Impfstoff-Arten

Corona-Impfstoffe: mRNA-, Totimpfstoff oder proteinbasiertes Vakzin – der Überblick

Viele Menschen in Deutschland warten auf die Zulassung eines Totimpfstoffs gegen das Coronavirus. (Symbolbild)
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Viele Menschen in Deutschland warten auf die Zulassung eines Totimpfstoffs gegen das Coronavirus. In China wird ein solches Vakzin bereits verwendet.

In der Corona-Pandemie sind Impfstoffe ein wichtiges Thema – doch welche Arten gibt es? Ein Überblick über Totimpfstoffe, mRNA-, Vektor- und proteinbasierte Vakzine.

Kassel – Die Corona-Pandemie beherrscht seit knapp zwei Jahren den Alltag und ist noch längst nicht überstanden. Wenn die weltweite Corona-Situation eine gute Sache hervorgebracht hat, dann sind es Impfstoffe. Innerhalb von etwa einem Jahr nach dem Auftauchen des Coronavirus Sars-CoV-2 wurden die ersten Impfstoffe zugelassen und verimpft. Corona-Vakzine von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson sind derzeit in Deutschland zugelassen, für weitere Impfstoffe läuft ein Zulassungsverfahren der europäischen Arzneimittelagentur EMA.

In Zeiten, in denen Impfstoffe ein Thema für Smalltalk, aber auch für heftige Diskussionen und Proteste sind, hilft ein Überblick über die verschiedenen Arten von Impfstoffen: Welche Arten gibt es überhaupt? Welche Vakzine kommen gegen Corona zum Einsatz und welche Vor- und Nachteile haben die einzelnen Impfstoff-Arten? Ein Überblick.

Generell werden Impfstoffe in zwei Klassen eingeteilt: In Lebendimpfstoffe und Totimpfstoffe. In der Impfstoffentwicklung gibt es eine weitere Art der Einteilung, die Menschen, die sich in der Corona-Pandemie mit Vakzinen beschäftigen, geläufiger sein dürfte: die Unterteilung in genbasierte und proteinbasierte Impfstoffe.

Lebendimpfstoffe: Wirkungsweise, Vorteile und Nachteile

Im Lebendimpfstoff werden abgeschwächte Bakterien oder Viren verwendet, die sich meist noch vermehren können, aber in der Regel die Erkrankung nicht mehr auslösen können. Der Körper reagiert auf den erkannten „Feind“ im Körper – der Impfschutz baut sich auf. Zu den Lebendimpfstoffen, die derzeit zum Einsatz kommen, zählen unter anderem die Impfstoffe gegen Masern, Mumps, Röteln, Gelbfieber, Pocken oder Cholera.

Der Vorteil einer Lebendimpfung ist, dass der Schutz für lange Zeit – manchmal sogar lebenslang – anhält. Der Impfstoff ist einfacher zu gewinnen als Totimpfstoffe, hat allerdings auch Nachteile: Die Impfung kann ähnliche Beschwerden auslösen wie die Krankheit, gegen die sie helfen soll. Das geschieht allerdings nur sehr selten und fällt in den meisten Fällen sehr schwach aus. Nicht empfohlen werden Lebendimpfstoffe für immungeschwächte Personen – bei ihnen könnten sich die Erreger zu stark ausbreiten – und für Schwangere. Das Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt, nach einer Impfung mit einem Lebendimpfstoff mindestens einen Monat lang eine Schwangerschaft zu vermeiden. In der Schwangerschaft sollen keine Lebendimpfstoffe genutzt werden, Totimpfstoffe können dagegen im zweiten und dritten Schwangerschaftstrimester eingesetzt werden.

Totimpfstoffe: Wirkungsweise, Vorteile und Nachteile

Totimpfstoffe enthalten keine lebendigen Krankheitserreger, sondern abgetötete oder inaktivierte Viren oder Bakterien. Im Vergleich zum Lebendimpfstoff können die Viren oder Bakterien im Totimpfstoff sich nicht mehr weitervermehren – sie lösen jedoch trotzdem die gewünschte Abwehrreaktion des Körpers aus. Totimpfstoffe kommen unter anderem bei der Impfung gegen Tetanus, Keuchhusten oder Diphterie zum Einsatz. Das Unternehmen Valneva wartet derzeit auf die Zulassung seines Corona-Totimpfstoffs in der EU.

Genau wie Lebendimpfstoffe haben auch Totimpfstoffe Vor- und Nachteile: Da Totimpfstoffe schnell vom Körper abgebaut werden, sind häufig Auffrischungsimpfungen nötig. Die Anwendung von Totimpfstoffen ist auch während der Schwangerschaft möglich – im zweiten und dritten Trimester der Schwangerschaft dürfen sie laut RKI bedenkenlos verwendet werden, im ersten Schwangerschaftsdrittel empfiehlt das RKI dagegen nur die Totimpfstoff-Impfungen, die dringend benötigt werden. Für die Stillzeit sieht das RKI dagegen keine Bedenken.

In Deutschland zugelassene Corona-Impfstoffe

ImpfstoffArt
Comirnaty (Biontech/Pfizer)mRNA-Impfstoff
CO­VID-19 Vac­ci­ne Jans­sen (Johnson & Johnson)Vektor-Impfstoff
Spike­vax (Moderna)mRNA-Impfstoff
Va­x­ze­vria (Astrazeneca)Vektor-Impfstoff

Genbasierte Impfstoffe: mRNA-Impfstoffe und Vektor-Impfstoffe setzen keine Viren ein

Bei genbasierten Impfstoffen handelt es sich um neue Impfstoffe, bei denen keine Viren oder Teile von Viren zum Einsatz kommen, sondern nur ein Teil des Virus-Erbguts, aus dem sich der Körper die Antigene, auf die er anschließend reagieren soll, selbst erstellt. Zu den genbasierten Impfstoffen zählen unter anderem mRNA-Impfstoffe und Vektor-Impfstoffe, die beide aus der Corona-Pandemie bekannt sind.

Beim mRNA-Impfstoff, wie er von Biontech/Pfizer und Moderna in der Corona-Pandemie entwickelt wurde, wird der genetische Code (mRNA) eines Oberflächenproteins verwendet – im Fall des Coronavirus ist es das Spike-Protein, das von Fetten umhüllt und in einen Muskel injiziert wird. Der Körper baut nach diesem „Bauplan“ das Spike-Protein des Coronavirus nach, gegen den das Immunsystem anschließend seine Abwehr aufbaut. Ein Vorteil von mRNA-Impfstoffen ist, dass sie schnell, in großen Mengen und günstig hergestellt werden können. Ein Nachteil dagegen ist, dass sie temperaturempfindlich sind und bei sehr niedrigen Temperaturen gelagert und transportiert werden müssen.

Vektor-Impfstoffe kommen in der Corona-Pandemie ebenfalls zum Einsatz: Die Vakzine von Johnson & Johnson und Astrazeneca sind solche Impfstoffe, die entschärfte und für den Menschen ungefährliche Erkältungsviren als „Transporter“ für den Bauplan des Spike-Proteins verwenden. Auch die Vektor-Impfstoffe schleusen die mRNA des Spike-Proteins von Corona in den Körper ein – der baut die Proteine nach, das Immunsystem reagiert darauf und der Impfschutz entsteht.

Proteinbasierte Impfstoffe: Wirkungsweise, Vorteile und Nachteile

In der Corona-Pandemie warten viele Menschen auf den Impfstoff von Novavax, der häufig als „Totimpfstoff“ bezeichnet wird. Tatsächlich handelt es sich dabei jedoch um einen proteinbasierten Impfstoff: Dem Körper werden winzige Partikel des Erregers präsentiert. Im Fall von Novavax kommt außerdem eine relativ neue Technologie zum Einsatz: Das Unternehmen gewinnt die Viruspartikel, die im Impfstoff stecken, nicht aus den Viren, sondern in Zellkulturen.

Proteinbasierte Impfstoffe haben gerade in der Corona-Pandemie große Vorteile: Im Gegensatz zu den temperaturempfindlichen mRNA-Impfstoffen lassen sie sich bei Kühlschrank-Temperaturen lagern und sind generell weniger empfindlich. Es gibt jedoch auch einen Nachteil: Das Immunsystem reagiert auf Protein-Impfstoffe nicht so stark wie auf mRNA- oder Vektor-Impfstoffe. Daher enthalten Protein-Impfstoffe einen wirkungsverstärkenden Zusatz, ein sogenanntes Adjuvanz, das gelegentlich für Impfnebenwirkungen verantwortlich sein kann.

mRNA-Impfstoff, Totimpfstoff oder proteinbasierter Impfstoff? Einteilung ist nicht ganz einfach

Dass die Einteilung von Impfstoffen nicht ganz einfach ist, zeigt eine Notiz des Robert Koch-Instituts zu den mRNA- und Vektor-Impfstoffen, die es gegen Corona gibt: „Die COVID-19-Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren. Insofern können sie mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden. Solche Totimpfstoffe sind inaktiviert; sie enthalten abgetötete Erreger oder Erreger-Bestandteile, die sich weder vermehren, noch eine Erkrankung auslösen können. Dies gilt sowohl für die mRNA- als auch für die Vektorimpfstoffe.“ (Tanja Banner)

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