert, sind die Schächte hingegen mit Bauschutt verfüllt. Wer an das Salz heran will, muss ihn herausholen. Wie wertvoll das Roßlebener Salz ist, muss geprüft wurden. Denn als das Thüringer Werk 1991 geschlossen wurde, gab es keine detaillierten Daten über die noch vorhandenen Vorkommen. Das Werk Roßleben gehört der bundeseigenen Gesellschaft zur Verwahrung und Verwertung stillgelegter Bergwerke (GVV). Bei ihr hat auch das Konsortium Florett um die israelische ICL-Gruppe angefragt. Doch die Verhandlungen sind gestoppt: Offenbar ist man sich über den Preis nicht einig. Die GVV habe die Roßlebener Vorkommen zu den Kali-Spitzenpreisen von 2008 bewertet, heißt es. K+S ist das zu teuer.

Falls die Pläne umgesetzt werden, könnten in Niedersachsen und in Thüringen mittelgroße Kalifabriken mit einer Förderung von je zwei bis 2,5 Millionen Tonnen Kali-Rohsalz entstehen, das wäre ein Zehntel der Jahresförderung des Konzerns. Zum Vergleich: Der Kauf der kanadischen Potash One, kann die Jahreskapazität von K+S hingegen um ein Viertel auf zehn Mio. Tonnen fertigen Kali- und Magnesiumdünger vergrößern.

Von Barbara Will

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