Zypern: Wie groß wird der Rettungsschirm?

Nikosia - EU-Experten sollen klären, wieviel Geld Zypern vom Rettungsschirm braucht. Die Spekulationen reichen von sechs bis zehn Milliarden Euro.

Nach dem Antrag Zyperns auf Hilfe vom Rettungsschirm wird über die Höhe der benötigten Gelder spekuliert. Zyprische Medien gingen von einem Bedarf zwischen sechs und zehn Milliarden Euro aus. Regierungssprecher Stefanos Stefanou erklärte im zyprischen Radio: „In den nächsten Tagen werden Experten der EU nach Zypern kommen, um zu sehen, was wir brauchen“. Zur Höhe der Hilfe wollte er sich nicht äußern. Zypern, die drittkleinste Volkswirtschaft im Währungsraum, flüchtet als fünftes Land unter den Euro-Rettungsschirm.

Am Dienstagnachmittag wollte der zyprische Staatspräsident Dimitris Christofias die politische Führung der Insel über die jüngsten Entwicklungen informieren. „Daraus schließe ich eins: Harte Sparmaßnahmen kommen auf uns zu“, sagte Andeas Stylianou, ein zyprischer Ingenieur, der Nachrichtenagentur dpa.

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer: Instrumente gegen Euro-Krise

Eurobonds und Finanztransaktionssteuer sind seit langem diskutierte Instrumente im Kampf gegen die Euro-Finanzkrise. © ap
Eurobonds sind gemeinsam ausgegebene Anleihen aller Eurostaaten. Bisher zahlen die einzelnen Länder für ihre Staatsanleihen unterschiedliche Risikoaufschläge, also Zinsen für ihre Kredite - je nach dem, für wie zahlungsfähig die Investoren den jeweiligen Staat beurteilen. Mit gemeinsam ausgegebenen Papieren entstünde in der Eurozone ein einheitlicher Zinssatz für alle Euroländer. © dpa
Befürworter von Eurobonds argumentieren, mit Gemeinschaftsanleihen steige die Kreditwürdigkeit der Eurozone als Ganzes. Derzeit können sich Länder wie Spanien und Italien nur noch gegen kritisch hohe Zinsaufschläge Geld zur Finanzierung ihres Haushalts beschaffen. Deutschland hingegen nimmt momentan extrem günstig neue Kredite auf, weil es als sehr zahlungsfähig gilt. © dpa
Mit Eurobonds müsste jedoch auch die Bundesrepublik den Investoren eine deutlich höhere Rendite zahlen. Das würde den Bundeshaushalt stärker belasten. Zudem argumentieren Kritiker der Bonds, dass mit einer Vergemeinschaftung der Schulden der Druck zu Sparmaßnahmen und Reformen in den Krisenländern Südeuropas sinken würde. © dpa
Die Finanztransaktionssteuer soll nach einem Vorschlag der EU-Kommission für sämtliche Finanzprodukte wie Aktien, Anleihen oder Derivate in allen 27 EU-Staaten gelten. Befürworter wie Deutschland und Frankreich erhoffen sich Einnahmen in Milliardenhöhe. Zudem könnte die Abgabe den sensiblen Hochgeschwindigkeitshandel an den Börsen weniger attraktiv machen. © dpa
Kritiker wie Großbritannien und Schweden fürchten, dass die Steuer Banken und Investoren vertreibt und damit der Wirtschaft in Europa schadet. Eine solche Besteuerung sei wettbewerbsschädigend, solange internationale Finanzplätze nicht mitmachen. © dpa

Der Inselstaat hatte am Montagabend seine europäischen Partner um Hilfe aus den Krisenfonds EFSF oder ESM gebeten. Als Hauptproblem des Inselstaates gilt der eng mit den griechischen Geldhäusern verwobene Bankensektor. Zuvor hatte die Ratingagentur Fitch die Kreditwürdigkeit Zyperns auf Ramsch-Niveau gesetzt.

Pläne, einen Kredit von Drittländern wie Russland oder China zu bekommen, sind weiter nicht vom Tisch: „Wir untersuchen parallel auch die anderen Optionen“, sagte Regierungssprecher Stefanou. Die Umsetzung scheint bislang daran zu scheitern, dass Drittstaaten Zinsen in Höhe von etwa 4,5 Prozent verlangen. Zyprische Banken verwiesen zudem darauf, dass Brüssel Kredite von Drittstaaten nicht gerne sehe. Im vergangenen Dezember hatte Zypern bereits einen russischen Kredit über 2,5 Milliarden Euro für viereinhalb Jahre zu einem Zins von 4,5 Prozent aufgenommen.

Der Vorsitzende der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, begrüßte das Hilfegesuch aus Zypern. „Die Eurogruppe wird den Antrag nun rasch untersuchen und Zypern eine formelle Antwort geben“, erklärte Luxemburgs Premier am Montagabend. Er erwarte nun, dass die 17 Euro-Länder der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank den Auftrag erteilen, Auflagen für die Hilfen auszuarbeiten. Dabei gehe es vor allem um den Finanzsektor.

dpa

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