Zurück in die Werkstatt: Warnmeldung an Toyota-Fahrer

Berlin. Airbags, die sich plötzlich öffnen, Benzin, das in den Motorraum läuft oder Dachfenster, die auf den Fahrer fallen - die Mängelliste des Bundesverkehrsministeriums ist lang.

Gerade eben gab Toyota die Warnmeldung an Besitzer der Modelle Prius+ und Auris Hybrid heraus: Ein Software-Fehler könne zur Überlastung der Hybridregelelektronik führen. Dann leuchte die Warnanzeige auf, das Fahrzeug schalte ins Notlaufprogramm mit reduzierter Antriebsleistung. Also schnell in die Werkstatt, wo neue Software eingespielt wird.

Nach Angaben des Ressorts von Minister Alexander Dobrindt (CSU) mussten 2015 in Deutschland bis Ende Juni schon fast eine Million Fahrzeuge wegen erheblicher Sicherheitsmängel in die Werkstätten. Das ist rekordverdächtig. Im gesamten Jahr 2014 waren es laut einer Studie rund 1,9 Millionen Autos.

Den Spitzenplatz fürs erste Halbjahr 2015 belegt laut Dobrindt Liste BMW: Die Bayern beorderten über das Kraftfahrtbundesamt wegen Fehlern im Gasgenerator des Beifahrerairbags, in der Kraftstofffilterheizung, an Kindersicherung und Gelenkwellen 403 339 Autos außerplanmäßig zurück, so das Ministerium auf eine Anfrage der Grünen. Dazu addieren sich 70 487 BMW-Motorräder: Rückruf wegen Gefahr von Radflanschbruch - „in der Folge kann sich das Hinterrad lösen“. Die Aufstellung liegt unserer Zeitung vor. Allerdings dementiert BMW seinen Spitzenplatz: 395.000 der Rückrufe stammten aus dem Jahr 2014, hieß es. Das Ministerium sagte Prüfung zu,

Chevrolet zog 85 463 Mal die Notbremse - unter anderem wegen Motorhauben, die sich nicht richtig verriegeln ließen. Opel ließ 77 884 Autos überprüfen - wegen Fehlfunktionen der Gurtstraffer, defekte Gasdruckfedern oder Risse in Alufelgen. Über 22.000 Autos holte Mercedes Benz zurück, bei VW waren es laut Liste 138.

Produktsicherheitsgesetz 

Rechtliche Grundlage der Rückrufaktionen ist maßgeblich das Produktsicherheitsgesetz. Sobald Hersteller oder Behörden zur Einschätzung kommen, dass Mängel oder Produktfehler die Sicherheit gefährden, muss nachgebessert werden. Unklar ist, ob die Mängel auch zu Unfällen geführt haben.

Die Grünen sind besorgt: „Die Zahl der Rückrufe ist in den letzten Jahren immens gestiegen“, so der Verbraucherexperte der Fraktion, Markus Tressel. Hersteller kalkulierten beim Verkaufspreis bereits 300 bis 500 Euro pro Auto für Rückrufe ein. „Das spricht leider nicht für das Vertrauen in die eigenen Produkte.“ Zudem kämen neue Modelle „immer schneller und kostengünstiger auf den Markt“. Er hoffe auf Sinneswandel der Autobauer durch Transparenz bei der Rückruf-Statistik. „Keiner möchte gerne dieses Ranking anführen“, sagte Tressel.

Ausgewählte Rückrufe des ersten Halbjahres 2015 laut Liste des Bundesverkehrsministeriums mit Begründung:

Chevrolet, 7162 Autos: „Selbsttätig startendes Fahrzeug auch bei eingelegtem Gang“

Chevrolet, 11 844 Autos: „Selbsttätiger Motorstart führt zum Rollen des Fahrzeugs“

Fiat, 1209 Autos: „Fertigungsfehler kann zum Bruch der Gurtpeitsche führen“

Jeep/Dodge, 551 Autos: „Ausfall des Kraftstoffpumpenrelais führt zum Liegenbleiben des Kraftfahrzeuges“

Volvo, 1143 Autos: „Softwarefehler kann zum Lösen der Feststellbremse führen“

VW, 101 Autos: „Austreten der Kraftstoff an den Kraftstoffverteilern des Motors kann zum Fahrzeugbrand führen“

Ssang Yong, 2680 Autos: „Brechen der Traggelenke führt zu Verkehrsunfällen“

Land Rover, 125 Autos: „Fahrzeuge wurden mit 19-Zoll- Winterrädern ausgestattet, obwohl 20- Zoll-Räder erforderlich sind, dadurch kommt es zum Kontakt zwischen Rad und Bremse“

Von Hagen Strauß und Wolfgang Riek

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