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Affenpocken-Virus: Symptome, Impfung und Ansteckung – Was bereits bekannt ist

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Von: Pamela Dörhöfer

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In Europa und weltweit infizieren sich derzeit immer mehr Menschen mit den Affenpocken. Die Weltgesundheitsorganisation und das Robert Koch-Institut sind gewarnt.

London – In Großbritannien sind mehrere Menschen an Affenpocken erkrankt. Der erste Fall wurde am 7. Mai bei einem Reiserückkehrer aus Nigeria festgestellt. Sechs weitere allerdings haben sich offenbar im Vereinigten Königreich infiziert – und das ohne bekannten Kontakt zu jemandem, der oder die sich vorher in West- oder Zentralafrika (wo das Virus vor allem vorkommt) aufgehalten hat.

Laut dem Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI) handelt es sich um zwei Fälle in einer Familie sowie um vier Fälle bei Männern, die Sexualkontakte mit anderen Männern hatten (ein möglicher Ansteckungsweg). Wie das RKI mitteilt, gehe man davon aus, dass diese sechs Menschen sich in London angesteckt haben, Untersuchungen seien angelaufen. Mittlerweile gibt es auch in Deutschland den ersten Fall.

Weltgesundheitsorganisation alarmiert: Affenpocken vermehren sich

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben sich alle Betroffenen mit der westafrikanischen Variante des Affenpockenvirus angesteckt. Daneben gibt es auch noch eine im Kongobecken dominierende Variante. Auch wenn es bislang nur um wenige Fälle geht, so sind die Gesundheitsbehörden doch zumindest wachsam, denn es handelt sich um die erste bekannte Übertragung des Erregers ohne Bezug zu Afrika.

Affenpocken
Affenpocken unter dem Elektronenmikroskop. (Bestmögliche Bildqualität). © Cynthia S. Goldsmith/AP/dpa

Sämtliche dokumentierte Fälle außerhalb von Afrika gingen bislang auf Reisende oder auf den Kontakt mit infizierten importieren Tieren zurück. So gab es 2003 in den USA einen Ausbruch, der durch als Haustiere gehaltene Präriehunde verursacht wurde. Es stellte sich heraus, dass sie sich vor ihrem Verkauf bei aus Afrika importierten Nagetieren infiziert hatten.

Affenpocken nicht zu unterschätzen: „Potenziell globale Gefahr“

Wie das Wissenschaftsmagazin Spektrum.de schreibt, steigt die Zahl der Infektionen und Ausbrüche aus „noch ungeklärten Gründen“ deutlich an, „deswegen gelten die Affenpocken als potenzielle globale Gefahr“. Laut RKI werden insbesondere aus Nigeria seit 2017 vermehrt Fälle gemeldet. In dem Bericht auf Spektrum.de heißt es, Fachleute aus Afrika warnten davor, dass die Affenpocken von einer regional verbreiteten Infektionskrankheit zu einer „global relevanten“ werden könnten.

Die Fälle aus Großbritannien werden als Indiz gewertet, dass das Virus sein Verhalten ändert. Ein Forschungsteam der American University of Nigeria soll in einer Publikation aus dem Jahr 2020 die Vermutung geäußert haben, dass das Affenpocken-Virus womöglich die „ökologische und immunologische Nische“ besetze, die das Pockenvirus einst einnahm.

Nagetiere sind Hauptverbreiter: Ansteckung über Tröpfcheninfektion

Nagetiere (und weniger Affen) werden als Hauptreservoir für die Erreger vermutet, vor allem Hörnchen, Ratten und Siebenschläfer. Die Affenpocken gehören damit wie viele andere Infektionskrankheiten zu den Zoonosen. Erstmals bei Menschen festgestellt wurden sie 1970 bei einem Jungen in der Demokratischen Republik Kongo (damals Zaire). Seitdem wurden die meisten Fälle aus tropischen Regenwaldgebieten in elf afrikanischen Ländern gemeldet. Laut WHO sind die tatsächlichen Infektionszahlen aber nicht bekannt.

Man kann sich über den Kontakt zu infizierten Tieren oder deren Verzehr anstecken, aber auch Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sind möglich: durch Blut und andere Körperflüssigkeiten, durch Tröpfcheninfektion, über die Flüssigkeit aus Pusteln und den Schorf oder über kontaminierte Materialien wie benutzte Handtücher. Die Inkubationszeit beträgt im Mittel zehn bis 14 Tage.

Affenpocken-Viren verursachen Hautveränderungen und Fieber

Die Affenpocken werden von Viren der Gattung Orthopoxvirus hervorgerufen, sie sind mit den klassischen, seit 1980 als ausgerottet geltenden Pocken verwandt, die Krankheit verläuft jedoch milder. Zu den ersten Symptomen gehören plötzlich einsetzendes Fieber bis zu 40 Grad, starke Kopf- und Gliederschmerzen, Halsweh, Husten, Abgeschlagenheit und geschwollene Lymphknoten.

Nach etwa ein bis drei Tagen bilden sich die typischen Hautveränderungen aus, die sich in Flecken, Knötchen, Bläschen und Pusteln äußern, verkrusten und schließlich abfallen. Betroffen sind vor allem das Gesicht, Handinnenflächen und Fußsohlen, seltener Genitalien, Bindehaut und Hornhaut. In schweren Fällen droht Erblindung. In der Regel heilt die Erkrankung innerhalb von zwei bis vier Wochen aus.

Typische Symptome einer Affenpocken-Infektion
Plötzliches Fieber bis zu 40 Grad
Starke Kopf- und Gliederschmerzen
Halsschmerzen
Husten
Abgeschlagenheit
Geschwollene Lymphknoten
Hautveränderungen in Form von Flecken, Knötchen, Bläschen und Pusteln

Kein Impfstoff gegen Pocken in Deutschland

Gefährdet für schwere Verläufe sind neben immungeschwächten Patientinnen und Patienten vor allem jüngere Menschen und Kinder. Bei Schwangeren kann eine Infektion zu einer Fehlgeburt führen. Auch wenn das RKI die Prognose insgesamt als „günstig“ bewertet, so können die Affenpocken doch tödlich verlaufen, der Anteil wird mit zwei bis zehn Prozent beziffert, wobei die westafrikanische Variante die mildere ist.

Dass Menschen unter 40 oft schwerer erkranken als ältere, könnte damit zusammenhängen, dass diese Jahrgänge keine Pockenimpfung mehr erhalten haben. Mit der Ausrottung der Pocken wurde das weltweite Impfprogramm eingestellt. Der Lebendimpfstoff gegen die klassischen Pocken bietet auch einen gewissen Schutz vor den Affenpocken. In Deutschland ist derzeit kein Impfstoff gegen Pocken zugelassen.

Gefahr für Bevölkerung gering: Mögliche Symptome können behandelt werden

Die Behandlung zielt meist auf das Lindern der Symptome oder das Verhindern bakterieller Sekundärinfektionen. Mit Tecovirimat wurde ein in den USA entwickeltes Medikament gegen Affenpocken im Januar 2022 auch in der Europäischen Union zugelassen. Breit verfügbar ist es bislang jedoch nicht.

Auch Arboviren breiten sich aus und die WHO warnt, vor einer weiteren möglichen Pandemie.

Das RKI mahnt, „bei einem verdächtigen klinischen Bild“ sollte insbesondere bei Reiserückkehrenden aus (West-)Afrika, aber auch bei allen anderen Menschen mit unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen eine Affenpockeninfektion zumindest in die diagnostischen Überlegungen einbezogen werden. Die britische Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency geht aber davon aus, dass die Gefahr für die Bevölkerung bislang gering ist. (Pamela Dörhöfer)

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