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Gibt es Leben unter dem antarktischen Meereis? Neue Studie findet Hinweise

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Von: Tanja Banner

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Die Antarktis ist eine der extremsten Regionen der Erde. Jedes Jahr gefriert das Meereis und taut im Sommer wieder auf. Forschende haben nun einen Blick darunter gewagt. (Archivbild)
Die Antarktis ist eine der extremsten Regionen der Erde. Jedes Jahr gefriert das Meereis und taut im Sommer wieder auf. Forschende haben nun einen Blick darunter gewagt. (Archivbild) © IMAGO/robertharding

Ein Forschungsteam blickt unter das dicht gepackte Meereis in der Antarktis und entdeckt dort Hinweise auf ein Ökosystem unter dem Eis.

Antarktika – Die Antarktis ist eine der extremsten Regionen auf der Erde – und außerdem eines der Gebiete, das bisher am wenigsten erforscht ist. Auf dem Kontinent gibt es zwei Arten von Eis: Landeis und Meereseis. Letzteres entsteht, wenn die oberen Schichten des Südpolarmeeres gefrieren, im Sommer taut ein Großteil des Meereises wieder auf. Bereits kurz danach blüht auf dem ehemals von Eis bedeckten Meer Phytoplankton – einzellige Pflanzen, die Fotosynthese betreiben.

Bisher sind Fachleute davon ausgegangen, dass das Meereis im Südpolarmeer das Licht davon abhält, das Meerwasser darunter zu erreichen. Das Eis ist dicht gepackt, meist von Schnee bedeckt und reflektiert fast das gesamte Licht, das auf die Oberfläche trifft. Das würde bedeuten, dass unter dem Eis kein Phytoplankton wachsen dürfte – ihm fehlt schlicht das Sonnenlicht für die Fotosynthese.

Antarktis: Gibt es Leben unter dem dick gepackten Meereis?

Weil das Phytoplankton jedoch direkt nach dem Rückzug des Eises auf dem Wasser Blüten treibt, stellte sich ein Forschungsteam um Christopher Horvat von der Universität in Auckland die Frage, ob das einzellige Lebewesen bereits unter dem Eis entsteht. Dazu schickte das Team automatisierte Tauchroboter, sogenannte Argo Floats, ins eiskalte Wasser, um das Vorkommen von Phytoplankton unter dem Eis zu erforschen.

Dabei haben die Forschenden eine erstaunliche Entdeckung gemacht, wie sie in ihrer Studie schreiben, die im Fachjournal Frontiers in Marine Science veröffentlicht wurde. „Wir haben herausgefunden, dass fast alle Proben der Tauchroboter eine Zunahme des Phytoplanktons vor dem Rückzug des Meereises aufzeigen“, erklärt Horvat. „In vielen Fällen haben wir signifikante Blüten beobachtet.“ Da die Tauchroboter nur einen sehr kleinen Teil der Millionen Quadratkilometer Meereis hätten erforschen können, könnte es unter dem Eis noch viel mehr verborgene Blüten geben.

Phytoplankton unter dem antarktischen Meereis entdeckt

Dieses Phytoplankton könnte grundsätzlich weiteres Leben unter dem Eis ermöglichen, denn es wird von vielen Tieren als Nahrung genutzt, die am Boden der Ozeane leben. Die Tauchroboter nahmen eigenständig biogeochemische Proben unter dem Eis. Die Forschenden achteten bei der Analyse vor allem auf die Menge von Chlorophyll-a, einem Pigment, das bei allen Phytoplankton-Arten vorkommt.

Mithilfe von Daten, die ihren Ursprung in Nasa-Satelliten haben, fanden die Forschenden heraus: „50 Prozent oder mehr der antarktischen Untereisfläche ist für Untereisblüten geeignet, da das Südpolarmeer aus einzelnen Schollen besteht und kleine Bereiche mit offenem Wasser Licht und damit fotosynthetisches Leben zulassen“, so Horvat in einer Mitteilung.

Phytoplankton unter dem Eis: Folgen für Ökosysteme in der Antarktis

Bei Messungen unter kompaktem Meereis mit vollständiger oder nahezu vollständiger Bedeckung des Wassers stellten die Wissenschaftler fest, dass 88 Prozent der Messreihen einen Anstieg des Phytoplanktons vor dem Rückzug des Meereises aufwiesen und 26 Prozent die Kriterien für eine Blüte unter dem Eis erfüllten.

Die Folgen für die Ökosysteme in der Antarktis könnten erheblich sein, betont Horvat: „Höhere Ebenen der Nahrungskette wandern dorthin, wo die Produktivität ist und wenn das unter dem Eis der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass die Nahrungskette dem folgt.“ Die Forschenden betonen jedoch auch, dass weitere Forschungen erforderlich sind, um zu verstehen, wie die verborgenen Ökosysteme funktionieren und ob die Phytoplankton-Blüte Raubtiere und Beutetiere unter dem Eis anlockt. (tab)

Fotografen haben einen gigantischen Eisberg in der Antarktis beobachtet.

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