Forschung

Corona-Impfung: Wie sieht es mit der Einnahme von Paracetamol oder Ibuprofen aus?

Sollen Schmerzmittel vor oder nach der Corona-Impfung eingenommen werden? (Symbolbild)
+
Sollen Schmerzmittel vor oder nach der Corona-Impfung eingenommen werden? (Symbolbild)

Soll vor oder nach der Corona-Impfung auf Schmerzmittel verzichtet werden? Ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand.

Kassel - Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Beschwerden an der Einstichstelle gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Booster-Impfung gegen das Coronavirus. Um die Schmerzen nicht einfach aussitzen zu müssen, greifen viele Menschen zu Medikamenten wie Ibuprofen und Paracetamol. Und warum auch nicht, könnte man meinen.

Schließlich sind diese Schmerzmittel ganz ohne Rezept in den Apotheken erhältlich. Doch kann dadurch die Immunreaktion der Corona-Impfung gehemmt werden?

Corona-Impfung und Schmerzmittel: Wie wirken Ibuprofen und Paracetamol?

Ibuprofen ist ein fiebersenkendes, schmerzlinderndes und entzündungshemmendes Medikament, das zur Gruppe der nicht steroidalen Antirheumatika (NSAR) gehört. Sie hemmen spezifische Enzyme mit dem Namen COX-Enzyme (Cyclooxygenase). Die sind bei der Bildung bestimmter Gewebshormone beteiligt, welche unter anderem Entzündungen, Schmerzen und Fieber auslösen, berichtet das Portal Gesundheitsinformation.de. Zur Wirkungsweise von Paracetamol sei dagegen nur wenig bekannt, heißt es weiter. Einige Theorien gehen davon aus, dass Paracetamol auch einen Einfluss auf spezifische Gewebshormone hat.

Durch die Corona-Impfstoffe werden Immunreaktionen ausgelöst, die zu Fieber und Schmerzen führen können. Die mRNA-Impfstoffe wie Biontech oder Moderna wirken darüber, dass eine Art „Bauplan“ des Spike-Proteins des Coronavirus injiziert wird. Das körpereigene Immunsystem baut anhand dessen anschließend seine Abwehr gegen das Virus auf. Kann diese Abwehr durch Schmerzmittel vermindert werden?

Paracetamol und die Corona-Impfung: Studien geben Hinweise

Im aktuellen Aufklärungsmerkblatt des Robert Koch-Instituts (Stand 21.12.2021) zur mRNA-Impfung heißt es: „Bei Schmerzen oder Fieber nach der Impfung können schmerzlindernde / fiebersenkende Medikamente eingenommen werden. Ihre Ärztin / Ihr Arzt kann Sie hierzu beraten“. Zur Einnahme von Schmerzmitteln vor der Corona-Impfung berichtet das Institut auf seiner Webseite, dass eine Einnahme vor dem Impfen nicht empfehlenswert sei. Im Hinblick einer Hemmung des Impferfolgs durch Schmerzmittel gebe es bisher noch keine Belege. Das Center of Desease Control and Prevention in den USA rät ebenfalls von einer Einnahme vor der Impfung ab. Doch einige Studien zur möglichen Wechselwirkungen von Impfstoffen und Schmerzmitteln existieren bereits.

Wirkstoff des rezeptfreien SchmerzmittelsHöchstdosis pro Einnahme bei gesunden Erwachsenen
Ibuprofen400 mg
Paracetamol1000 mg
ASS1000 mg
Kombinationspräparat mit ASS, Paracetamol und Koffein500 mg ASS / 400 mg Paracetamol / 100 mg Koffein
Quelle: gesundheitsinformation.de

In einer im Lancet veröffentlichten Studie von 2009 untersuchten Fachleute die Auswirkungen von Paracetamol vor einer Impfung bei Kindern untersucht. Es zeigte sich, dass die Antikörperkonzentration deutlich vermindert war. Eine weitere Studie, die in der Fachzeitschrit „Plos One“ veröffentlicht wurde, kommt zu einem ähnlichen Schluss. Sie untersuchte den Einfluss von Paracetamol auf die Hepatitis-B-Impfung. Eine prophylaktische Einnahme von Paracetamol direkt vor, während oder unmittelbar nach dem Impfen hatte einen negativen Einfluss auf die Immunantwort. Sechs Stunden nach der Impfung konnte kein Einfluss von Schmerzmitteln festgestellt werden.

Corona-Impfung: Haben Ibuprofen und Paracetamol einen Einfluss auf die Impfwirkung?

Einen Einfluss von Schmerzmitteln einige Zeit nach der Impfung stellten die Forschenden in der Studie nicht fest. Thomas Herdegen vom Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie in Kiel erklärte gegenüber dem Ärzteblatt jedoch, dass bereits bekannt sei, dass COX-Hemmer wie beispielsweise Paracetamol oder Ibuprofen die Begleitreaktionen einer Impfung abschwächten. Auch sei anhand der Studien bekannt, dass der Impftiter (Maß unter anderem für Antikörpermenge) negativ beeinflusst werde. Dennoch sei unklar, ob darunter auch die Immunantwort leide, so Herdegen.

Deutlichere Worte findet Michael Mina, Professor an der Harvard T.H. Chan School of Public Health. Er erklärt, dass man Schmerzmittel vorher „nicht einnehmen soll“. Nach dem Impfen solle man „sich wirklich anstrengen“ keine dieser Medikamente einzunehmen, heißt es auf der Webseite der Universität. Auch Mahyar Etminan Pharmakologe aus Vankouver gab im Journal Chest zu bedenken, dass fiebersenkende Mittel wie Ibuprofen die Immunreaktion durch die Corona-Impfung abschwächen könnten. Etminan unterstreicht: „Die Existenz möglicher negativer Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und der Impfung muss so schnell wie möglich untersucht werden.“ (slo)

Die in diesem Artikel genannten Informationen ersetzen nicht den Gang zu einem Arzt oder einer Ärztin. Nur Fachleute können die richtige Diagnose erstellen und eine geeignete Therapie einleiten. Die Einnahme von Medikamenten oder auch Nahrungsergänzungsmitteln sollte vorher mit einem Arzt oder einer Ärztin abgesprochen werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.