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Archäologen finden behaarte Schnecke in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein

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Von: Sina Alonso Garcia

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Das haarige Schneckengehäuse steckt in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein.
Das haarige Schneckengehäuse steckt in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein. © Senckenberg Forschungsinstitut und Naturkundemuseum

In einer Bernstein-Mine in Birma haben Forscher eine fossile Schnecke entdeckt, die am äußeren Rand ihrer Schale Haare aufweist. Wie die Wissenschaftler vermuten, bot die Behaarung den Weichtieren einen Selektionsvorteil bei der Evolution.

Frankfurt/Birma - Nur 150 bis 200 Mikrometer lang sind die feinen Härchen, die auf der Schale der neu entdeckten Schneckenart Archaeocyclotus brevivillosus gefunden wurden. Dank klassischer Mikroskopie und moderner 3D-Röntgen-Mikro-Computertomographie konnte ein internationales Forscherteam das Merkmal dennoch bestimmen. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin Cretaceous Research berichten, haben sie die Schnecke in einem 99 Millionen Jahre alten Bernstein in einer kreidezeitlichen Bernstein-Mine im Hukawng-Tal in Birma gefunden.

„Die von uns neu beschriebene Art wurde bereits vor 2017 gesammelt“, sagt Adrienne Jochum vom Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt, die an der Studie beteiligt war. Die fossile Schnecke sei 26,5 Millimeter lang, 21 Millimeter breit und neun Millimeter hoch. „Sie trägt kurze Haare, die den äußeren Rand der Schale säumen und sich an der Schalenöffnung bündeln.“ Ihr Name leite sich passend dazu vom Lateinischen „brevis“ - kurz, klein - und „villōsus“ - haarig, zottelig - ab.

Behaarte Schneckenhäuser: Wissenschaftler vermuten evolutionären Vorteil

Laut Jochum ist die Behaarung von Schneckenhäusern - auch bei heutigen Arten - nicht ungewöhnlich. Dennoch sei die Ausbildung dieses Merkmals in der Regel ein komplexer Prozess, der „nicht ohne Zweck“ erfolge. Insgesamt wurden acht Arten der Familie Cyclophoridae („Turmdeckelschnecken“) aus dem birmanischen Bernstein geborgen - sechs davon tragen borstige Schalen. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Behaarung den Schnecken einen evolutionären Vorteil bot.

„Die Haare könnten den Tieren beispielsweise - das wurde schon bei heute lebenden Schnecken beobachtet - helfen, sich an einem Pflanzenstamm oder an Blättern besser zu verankern“, erklärt Jochum. „Möglicherweise sorgten sie auch für die Wärmeregulierung der Schnecke, indem sie das Anhaften von winzigen Wassertropfen an der Schale ermöglichten und so als ‚Klimaanlage‘ dienten.“ Auch sei es denkbar, dass die Haare das Schneckenhaus vor dem Zerfall in der stark sauren Erde und dem Blattstreu des alten tropischen Waldbodens geschützt hätten.

Behaarte Schnecken: Forscher vermuten auch Vorteil bei sexueller Selektion

Wie Jochum weiter ausführt, könnten die Borsten darüber hinaus als Tarnung gedient oder die Schnecke vor Angriffen geschützt haben. „Und letztlich ist es auch nicht auszuschließen, dass die Haare als Vorteil bei der sexuellen Selektion dienten.“ Mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit untermauern die Forscher die Hypothese, dass die Behaarung bei den Cyclophoriden ein Urzustand ist und dass sie durch mehrfache selektive Vorteile bei der Terrestrisierung der Gruppe während des Mesozoikums eine Rolle gespielt haben könnte.

Dass die Schnecken so lange im Bernstein konserviert wurden, ist kein Zufall: Die Schmucksteine aus fossilem Harz sind dafür bekannt, dass in ihnen immer wieder Spuren von prähistorischen Pflanzen oder Tieren eingeschlossen sind. Erst kürzlich fanden Forscher ein in Bernstein konserviertes, 100 Millionen Jahre altes Mischwesen, das wie die Kreuzung aus einer Spinne und einem Skorpion aussieht.

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