Achterbahnfahrt an Chinas Börsen

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Chinas Börsen leiden unter Turbulenzen. Foto: Wu Hong

Chinas Regierung setzt alles daran, die Krise an den Märkten unter Kontrolle zu bringen. Wichtige Reformen drohen dabei in Vergessenheit zu geraten. Ein Problem auch für Deutschlands Wirtschaft.

Shanghai (dpa) - Die massive staatliche Intervention an Chinas Börsen weckt Zweifel an der Entschlossenheit der Regierung, dringend nötige marktwirtschaftliche Reformen umzusetzen.

Nachdem die Börsen des Landes an den ersten zwei Handelstagen der Woche um rund zehn Prozent eingebrochen waren, kletterten die Kurse am Mittwoch wieder deutlich. Die Börse in Shanghai legte bis Handelsschluss mehr als drei Prozent zu, der Markt in Shenzhen kletterte um rund vier Prozent.

Experten rechnen damit, dass Chinas Aktienmärkte noch über Monate solch großen Schwankungen ausgesetzt sein werden, weil sie jetzt extrem von staatlicher Unterstützung abhängig seien. "Schon die kleinsten Hinweise auf einen möglichen Rückzug des Staates aus den Märkten können zu Panikverkäufen führen", sagte die Wirtschaftsexpertin Sandra Heep vom Berliner China-Institut Merics der Deutschen Presse-Agentur in Peking.

Der Parteistaat habe mit seinen massiven Interventionen "eine neue Quelle der Instabilität geschaffen", sagte Heep. Niemand wisse, wie lange die staatliche Unterstützung anhalten oder wie die Märkte bei einer Verringerung der Hilfe reagieren werden.

Angesichts der massiven Interventionen gebe es große Zweifel an der Entschlossenheit der Partei, ihre 2013 abgegebenen Reformversprechen in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld umzusetzen. "Zudem frisst das permanente Krisenmanagement der Aktienmärkte die Energie wichtiger staatlicher Akteure, die von der dringend notwendigen Planung struktureller Reformen abgelenkt werden", sagte Heep.

Werde die Umsetzung der Reformen, die auf Stärkung des Binnenkonsums und der Innovationsfähigkeit chinesischer Unternehmen abzielen, weiter verzögert, werde es "unweigerlich einen weiteren Einbruch der Wachstumsraten zur Folge haben", sagte Heep. "Das würde auch die deutsche Wirtschaft empfindlich treffen, die sich in eine starke Abhängigkeit vom chinesischen Markt begeben hat."

Seit vergangenem Monat hatten Chinas Aktienmärkte eine extreme Berg- und Talfahrt hingelegt: Getrieben von Privatanlegern, die in großen Stil Aktien auf Pump kauften, war der Leitindex in Shanghai binnen eines Jahres um über 150 Prozent gestiegen. Mitte Juni begann dann ein rasanter Kurseinbruch. Innerhalb von nur 18 Handelstagen verlor der Index 32 Prozent an Wert.

Mit radikalen Eingriffen gelang es der Regierung, zunächst die Kurse zu stabilisieren. Die Zentralbank senkte die Zinsen auf ein Rekordtief, zudem wurde ein riesiges Kaufprogramm für Wertpapiere initiiert. Bis zu 50 Prozent der an den Börsen des Landes gehandelten Aktien wurden vom Handel ausgesetzt.

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