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Corona: mRNA-Impfstoffe haben unterschiedliche Wirkung – Was Fachleute empfehlen

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Von: Tanja Banner

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Der Corona-Impfstoff Spikevax von Moderna wirkt anders als das Vakzin Comirnaty von Biontech. (Archivbild)
Der Corona-Impfstoff Spikevax von Moderna wirkt anders als das Vakzin Comirnaty von Biontech. (Archivbild) © Christoph Schmidt/dpa

Eine Corona-Studie zeigt die unterschiedliche Wirkung der mRNA-Impfstoffe von Biontech und Moderna im Körper. Fachleute haben eine klare Empfehlung.

Boston – Die Corona-Pandemie* hat den Durchbruch für mRNA-Impfungen gebracht. Gleich zwei von ihnen sind in zahlreichen Ländern der Welt als Impfung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 und die Krankheit Covid-19 zugelassen. Doch mRNA-Impfstoff ist nicht gleich mRNA-Impfstoff – auch wenn das Design sehr ähnlich sein mag. Die Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna wirken durchaus unterschiedlich im Körper, wie eine Studie, die im Fachjournal Science Translational Medicine veröffentlicht wurde, zeigt.

Sowohl der Biontech-Impfstoff BNT162b2 als auch das Moderna-Vakzin mRNA-1273 bringen den Körper dazu, große Mengen an neutralisierenden Antikörpern zu bilden, die an das Virus binden und es daran hindern, Zellen zu infizieren. Doch die entstehenden Antikörper unterscheiden sich je nach Impfstoff. Das Corona-Vakzin von Biontech/Pfizer* führt als Antikörperreaktion vor allem zur Bildung einer Klasse von Antikörpern namens IgG und IgM, die häufig im Blut vorkommen.

Corona-Studie: „mRNA-Imfpstoffe lösen unterschiedliche Arten der Immunität aus“

Der Impfstoff von Moderna* dagegen erzeugt vor allem IgA-Antikörper, die eher auf Schleimhautoberflächen zu finden sind – beispielsweise in den Atemwegen, also dort, wo Corona-Infektionen in der Regel beginnen*. Der Moderna-Impfstoff gegen Corona sorgte außerdem für die Bildung einer relativ hohen Konzentration von Antikörpern, die Immunzellen aktivieren, um eindringende Keime abzutöten.

„Die mRNA-Impfstoffe lösen unterschiedliche Arten der Immunität aus“, erklärt Galit Alter, eine Mitautorin der Studie, gegenüber dem Fachportal MedPage Today. „Das deutet darauf hin, dass das Immunsystem sie auf leicht unterschiedliche Weise wahrnimmt. Und wir wissen, dass ‚anders‘ unglaublich wichtig für das Training des Immunsystems ist“, so die Harvard-Immunologin und Virologin. Die Forschenden wollen unter anderem herausfinden, wie Corona-Impfstoffe weiterentwickelt werden müssen, um beispielsweise gegen neu aufkommende Varianten wirksam zu bleiben.

Die mRNA-Impfstoffe lösen unterschiedliche Arten der Immunität aus.

Galit Alter, Harvard-Immunologin und Virologin, Mitautorin der Studie

Corona: Vakzine von Biontech/Pfizer und Moderna wirken unterschiedlich

Für die Studie wurden die Antikörperprofile von 73 Personen etwa einen Monat nach der zweiten Impfdosis ermittelt. 28 der Teilnehmenden waren mit dem Moderna-Vakzin geimpft worden, 45 mit dem Mittel von Biontech/Pfizer. Bei den Teilnehmenden handelte es sich hauptsächlich um junge, gesunde weibliche Angestellte im Gesundheitswesen – was nicht repräsentativ für die Bevölkerung ist. Die Forschenden sind sich trotzdem sicher: „Trotz dieser Einschränkungen liefern die Daten Hinweise auf mögliche nuancierte Unterschiede in der Qualität der humoralen Immunantwort, die durch die Sars-CoV-2-mRNA-Impfstoffe ausgelöst wird“, schreiben sie in ihrer Studie.

Beide mRNA-Impfstoffe würden „robuste funktionelle humorale Immunantworten auslösen“, heißt es in der Studie weiter. Doch die leichten Antikörper-Abweichungen könnten „Einblicke in potenzielle Unterschiede in der schützenden Immunität durch diese Impfstoffe bieten“, so die Schlussfolgerung der Forschenden.

Auf eine Schwäche ihrer Studie weisen die Forschenden selbst hin: „Es ist unklar, ob Unterschiede in der Impfstoffdosis, dem Impfintervall zwischen den beiden Dosen, den mRNA-Modifikationen oder der Formulierung der Lipid-Nanopartikel für die beobachteten Unterschiede in den Impfstoffprofilen verantwortlich sind“, heißt es in der Studie weiter. Die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna werden in unterschiedlichen Dosen (Biontech: 30 Mikrogramm, Moderna: 100 Mikrogramm) verabreicht, außerdem sind die empfohlenen Zeiträume zwischen den beiden ersten Impfungen unterschiedlich lang.

Mein Ansatz wäre, den entgegengesetzten mRNA-Impfstoff als Booster zu verwenden. Für die vierte Impfung sollte man definitiv wechseln, wenn man es nicht schon getan hat.

Eric Feigl-Ding, US-Epidemiologe

Praxisbezug der Corona-Studie: Fachleute empfehlen „Mix und Match“ beim Impfen

Für die Forschenden gibt es also noch einiges zu tun. Derweil schlägt der US-Epidemiologe Eric Feigl-Ding auf Twitter bereits vor, wie man die Studienergebnisse in der Praxis für sich nutzen kann: „Vielleicht ist es am besten, den Impfstoff zu wechseln und mit einem anderen mRNA-Impfstoff zu cross-boostern“, schreibt er auf Twitter unter Verweis auf die Studie.

Man habe bereits zuvor in Studien gesehen, dass es eine höhere Antikörperantwort gegeben habe, wenn man von Moderna zu Biontech/Pfizer oder umgekehrt gewechselt habe – noch stärker sei die Reaktion beim Wechsel vom Johnson&Johnson-Impfstoff* zu den mRNA-Impfstoffen gewesen. Feigl-Ding weiter: „Mein Ansatz wäre, den entgegengesetzten mRNA-Impfstoff als Booster zu verwenden. Für die vierte Impfung sollte man definitiv wechseln, wenn man es nicht schon getan hat.“

Die Forscherin Christine Johnston, die selbst eine Studie zu verschiedenen Booster-Strategien veröffentlicht hat, sieht das gegenüber MedPage Today ganz ähnlich: „Es ergibt Sinn“, erklärt sie und fährt fort: „Wenn man leicht unterschiedliche Teile des Immunsystems stimuliert, bekommt man eine bessere Gesamtabdeckung gegenüber der Version von Sars-CoV-2, die im Umlauf ist oder den Varianten, die neu entstehen.“ Studienautorin Alter stimmt ebenfalls zu: „Ich denke, die Anregung ist brillant, um das Beste von beiden Impfstoffen zu bekommen.“ (tab) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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