VW: 500 Stellen sind nicht genug - Noch mehr Jobs durch vierte Schicht

Baunatal. Ende 2011 wird das Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal 1400 Mitarbeiter neu eingestellt haben. Damit steigt die Zahl der Stammbelegschaft auf über 14 000. Trotzdem wird das Werk 2012 nicht ohne Leiharbeiter auskommen.

Aktuell beschäftigt VW in Baunatal 1700. Abgezogen sind bereits jene 506 Leiharbeiter, die in feste Arbeitsverhältnisse wechselten. Da laut Tarifvertrag nur fünf Prozent Leiharbeiter sein sollen, könnten 2012 weitere Umwandlungen anstehen.

Aktualisiert um 18.15 Uhr

Bis Jahresende sollen 3,9 Millionen Getriebe gefertigt sein, bleibt die Nachfrage so hoch, sind vier Mio. möglich. 2010 waren es 3,4 Mio. „Hält die Nachfrage an, wird das Werk bis 2015 kontinuierlich an der Kapazitätsgrenze fahren“, sagt Jürgen Stumpf, Betriebsratschef des Werkes. Vor einem Jahr lag die Auslastung im Schnitt bei 90 Prozent, täglich wurden 15 000 Getriebe gefertigt, heute sind es 16 000.

Neues Schichtmodell Ergo18

VW will nun über die Wob AG 500 neue Stellen schaffen. Die Bezahlung ist vergleichbar dem Flächentarifvertrag Metall plus einem VW-Zuschlag nach Dauer der Zugehörigkeit. Über Investitionen versucht VW bereits die Kapazitäten auszubauen. In den kommenden fünf Jahren werden 1,6 Milliarden Euro nicht nur in neue Produkte, sondern auch in Kapazitätsanpassungen investiert. Überkapazitäten sollen keine entstehen. Bleibt die Nachfrage so hoch, werde es ohne weitere Einstellungen nicht gehen, meint Stumpf.

Um aber nicht Fachkräfte bei Zulieferern abzuziehen und damit das generelle Problem des Facharbeitermangels zu verlagern, fordert Stumpf, dass das Unternehmen gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit fachfremde Leiharbeiter weiterbildet. Zum einen könnte so der Bedarf gedeckt werden, zum anderen erhielten Fachfremde eine weitere Qualifikation.

Seit Jahresbeginn arbeiten Betriebsrat und Werkmanagement an einem neuen Schichtmodell, da das alte 15-Schicht-Modell mit Sonderschichten am Wochenende und Vergütung über Geld oder Freizeit den Bedarf in Engpassbereichen nicht mehr deckt. Zum Teil häuften Einzelne Zeitguthaben von bis zu 1000 Stunden an.

Mit Ergo18 soll dies Geschichte sein. Bei diesem Modell wird samstags gearbeitet, dafür gibt es zusätzliche Freischichten, die Wahl Geld oder Ansparung von Arbeitszeit entfällt. VW profitiert dabei von längeren Maschinenlaufzeiten. Um diese Schicht aufzubauen, braucht es mehr Personal. Bislang arbeiten 1000 Beschäftigte nach Ergo18, weitere 2000 sind im Umstieg.

Die Kritiker sind in der Minderheit und so freut sich Werkleiter Hans-Helmut Becker, dass Ergo18 gut angenommen werde. Denn Schichtmodelle greifen stets ins Familienleben und das soziale Umfeld ein. Aber Ergo18 so Becker, sorge nicht nur dafür, dass Kundenwünsche möglichst zeitnah befriedigt werden, sondern „es ist auch ein Vorteil für die Gesundheit“.

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