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Corona-Studie zeigt: Reinfektionen erhöhen das Sterberisiko

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Von: Tanja Banner

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Das Coronavirus Sars-CoV-2 hat immer wieder Überraschungen auf Lager. Nun haben Forschende herausgefunden, dass Reinfektionen das Sterberisiko erhöhen können. (Symbolbild)
Das Coronavirus Sars-CoV-2 hat immer wieder Überraschungen auf Lager. Nun haben Forschende herausgefunden, dass Reinfektionen das Sterberisiko erhöhen können. (Symbolbild) © imago images/Addictive Stock

Corona-Reinfektionen erhöhen das Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen sowie das Sterberisiko. Das zeigt eine neue Studie aus den USA.

St. Louis – Die lange Dauer der Corona-Pandemie gepaart mit scheinbar leichten Infektionen sorgt dafür, dass viele Menschen das Virus nicht mehr ganz ernst nehmen. Eine gewisse Leichtigkeit im Umgang mit Corona macht sich breit – doch eine neue Studie zeigt nun, dass man Sars-CoV-2 weiterhin ernst nehmen sollte – und zwar selbst dann, wenn man geimpft ist und bereits infiziert war.

Forschende der Washington University School of Medicine in St. Louis haben herausgefunden, dass wiederholte Corona-Reinfektionen ein erhebliches zusätzliches Risiko für gesundheitliche Beeinträchtigungen mit sich bringen. Darunter sind dem Forschungsteam zufolge Probleme mit Lunge, Herz, Gehirn und Blut, aber auch mit dem Muskel-Skelett-System oder dem Magen-Darm-System – bis hin zur Krankenhauseinweisung und zum Tod. Eine erneute Corona-Infektion kann außerdem zu Diabetes, Nierenerkrankungen und psychischen Problemen beitragen, heißt es weiter.

Neue Corona-Studie zeigt: Reinfektionen bringen erhebliches Gesundheitsrisiko

„Unsere Forschung hat eindeutig gezeigt, dass eine zweite, dritte oder vierte Infektion zu zusätzlichen Gesundheitsrisiken in der akuten Phase, das heißt in den ersten 30 Tagen nach der Infektion, und in den Monaten danach führt“, betont der klinische Epidemiologe Ziyad Al-Aly, ein Mitautor der Studie. Die Forschenden fanden in ihrer Studie auch heraus, dass das Gesundheitsrisiko mit jeder Corona-Infektion ansteigt. „Das bedeutet, wenn man zwei Covid-19-Infektionen hatte, sollte man die dritte besser vermeiden“, erklärt Al-Aly in einer Mitteilung seiner Universität und fährt fort: „Wenn man bereits dreimal infiziert war, ist es am besten, die vierte Infektion zu verhindern.“

Corona-Reinfektion verdoppelt das Sterberisiko

Für die Studie analysierten die Forschenden um Al-Aly eine Gesundheitsdatenbank des Kriegsveteranen-Ministeriums der USA. Das Forschungsteam arbeitete mit 5,8 Millionen medizinischen Akten, in denen Patientinnen und Patienten verschiedenen Alters, Geschlechts und unterschiedlicher Herkunft vertreten waren. 5,3 Millionen der Patient:innen wurden im Zeitraum vom 1. März 2020 bis 16. April 2022 nicht positiv auf das Coronavirus getestet – sie bildeten die Kontrollgruppe der Studie. Die Gruppe, um die es in der Studie eigentlich ging, umfasste mehr als 443.000 Personen, die in diesem Zeitraum eine Corona-Infektion hatten, sowie fast 41.000 Personen, bei denen zwei bis vier Infektionen dokumentiert waren. Die Studie, die im Fachjournal Nature Medicine veröffentlicht wurde, deckt die Varianten Delta, Omikron und BA.5 ab.

Mithilfe statistischer Modelle ermittelte das Forschungsteam, wie sich das allgemeine Gesundheitsrisiko der Infizierten innerhalb der ersten 30 Tage nach der Infektion verändert, außerdem blickten die Forschenden auch auf die ersten sechs Monate nach der Infektion.

Die Ergebnisse der Studie lesen sich erschreckend: Insgesamt hätten Menschen mit einer Corona-Reinfektion ein doppelt so hohes Sterberisiko und eine dreimal so hohe Wahrscheinlichkeit für einen Krankenhausaufenthalt wie Personen ohne Reinfektion. Darüber hinaus soll den Forschenden zufolge die Wahrscheinlichkeit dreieinhalbmal höher sein, dass Menschen mit einer wiederholten Infektion Lungenprobleme entwickeln. Herzprobleme sind bei mehreren Corona-Reinfektionen demnach dreimal wahrscheinlicher als bei Menschen ohne Corona-Infektion. Bei der zweiten Corona-Infektion seien sie 1,6 Mal höher als bei Patient:innen, die sich nur einmal infiziert hatten.

Corona-Studie: Experte empfiehlt Masken und Impfungen gegen Reinfektion

„Unsere Ergebnisse haben weitreichende Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit, da sie uns sagen, dass Strategien zur Verhinderung oder Verringerung des Risikos einer Reinfektion umgesetzt werden sollten“, betont Studienautor Al-Aly. „Mit Blick auf die Wintersaison sollten sich die Menschen der Risiken bewusst sein und Wachsamkeit üben, um ihr Risiko einer Infektion oder Reinfektion mit Sars-CoV-2 zu verringern.“

In den vergangenen Monaten habe es ein „Gefühl der Unbesiegbarkeit“ bei Personen gegeben, die eine Infektion durchgemacht hätten und geimpft seien, erinnert sich Al-Aly. „Einige Leute begannen, im Zusammenhang mit diesen Leuten von einer Superimmunität zu sprechen.“ Das Forschungsteam empfiehlt jedoch, sich nicht auf eine vermeintliche Superimmunität zu verlassen, sondern Reinfektionen wo immer möglich zu vermeiden – beispielsweise durch das Tragen von Masken, aber auch durch Corona-Booster-Impfungen. Al-Aly empfiehlt außerdem eine Grippe-Impfung: „Wir müssen wirklich unser Bestes geben, um die Chance zu verhindern, dass wir eine Twindemie aus Corona und der Grippe in diesem Winter bekommen“, so der Forscher. (tab)

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