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Asteroid ist fast unzerstörbar – Forscher spricht von „riesigem Weltraumkissen“

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Von: Tanja Banner

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Ein Asteroid, der aus Steinchen und Gesteinsbrocken besteht, ist offenbar fast unzerstörbar – schließlich ist er beinahe so alt wie das Sonnensystem.

Perth – Ein großer Teil der Asteroiden sind Fachleuten zufolge sogenannte „rubble piles“, also „Schutthaufen“. Sie bestehen aus zahlreichen kleineren Gesteinsbrocken, die durch Gravitation lose zusammengehalten werden. Im Gegensatz dazu bestehen monolithische Asteroiden aus einem einzigen Stein.

Ein bekannter „rubble pile“-Asteroid ist Itokawa, ein etwa 500 Meter langer Asteroid, der im November 2005 von der japanischen Raumsonde „Hayabusa 1“ besucht wurde. Die Raumsonde brachte 2010 Gesteinsproben zur Erde – drei kleine Staubpartikel davon konnte ein Forschungsteam der Curtin University im australischen Perth nun untersuchen und wichtige neue Erkenntnisse daraus gewinnen.

„rubble pile“-Asteroid besteht aus Gesteinsbrocken und leerem Raum – er ist fast unzerstörbar

Das wichtigste Forschungsergebnis der Studie, die im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, dürfe in der Forschung künftig eine große Rolle spielen. Die Forscherinnen und Forscher fanden nämlich heraus, dass der Asteroid Itokawa nur schwer zu zerstören sowie widerstandsfähig gegen Stöße und Kollisionen ist. Entsprechend alt ist der Asteroid, der etwa so groß ist wie die ikonische Sydney Harbour Bridge, auch: Itokawa ist fast so alt wie das Sonnensystem, in dem er sich bewegt.

Der Asteroid Itokawa ist 500 Meter groß und besteht aus zahlreichen Steinen und Gesteinsbrocken. (Symbolbild)
Der Asteroid Itokawa ist 500 Meter groß und besteht aus zahlreichen Steinen und Gesteinsbrocken. (Symbolbild) © Curtin University

„Die Lebenszeit von einem monolithischen Asteroiden der Größe von Itokawa im Asteroidengürtel wird auf nur mehrere hunderttausend Jahren geschätzt“, erklärt der Hauptautor der Studie, Fred Jourdan von der School of Earth and Planetary Sciences an der Curtin University. „Im Gegensatz zu Monolithen ist Iokawa kein einzelner Gesteinsbrocken, sondern besteht aus losen Steinen und Felsen – fast die Hälfte des Asteroiden ist leerer Raum“, so Jourdan weiter.

Asteroid Itokawa ist „wie ein riesiges Weltraumkissen“ und fast unzerstörbar

Ein großer Schlag vor mindestens 4,2 Milliarden Jahren habe den monolithischen Mutter-Asteroiden getroffen und so Itokawa erschaffen, ist der Forscher überzeugt. „Die erstaunlich lange Überlebenszeit eines Asteroiden von der Größe Itokawas wird auf die stoßdämpfende Wirkung des Materials der Trümmerhaufen zurückgeführt“, erläutert der Wissenschaftler. „Kurz gesagt: wir haben herausgefunden, dass Itokawa wie ein riesiges Weltraumkissen und sehr schwer zu zerstören ist.“

Bisher war nicht klar, wie langlebig „rubble pile“-Asteroiden sind – weshalb es schwierig ist, Abwehrstrategien für solche Asteroiden zu entwickeln. Die US-Raumfahrtorganisation Nasa hat kürzlich im Rahmen der „DART“-Mission getestet, ob der Einschlag einer Raumsonde einen Asteroiden von seinem Kurs abbringen kann. Um solche Pläne auch für „rubble pile“-Asteroiden zu entwickeln, müssen Forschende zuerst mehr über sie in Erfahrung bringen.

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„rubble pile“-Asteroid ist fast so alt wie das Sonnensystem

„Wir wollten herausfinden, ob ‚rubble pile‘-Asteroiden resistent gegen Erschütterungen sind oder ob sie bei der geringsten Erschütterung zerbrechen“, erklärt der Studien-Co-Autor Nick Timms in einer Mitteilung. „Jetzt, da wir festgestellt haben, dass sie fast die gesamte Geschichte des Sonnensystems überleben können, müssen sie im Asteroidengürtel häufiger vorkommen als bisher angenommen, sodass die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass ein großer Asteroid, der auf die Erde zurast, ein ‚rubble pile‘-Asteroid sein wird.“

Doch was fangen die Forscherinnen und Forscher nun mit diesem neuen Wissen an? „Die gute Nachricht ist, dass wir diese Information zu unserem Vorteil nutzen können“, betont Timms und fährt fort: „Wenn ein Asteroid zu spät entdeckt wird für einen kinetischen Stoß, können wir potenziell einen aggressiveren Ansatz verfolgen.“ Der Forscher meint damit etwa die Schockwelle einer Nuklearexplosion, die einen „rubble pile“-Asteroiden vom Kurs abbringen könnte, ohne ihn zu zerstören. An weiteren Ideen und Szenarien werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler künftig arbeiten.

Aktuelles rund um Asteroiden

Erst kürzlich haben Astronomen einen kleinen Asteroiden entdeckt, der kurz darauf die Erde traf. Es war nicht der erste Fall dieser Art.

Man kann also ohne Übertreibung sagen, dass die Untersuchung dreier Asteroiden-Staubkörnchen möglicherweise eines Tages die Welt retten kann – eine Behauptung, die auch die Mitteilung zur Studie direkt in ihrer Überschrift aufstellt: „Asteroidenfunde aus Weltraumstaub könnten den Planeten retten“. (tab)

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