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Chinesische Rakete stürzt unkontrolliert auf Erde ab – Rest landet bei Philippinen

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Von: Tanja Banner, Lucas Maier

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Erneut lässt China die erste Stufe einer großen Trägerrakete unkontrolliert abstürzen. Die Prognosen haben sich bewahrheitet, sie lagen nur wenige Minuten neben dem tatsächlichen Zeitpunkt. 

Update vom Sonntag, 31. Juli, 14.10 Uhr: China hat den Wiedereintritt der Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ bestätigt, wie die dpa schreibt. Den Angaben aus Peking zufolge ist der „größte Teil“ der letzten Stufe der chinesischen Weltraumrakete beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglüht. Der Rest sei östlich der philippinischen Insel Palawan in die Sulusee gestürzt, heißt es von der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Rakete aus China: Peking bestätigt Eintritt

Zuvor hatte bereits die US-Armee den Wiedereintritt bestätigt. Bill Nelson, Chef der US-Weltraumbehörde Nasa, hatte im Vorfeld Kritik an China geübt, da kaum Informationen zur Verfügung gestellt wurden, beispielsweise zur Flugbahn der Rakete. Das sei unverantwortlich und riskant.

„Alle Raumfahrtnationen sollten sich an bewährte Praktiken halten und ihren Teil dazu beitragen, diese Art von Informationen im Voraus weiterzugeben“, schrieb er auf Twitter. Über mögliche Trümmerteile und den Ort des Aufpralls müsse die chinesische Regierung informieren. Auf Twitter kursierten bereits am Samstagabend zahlreiche Videos von mutmaßlichen verglühenden Trümmerteilen

Chinesische Rakete rast unkontrolliert Richtung Erde: Videos auf Twitter sollen Absturz zeigen

+++ 19.30 Uhr: Videos, die auf dem Kurznachrichtendienst Twitter online gestellt wurden, sollen zeigen, wie die chinesische Raketenstufe vom Typ „Langer Marsch 5B“ im Bereich des Indischen Ozeans in die Erdoberfläche eingetreten und beim Absturz in Richtung Erdoberfläche verglüht ist. Wie ein Twitter-Nutzer schreibt, sollen die Überreste der Trägerrakete etwa vom südasiatischen Inselstaat Borneo zu sehen gewesen sein.

Eine offizielle Bestätigung, etwa von der Plattform Space-Track.org gibt es noch nicht. Allerdings stimmen die ungefähre Zeit sowie der Ermittelte Eintrittsort über dem indischen Ozean mit den Daten der Videoaufnahmen überein.

+++ 18.35 Uhr: Laut neuer Daten könnte die Rakete gegen 19.08 Uhr MESZ (plus/minus eine Stunde) einschlagen. Nach den vorläufigen Berechnungen landet das Objekt weiterhin irgendwo im nördlichen Pazifik.

+++ 13.40 Uhr: Die Prognose wird präziser. Erwartet wird der Einschlag der Raketenstufe jetzt um 19.15 Uhr MESZ (plus/minus eine Stunde). Nach den vorläufigen Berechnungen landet das Objekt irgendwo im nördlichen Pazifik. Es ist jedoch noch zu früh, eine präzise Vorhersage zu machen.

Update vom Samstag, 30. Juli, 07.40 Uhr: Die aktuelle Prognose ist jetzt, dass der Absturzzeitpunkt der chinesischen Raketenstufe am heutigen Samstag (30. Juni) gegen 20 MESZ Uhr sein wird. Allerdings beträgt die mögliche Abweichung noch immer plus/minus fünf Stunden.

Chinesische Rakete stürzt auf die Erde: Einschlag am Samstag erwartet

+++ 16.25 Uhr: Nun gibt es eine neue Vorhersage für den Zeitpunkt, an dem die chinesische Raketenstufe unkontrolliert auf die Erde abstürzen wird. Die Aerospace Corporation gibt derzeit den 30. Juli 2022, 21.24 Uhr (plus/minus sieben Stunden) als Absturzzeitpunkt an. Wo die Rakete abstürzen wird, kann noch nicht genau vorhergesagt werden. Die Vorhersage wird jedoch genauer, je näher der Absturzzeitraum kommt.

Chinesische Rakete stürzt auf die Erde – Zeitpunkt und Ort noch unklar

Update vom Freitag, 29. Juli, 11.15 Uhr: Noch immer ist nicht ganz klar, wann und wo die chinesische Raketenstufe, die derzeit Richtung Erde stürzt, auf dem blauen Planeten einschlagen wird. Die letzte Berechnung der Aerospace Corporation stammt vom 28. Juli und zeigt, dass die Rakete am 1. August 2022 um 2.24 Uhr (MESZ) plus/minus 16 Stunden in die Erdatmosphäre eintreten dürfte. Bei einem derart großen Zeitfenster ist es den Fachleuten noch nicht möglich, den genauen Einschlagsort zu bestimmen.

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Doch wie groß ist das Risiko, von einem Raketenteil, das nicht in der Erdatmosphäre verglüht ist, getroffen zu werden? Fünf bis neun Tonnen Schrott von der 22,5 Tonnen schweren Rakete sollen Berechnungen zufolge den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre überstehen und zur Erde fallen. Die Chance, davon getroffen zu werden, ist minimal – schließlich ist ein großer Teil der Erde von Wasser bedeckt, außerdem gibt es viele Regionen, die nur sehr dünn besiedelt sind. Es gibt eine „99,5-prozentige Chance, dass nichts passieren wird“, betonte Ted Muelhaupt, ein Angestellter der Aerospace Corporation in einer Diskussionsrunde, die auf Twitter zu verfolgen war. „Wenn mir so etwas auf den Kopf fallen würde, würde ich mit einer Kamera nach draußen rennen, um es zu beobachten, denn ich denke, es wäre eher eine visuelle Gelegenheit als ein tatsächliches Risiko“, fügte er hinzu.

Absturz einer chinesischen Raketenstufe: „Weniger schwerwiegend als ein Marschflugkörper“

Die Bruchstücke der Rakete, die tatsächlich auf der Erde ankommen, dürften noch mehrere hundert Kilometer pro Stunde schnell sein, wenn sie den Boden oder das Wasser treffen. „Der schlimmste Fall dieses Ereignisses wird weniger schwerwiegend sein als ein einzelner Marschflugkörper, den wir jeden Tag im Ukraine-Krieg sehen, also lassen Sie uns das in eine gewisse Perspektive setzen“, zitiert das Portal Space.com den Astrophysiker und Satelliten-Beobachter Jonathan McDowell.

Am 24. Juli 2022 ist die chinesische Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ mit dem Modul „Wentian“ gestartet. Rund um den 31. Juli 2022 soll die Rakete unkontrolliert auf die Erde stürzen, schätzen Fachleute.
Am 24. Juli 2022 ist die chinesische Rakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ mit dem Modul „Wentian“ gestartet.  © dpa/Xinhua/AP/Li Gang

Rakete aus China stürzt unkontrolliert Richtung Erde

Erstmeldung vom Donnerstag, 28. Juli, 17.00 Uhr: Kassel – Zum dritten Mal hat China eine schwere Trägerrakete vom Typ „Langer Marsch 5B“ gestartet und zum dritten Mal erwarten Fachleute, dass die erste Stufe der Rakete (der sogenannte „Booster“) in Kürze unkontrolliert auf die Erde stürzen wird. Gestartet ist die Rakete am Sonntag (24. Juli), sie beförderte das Modul „Wentian“ zur im Bau befindlichen chinesischen Raumstation. Dort dockte „Wentian“ erfolgreich an das „Tianhe“-Modul der Raumstation an, das die Erde bereits seit April 2021 umkreist. „Tianhe“ wurde ebenfalls von einer „Langer Marsch 5B“-Rakete ins All gebracht – rund zehn Tage nach dem Start fiel die Raketenstufe unkontrolliert zur Erde zurück und stürzte in den Indischen Ozean.

Der dritte unkontrollierte chinesische Raketenabsturz innerhalb von drei Jahren sorgt nun wieder dafür, dass die Raumfahrt-Branche in Alarmbereitschaft ist – schließlich stürzt nicht alle Tage eine Rakete mit einem Gewicht von etwa 22,5 Tonnen zur Erde. Das Space Surveillance Network (SSN) der US-Space-Force hat den chinesischen Weltraumschrott im Blick und liefert Daten zur Flugbahn, die von Unternehmen wie der Aerospace Corporation ausgewertet werden. Das Center for Orbital Reentry and Debris Studies (CORDS) der Aerospace Corporation hat die Daten analysiert und geht derzeit davon aus, dass die chinesische Raketenstufe am 1. August 2022 um 2:24 Uhr (MESZ) plus/minus 16 Stunden in die Erdatmosphäre eintreten wird.

Chinesische Rakete vor unkontrolliertem Absturz: Noch ist unklar, wo sie abstürzt

Je näher das Absturzdatum kommt, desto genauer wird die Absturzvorhersage sein. Derzeit können die Fachleute noch nicht vorhersagen, wo die Rakete abstürzen wird. Allerdings können die Expertinnen und Experten einige Bereiche bereits ausschließen: Basierend auf der Umlaufbahn der chinesischen Rakete wird sie in einem Bereich zwischen 41 Grad Nord und 41 Grad Süd herunterkommen. Wegen ihrer Größe werden nicht alle Teile in der Erdatmosphäre verglühen, ein Teil wird also die Erde – oder im Idealfall das Meer – treffen.

MissionAbsturzdatum und -ort
Test eines wiederverwendbaren Raumschiffsetwa 11./12. Mai 2020, Elfenbeinküste
Start des Tianhe-Moduls der chinesischen Raumstation9. Mai 2021, Indischer Ozean
Start des Wentian-Moduls der chinesischen Raumstationerwartet: 31. Juli 2022, Ort noch unbekannt

Unkontrolliert abstürzende chinesische Rakete: Fünf bis neun Tonnen stürzen auf die Erde

Die CORDS-Fachleute schreiben: „Aufgrund des unkontrollierten Abstiegs ist die Wahrscheinlichkeit, dass die restlichen Trümmer in einem bewohnten Gebiet landen, nicht gleich null – mehr als 88 Prozent der Weltbevölkerung leben im potenziellen Trümmerfeld des Wiedereintritts.“ Die Expertinnen und Experten gehen von der Faustregel aus, dass 20 bis 40 Prozent der Masse den Boden erreichen wird. Im Fall der chinesischen Rakete rechnen sie mit Trümmern, die etwa fünf bis neun Tonnen schwer sind.

Dabei dürfte es sich um kleine und mittlere Tanks sowie große Triebwerkskomponenten handeln, die den Eintritt in die Erdatmosphäre „mehr oder weniger unversehrt überleben“, erklären CORDS-Fachleute auf ihrer Website. Unter anderem die Außenhaut der Kernstufe sollte sich lösen und auch leichte Teile wie die Isolierung sollten herausfallen, heißt es weiter. „Der Schmelzpunkt der verwendeten Materialien wird den Unterschied ausmachen, was übrig bleibt.“

Unkontrollierter Absturz einer Rakete: Forschende rechnen mit Todesfällen in Zukunft

Bei den bisherigen zwei unkontrollierten chinesischen Raketenabstürzen wurden keine Menschen verletzt. Beim Absturz im Jahr 2020 sollen jedoch bis zu zwölf Meter lange Schrottteile Schäden in zwei Ortschaften an der Elfenbeinküste verursacht haben. Menschen kamen auch hierbei glücklicherweise nicht zu Schaden. Fachleute gehen jedoch in einer neuen Studie davon aus, dass es eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent gibt, dass in den nächsten zehn Jahren einer oder mehrere Menschen durch abstürzenden Weltraumschrott zu Tode kommen.

Die meisten Raketen kommen kontrolliert zur Erde zurück

Die meisten Raketen, die Fracht in den Erdorbit transportieren, sind so konstruiert, dass die erste Stufe kurz nach dem Start zurück Richtung Erde fällt. Dabei wird sie entweder so kontrolliert, dass sie ins Meer stürzt, oder sie landet – wie bei SpaceX – vertikal auf der Erde oder einem Schiff, um später wiederverwendet zu werden. Anders dagegen die chinesischen Raketen vom Typ „Langer Marsch 5B“: Hier fliegt die erste Stufe mit der Fracht in den Erdorbit, um einige Tage später unkontrolliert abzustürzen.

Das kommt in der Branche naturgemäß nicht bei jedem gut an. Nach dem chinesischen Raketenabsturz im Jahr 2021 kritisierte der Nasa-Chef Bill Nelson China: „Raumfahrtnationen müssen die Risiken für Menschen und Eigentum auf der Erde durch den Wiedereintritt von Weltraumobjekten minimieren und die Transparenz dieser Operationen maximieren“, schrieb Nelson damals in einer Erklärung und fügte hinzu: „Es ist klar, dass China im Umgang mit seinem Weltraummüll keine verantwortungsvollen Standards einhält. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass China und alle Raumfahrtnationen und kommerziellen Unternehmen im Weltraum verantwortungsbewusst und transparent handeln, um die Sicherheit, Stabilität, Gefahrenabwehr und langfristige Nachhaltigkeit der Weltraumaktivitäten zu gewährleisten.“

Raumfahrt: China ließ Raumstationen abstürzen

Neben den bisher zwei unkontrollierten chinesischen Raketenabstürzen ließ China in den Jahren 2018 und 2019 die Raumstationen „Tiangong 1“ und „Tiangong 2“ abstürzen. Sie verglühten teilweise, die Reste landeten im Südpazifik. Eine weitere chinesische Raketenstufe sorgte für Aufsehen, weil sie vor einigen Monaten auf den Mond gestürzt ist und dort gleich zwei Krater geschlagen hat, wie eine Nasa-Aufnahme zeigt. Allerdings ist China nicht allein: Auch andere Nationen lassen Raumstationen oder Raumschiffe abstürzen – meist handelt es sich jedoch um kontrollierte Wiedereintritte in die Erdatmosphäre, die den Weltraumschrott im „Raumschiff-Friedhof“ abstürzen lassen. In dieser Region im Südpazifik will die US-Raumfahrtorganisation Nasa auch die Internationale Raumstation ISS entsorgen, wenn ihr Ende gekommen ist.

Im Herbst 2022 könnte bereits der nächste unkontrollierte chinesische Absturz bevorstehen: Die im Aufbau befindliche chinesische Raumstation soll letztendlich aus drei Modulen bestehen – und Modul Nummer drei soll im Herbst mit einer weiteren „Langer Marsch 5B“-Rakete auf den Weg gebracht werden. Der anschließende unkontrollierte Absturz dürfte unausweichlich sein. (Tanja Banner)

Die aktuellste Vorhersage erwartet den Absturz am 30. Juli 2022, 21.24 Uhr (plus/minus 7 Stunden)

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