Pandemie

Omikron-Variante: Welcher Corona-Impfstoff als Booster besonders wirksam ist

Corona-Impfstoff von Moderna
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Das Boostern mit dem Moderna-Impfstoff steigert laut Herstellerangaben den Antikörper-Level gegen Omikron erheblich.

Corona-Impfstoffe sind in der Pandemie die effektivste Waffe. Eine neue Studie zeigt, welcher Impfstoff auch gegen die Omikron-Variante gut schützt.

Update von Montag, 20.12.2021, 16.00 Uhr: Die Omikron-Variante des Coronavirus ist weiter auf dem Vormarsch. Impfen gilt als zentrales Instrument im Kampf gegen die hochinfektiöse Mutation. Insbesondere Booster-Impfungen rücken in den Fokus. Kürzlich hat eine Studie, an welcher weltweite Forscherinnen und Forscher beteiligt waren, untersucht, welche Impfstoffe am wirksamsten gegen Omikron sind (s. Erstmeldung).

Booster-Impfungen gelten als zentrales Instrument im Kampf gegen die Omikron-Variante des Coronavirus. (Symbolfoto)

Nun wurde bekannt, dass ein Vakzin laut Herstellerangaben sich sehr gut als Auffrischung gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 eignet. Eine Booster-Impfung mit dem Impfstoff von Moderna erhöht demnach zufolge die Immunabwehr des Körpers gegen die Omikron-Variante deutlich. Der neutralisierende Antikörperspiegel sei nach einem Booster mit der zugelassenen Dosierung um das rund 37-Fache, im Vergleich zu einer Zweifachimpfung, gestiegen, wie das US-Unternehmen am Montag (20.12.2021) mitteilte. Die Forscherinnen und Forscher hatten das Antikörperlevel 29 Tage nach der Booster-Impfung im Labor analysiert.

Die Daten beziehen sich dabei auf eine Booster-Dosis von 50 Mikrogramm (Millionstel Gram), die in den USA zugelassen ist. Das ist nur die Hälfte der Impfstoffmenge, welche bei der ersten und zweiten Corona-Impfung verabreicht wird. In der Studie zur Moderna-Booster-Impfung mit 100 Mikrogramm habe sich der neutralisierende Antikörperlevel im selben Zeitraum sogar um das 83-Fache erhöht, teilte Moderna mit.

Allerdings weist die Impfstoff-Analyse des US-Konzern eine enorme Schwäche auf: An der Studie nahmen laut Herstellerangaben lediglich 20 Personen pro Dosis teil – sprich: 40 Personen. Die Ergebnisse der Analyse wurden zudem noch nicht von einem Fachjournal veröffentlicht, was in der Wissenschaft gängig ist.

Omikron-Variante: Welche Impfstoffe bei der Corona-Mutante am besten wirken

Erstmeldung vom Samstag, 18.12.2021, 18.15 Uhr: Frankfurt – Die Wirksamkeit der in der Pandemie neu entwickelten Impfstoffe gegen Corona wird von der Wissenschaft fortwährend getestet und überprüft. Seit klar ist, dass der Impfschutz nach einigen Monaten nicht mehr ausreichend hoch ist, sind flächendeckende Drittimpfungen, die sogenannten Booster-Impfungen, das Ziel.

Fast zeitgleich erschien die Omikron-Variante des Virus auf der Bildfläche – eine Mutante, die sich durch ihre schnelle Übertragbarkeit auszeichnet. Die Corona-Impfstoffe allerdings zeigten sich gegen Omikron als nur teilweise effektiv. Wissenschaftler aus Universitäten in den USA, Europa, Südamerika und Australien untersuchten daher in einer aktuellen gemeinsamen Studie, wie es um den Impfschutz gegen Omikron bei den verschiedenen Impfstoffen im Vergleich steht.

Corona-Impfstoffe: Biontech, Moderna & Co. – Wer schneidet am besten ab?

Untersucht wurde die Zahl der nach zwei bis vier Wochen noch vorhandenen neutralisierenden Antikörper bei Testpersonen, die auf den bestehenden Impfschutz schließen lassen. Einbezogen wurden Personen, die genesen oder zweifach mit Moderna, Biontech/Pfizer, Astrazeneca, Johnson & Johnson, Sputnik oder dem chinesischen Impfstoff Sinopharm geimpft wurden.

Als einsamer Spitzenreiter unter den Impfstoffen erwies sich dabei Moderna. Dr. Eric Feigl-Ding, Epidemiologe und Gesundheitsökonom aus den USA, schreibt dazu auf Twitter: „Moderna scheint laut der Studie am stärksten gegen Omikron zu sein, trotzdem ist der Abfall [der Antikörper im Blut, Anm. d. R.] noch groß. Pfizer ist der nächstbeste (…), Astrazeneca und Sinopharm schneiden schlecht ab. Johnson & Johnson und Sputnik gleich Null.“ Eine Kreuzimpfung aus Astrazeneca und Biontech/Pfizer erziele allerdings einen „halbwegs anständigen“ Schutz, so Feigl-Ding in einem weiteren Twitter-Post, in dem er sich auf eine Studie des Frankfurter Instituts für Medizinische Virologie bezieht.

Die Studie zum Impfstoff-Vergleich zeige außerdem, dass jemand, der von einer Corona-Infektion genesen, aber nicht geimpft ist, gegen Omikron praktisch keinen nachweisbaren Impfschutz habe. Eine Impfung zusätzlich zu einer überstandenen Infektion hingegen hatte einen positiven Einfluss auf den Impfschutz.

Corona-Impfstoffe gegen Omikron – alle nehmen in der Wirksamkeit ab

Doch wie auch Feigl-Ding in seinem Kommentar bereits anklingen ließ: Der Rückgang des Impfschutzes gegen die Omikron-Variante ist enorm. Sandra Ciesek, Direktorin des Instituts für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt, veröffentlichte ebenfalls auf Twitter erste Ergebnisse der von Feigl-Ding zitierten Studie ihres eigenen Instituts. Die Wissenschaftler dieser Untersuchung nahmen einen weitaus längeren Zeitraum in den Blick und ermittelten den vorhandenen Impfschutz der verschiedenen Impfstoffe gegen Omikron nach sechs Monaten.

Die Ergebnisse: Sowohl eine zweifache Impfung mit Biontech/Pfizer, als auch eine zweifache Impfung mit Moderna und eine Kreuzimpfung aus AstraZeneca und Biontech/Pfizer kamen in ihrer Studie nach 6 Monaten auf keine nachweisbare Neutralisation gegen Omikron. Auch eine Booster-Impfung mit Biontech/Pfizer führte nach drei Monaten nur noch zu einer 25-prozentigen Neutralisation. Bei der Delta-Variante lag diese hingegen noch bei 95 Prozent.

Diese Daten, darauf wies Ciesek gesondert hin, seien jedoch nicht aussagekräftig in Bezug auf die Frage, ob durch die Impfungen ein schwerer Verlauf der Erkrankung verhindert werden könne. Die Studie bezieht sich demnach explizit lediglich auf die Übertragbarkeit des Virus, nicht auf den Krankheitsverlauf bei einer Infektion.

Corona-Impfstoffe: Hersteller müssen neues Vakzin gegen Omikron entwickeln

Die Daten würden aber sehr wohl deutlich machen, dass die Entwicklung eines Impfstoffes, der auf die Omikron-Variante angepasst ist, sinnvoll ist, so Ciesek. Diesen zu entwickeln wird die Hersteller allerdings noch Zeit kosten. Zu der voraussichtlichen Verfügbarkeit haben sie bereits Angaben gemacht:

Biontech/Pfizer hat bereits mit der Anpassung des mRNA-Impfstoffs an den Virusstamm von Omikron begonnen, wie das Unternehmen am 8. Dezember 2021 mitteilte. Der angepasste Impfstoff von soll demnach bis Ende März 2022 auf den Markt kommen. Auch der US-Hersteller Moderna überarbeitet bereits seinen mRNA-Impfstoff, wie der WDR berichtet. Laut Experten beginnt in 60 bis 90 Tagen eine klinische Studie dazu.

Das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca prüfe derzeit noch, inwieweit der Vektorimpfstoff vor einer Omikron-Infektion und schweren Verläufen schützt. Laut der Universität Oxford gebe es aktuell keine Hinweise darauf, dass der Impfschutz vor schweren Verläufen bei Omikron nachlässt. Allerdings stehen bislang nur begrenzte Daten zur Verfügung, wie der WDR berichtet. Johnson & Johnson prüfe derzeit ebenfalls die Wirksamkeit des Vektorimpfstoffs vor Omikron. Der US-Hersteller arbeite jedoch parallel bereits an einem neuen Impfstoff, der weiterentwickelt und an Omikron angepasst werden kann.

Corona-Pandemie: Impflücke schließen und boostern

In der Zwischenzeit sei es von größter Wichtigkeit, die noch vorhandene Impflücke in Deutschland zu schließen, sagt Christian Drosten, Virologe an der Berliner Charité. „Omikron ist ein optimales Postpandemievirus. D[eutschland, Anm. d. R.] ist wegen der Impflücke noch nicht bereit für die endemische Situation“, so Drosten via Twitter.

Eine durch Omikron bedingte fünfte Welle ist zu befürchten. Auch angesichts dessen schlägt Drosten zuletzt klare Töne an: „Ein fast vollständiges Schließen der Impflücken ist durch nichts zu ersetzen. Wer das noch nicht kapiert hat, hat es noch nicht kapiert. Boostern beruhigt die Inzidenz im Winter, aber mit der jetzigen Impflücke kommen wir nicht in die endemische Situation“, soll heißen: Nur das Impfen hilft uns zuverlässig, aus der jetzigen Situation einer Pandemie herauszukommen, eine Grundimmunisierung in der Bevölkerung zu erreichen und mit Corona als einem relativ häufigen, aber ungefährlichem Virus zu leben – ähnlich, wie es mit der Grippe bereits der Fall ist. (na)

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