Pandemie

Vierte Corona-Impfung: Was für den zweiten Booster spricht – und was dagegen

Spritzen zur Corona-Impfung
+
Welchen Nutzen hätte eine vierte Corona-Impfung? (Symbolbild)

Israel macht es vor, in Deutschland wird noch über den Nutzen einer vierten Corona-Impfung diskutiert. Viele Fachleute zeigen sich skeptisch.

Frankfurt – Die ersten Impfungen gegen Corona* in Deutschland liegen etwas mehr als ein Jahr zurück. Heute wird bereits über den vierten Pieks diskutiert. Denn: mit der Zeit nimmt der Impfschutz allmählich ab. Deutschland steckt derzeit mitten in der ersten Booster-Kampagne. Doch in Israel* haben die Viertimpfungen bereits begonnen.

Personen über 60 Jahre, medizinisches Personal sowie Immungeschwächte können davon Gebrauch machen. Die Voraussetzung: Nach der dritten Impfung müssen mindestens vier Monate vergangen sein. Ist eine vierte Corona-Impfung nötig? Gesundheitsminister Karl Lauterbach* sagte in der ARD-Sendung* „Hart aber fair“, dass eine vierte Impfung wahrscheinlich vor allem für die älteren Menschen in Deutschland notwendig werde. Allerdings fehle es noch an zuverlässigen Studiendaten. Was ist derzeit zur vierten Corona-Impfung bekannt?

Vierte Corona-Impfung: Hilft ein zweiter Booster?

Nach der dritten Impfung steigt der Antikörperschutz merklich. Doch auch beim Booster nimmt dieser Schutz mit der Zeit ab. Das Risiko, sich zu infizieren, steigt wieder. Das muss allerdings nicht unbedingt bedeuten, dass auch der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen abnimmt. Die Vorsitzende des Ärzteverbands Marburger Bund, Susanne Johna, erklärte gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), dass der Antikörperschutz etwa drei Monate nach der Booster-Impfung wieder abnimmt.

Bei manchen Menschen in Deutschland liegt eine Booster-Impfung bereits drei Monate zurück. Eine vierte Impfung würde dann infrage kommen. Doch kann eine vierte Impfung mit den gleichen Corona-Impfstoffen*, die schon seit mehr als einem Jahr zugelassen sind, Schutz bieten? An die sich in Deutschland zunehmend ausbreitende Corona-Varianten Omikron sind sie nämlich nicht angepasst.

Eine erste Studie aus Israel zur vierten Corona-Impfung lieferte eher enttäuschende Ergebnisse. Studienleiterin Gili Regev teilte mit, dass man zwar einen bestimmten Anstieg der Antikörper sehe, dieser Anstieg sei aber „nicht sehr beeindruckend“. Das Problem sei, dass die Corona-Antikörper kurz nach der vierten Impfung wieder auf denselben Stand sinken würden, wie nach dem ersten Booster, also der dritten Impfung. Sich alle vier Monate impfen zu lassen, könne nicht das Ziel sein. Für immungeschwächte und ältere Personen sei das zunächst gut, doch Regev sei sich „wirklich nicht sicher, ob man [die vierte Impfung] nun allen geben sollte“. Man brauche noch mehr Informationen.

In einer Analyse mehrerer Studien im Fachmagazin The BMJ sagte die Fachärztin für Transplantationsnephrologie Michelle Willicombe vom Imperial College in London, dass vor allem immunsupprimierte Menschen nach drei Impfdosen keine oder eine nicht ausreichende Immunreaktion gegen das Coronavirus zeigten – im Vergleich zu gesunden Menschen. Die Betroffenen würden daher eine vierte Dosis brauchen, um überhaupt eine nachweisbare Immunreaktion zu erhalten, sagte sie.

Vierte Corona-Impfung: „Viel hilft nicht immer viel“

Auch die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek äußerte sich zur vierten Corona-Impfung. Im NDR-Podcast „Coronavirus Update“ drückte sie ihre Zweifel an einer schnellen und flächendeckenden vierten Impfung für alle Menschen in Deutschland aus. „Viel hilft nicht immer viel“, sagte die Virologin. Zunächst müssten besonders Gefährdete mit einem zweiten Booster geschützt werden, also immungeschwächte Personen oder diejenigen, die berufsbedingt im Kontakt zu Covid-19-Patientinnen und -Patienten stehen. Eine vierte Impfung müsse bei diesen Personen zunächst untersucht werden. Bei jüngeren und gesunden Menschen sei es hingegen vorstellbar, dass kein regelmäßiger Booster mehr nötig sei, sagt Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie. Es sei denn, das Coronavirus verändere sich gravierend.

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz sowie Weltärzte­bund-Vorsitzender Frank Ulrich Montgomery sprechen sich für eine vierte Corona-Impfung aus. Montgomery sagte dem RND im Dezember, dass „die Corona-Impfung regelmäßig aufgefrischt werden muss“ – und zwar „unabhängig von Omikron“. Brysch forderte ein flächendeckendes Angebot zur vierten Impfung, für alle Menschen in Deutschland, bis zum Sommer.

Corona: Schützt eine vierte Impfung auch vor Omikron?

Auch weil die Frage der Schutzwirkung mit Hinblick auf die Omikron-Variante noch nicht geklärt ist, zeigen sich viele Forschende eher skeptisch, was die vierte Corona-Impfung angeht. Vieles deutet darauf hin, dass der Booster auch gegen Omikron einen besseren Schutz vor einem schweren Verlauf mit Covid-19 bietet. Allerdings fällt die Wirkung nach ersten Erkenntnissen schlechter aus als bei früheren Virusvarianten, wie etwa Delta.

Christian Karagiannidis, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) und Mitglied des Corona-Expertenrats der Bundesregierung*, rät zu diesem Zeitpunkt noch davon ab, eine vierte Impfung anzubieten. Er plädiert dafür, auf einen angepassten Impfstoff zu warten. Das sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Unter anderem das Unternehmen Biontech arbeitet bereits an einem solchen Vakzin. Deutschland hat bereits 80 Millionen solcher Dosen bestellt, die im April oder Mai kommen sollen, teilte Gesundheitsminister Lauterbach mit. Auch das neue Vakzin von Moderna* werde man beschaffen. Dieses soll ebenfalls im Frühjahr erscheinen.

Zunächst wartet man hierzulande auf weitere Studienergebnisse: Erkenntnisse dazu, wie lange der Schutz durch den ersten Booster anhält und ob eine vierte Impfung effektiver gegen Omikron schützen würde. (lrg) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.