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Forscher entschlüsseln DNA von Mann, der vor fast 2.000 Jahren beim Ausbruch des Vesuv getötet wurde

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Von: Niklas Hecht

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Forscher haben das Genom eines Opfers des Vulkanausbruchs in Pompeji entschlüsselt. Es gibt überraschende Einblicke in die genetische Vielfalt im alten Rom.

Rom - Italienischen Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen, das Erbgut eines Menschen zu entschlüsseln, der vor fast 2000 Jahren im antiken Pompeji beim Ausbruch des Vesuv ums Leben gekommen ist. Die Forschergruppe um Gabriele Scorrano von der Universität Tor Vergata in Rom fand heraus, dass der Mann vermutlich von Sardinien stammte und seine Vorfahren über das Gebiet des heutigen Irans und über Anatolien nach Europa gelangten. Außerdem litt er sehr wahrscheinlich an Tuberkulose der Wirbelsäule, schreiben die Forscher im Fachjournal „Scientific Reports“.

Der Grund für die erstmals geglückte Entschlüsselung des Erbgutes eines pompejanischen Vulkanopfers war die außergewöhnlich gut erhaltene DNA, die Scorrano und Kollegen im Schädel des Toten fanden. Das Forscherteam untersuchte insgesamt zwei Skelette, die beide aus einem von 1914 bis 1933 ausgegrabenen Haus stammen. Doch nur die Überreste des etwa 35 bis 40 Jahre alten Mannes lieferten genug Erbgut für eine Analyse. In dem anderen Skelett, dem einer über 50 Jahre alten Frau, war dagegen zu wenig Erbgut enthalten.

Vulkanausbruch sorgte für den Untergang des antiken Pompejis

Mit der DNA konnten die Forscher 41 Prozent des Erbgutes des Mannes rekonstruieren und stießen dabei sowohl bei den mütterlicherseits als auch bei den väterlicherseits vererbten Gensätzen auf Merkmale, die typischerweise bei Bewohnern der Insel Sardinien zu finden sind. Anschließend verglich die Arbeitsgruppe das rekonstruierte Erbgut mit antiken und modernen Genomen. Die Analyse ergab, dass der Mann zu 30,5 Prozent Gene aus der iranischen Jungsteinzeit und zu 51,6 Prozent Gene aus der anatolischen Jungsteinzeit in sich trug. Damit deutet das Ergebnis auf eine hohe genetische Vielfalt im antiken Pompeji und im gesamten römischen Italien hin.

Zwei Skelette in Pompeji nach dem Ausbruch des Vesuvs in einem Haus.
Zwei Skelette wurden in Pompeji in der „Casa del Fabbro“ (dt.: „Haus des Handwerkers“) gefunden. © Notizie degli Scavi di Antichità, 1934, p. 286, fig. 10./dpa

Neben dem Erbgut nahm die Forschergruppe auch die Knochen des Mannes näher unter die Lupe. An zwei Lendenwirbeln entdeckten die Wissenschaftler Veränderungen, die auf eine Tuberkulose der Wirbelsäule hindeuteten. Daraufhin fanden sie im Erbgut auch Hinweise auf Mykobakterien, die gemeinhin als Krankheitserreger für Tuberkulose gelten. Damit sei die Wahrscheinlichkeit groß, dass der Mann eine Tuberkulose der Wirbelsäule hatte, folgert die Gruppe.

Forscher erhoffen sich weitere Erbgut-Entschlüsselungen

Scorrano verspricht sich von der Untersuchung, mehr über das soziale Gefüge Pompejis herauszufinden und in Zukunft weiteres verloren gegangenes Erbgut entschlüsseln zu können. Pompeji sei für genetische Untersuchungen besonders interessant, erklärte der Forscher gegenüber dem Portal science.ORF.at. „Wir haben die Möglichkeit, in Pompeji einen Einblick in ein bestimmtes Zeitfenster der menschlichen Geschichte zu bekommen, da wir genau wissen, wann der Vesuv ausgebrochen ist.“

Pompeji ist eine der bekanntesten Ausgrabungsstätten der Welt. Die römische Stadt war im Jahr 79 n. Chr. beim Ausbruch des Vesuv verschüttet worden. Die Gebäude und menschlichen Überreste wurden in den vergangenen knapp 2000 Jahren von Vulkanasche geschützt, sodass sie teilweise auch heute noch gut erhalten sind.

Auch heute brechen immer wieder Vulkane aus

Vulkanausbrüche, wie der des Vesuv, sind auch heute keine Seltenheit. So führte der Ausbruch des Untersee-Vulkans Hunga-Tonga-Hunga-Ha‘apai in der Südsee Anfang des Jahres dazu, dass sich die Insel Tonga in eine „Mondlandschaft“ verwandelte. Bereits vergangenes Jahr hatte ein Vulkanausbruch auf der Kanareninsel La Palma zu einer beispiellosen Katastrophe geführt. Die Eruption dauerte insgesamt mehr als 85 Tage an. Und auch Deutschland ist nicht gänzlich gefeit vor einem Vulkanausbruch. US-Forscher stellten vergangenes Jahr vermehrte Aktivitäten eines vulkanischen Systems in der Eifel fest.

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