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Fast 3000 Jahre alte Höhlenbilder entdeckt

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Ein US-amerikanisches Forschungsteam hat in einer unterirdischen Höhle im Südosten der USA einige der größten Felsbilder Nordamerikas gefunden.

Tennessee – Eine Gruppe von Forscher und Forscherinnen hat in den USA einen erstaunlichen Fund gemacht: Im US-Bundesstaat Alabama entdeckten das archäologische Team hunderte unterirdische Felsbilder, die teils fast 3000 Jahre alt sein sollen. Ihre Ergebnisse teilte das Team um Jan Simek von der University of Tennessee nun in ihrer wissenschaftlichen Arbeit, die von der Cambridge Universität veröffentlicht wurde.

Unter den Gemälden in der sogenannten „19. unbenannten Höhle“ sollen einige der größten Höhlenbilder sein, die je in Nordamerika entdeckt wurden. Über eine Fläche von mehr als 400 Quadratmeter zeigen die Felswände abstrakte Motive, Tiere und andere Figuren aus der präkolumbischen Zeit – also lange vor der Zeit, als Christoph Kolumbus 1492 Amerika besiedelte. Dem Forschungsbericht zufolge sollen die Bilder im Zeitraum zwischen 133 und 949 v. Chr. entstanden sein.

Höhlenbild in den USA: Computer-Programm ermöglicht Gemälde im Ganzen zu sehen

Besonders bemerkenswert: In einigen der Höhlengänge, in denen die Gemälde entdeckt wurden, soll die Decke gerade einmal 60 Zentimeter hoch gewesen sein. So konnten einige der Motive nur im Liegen von den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen gesehen werden. Erst eine Fotogrammetrie enthüllte den gesamten Umfang der Gemälde. Bei dieser Messmethode werden einzelne Fotografien ausgewertet und dann von 2D-Daten zu einem 3D-Modell umgewandelt. Erst dadurch wurden einige der Motive aufgedeckt, die für das bloße Auge unsichtbar geblieben wären.

In der „19. unbenannten Höhle“ sollen demnach mehr als 16.000 sich überlappende Bildaufnahmen per Computerprogramm zum Gesamtbild zusammengeführt worden sein. Die virtuell erstellte Darstellung ist das erste Gesamtbild der Felsmalerei der rund drei Kilometer unter der Erdoberfläche liegenden Höhle. Erstmals wurden dort 1979 Wandgemälde gefunden. In 2017 startete das Team um Jan Simek die 3D-Arbeiten daran.

Höhlenbilder zeigen abstrakte Motive von menschenähnlichen Figuren und riesiger Schlange

Zu den Motiven, die das Forschungsteam durch das 3D-Modell der Höhle enthüllt haben, zählt auch eine rund 3,40 Meter lange Schlange mit rundem Kopf und einem diamantförmigen Muster auf dem Rücken; das bislang größte Motiv der Wandbilder. „Die Glyphe, die in die Sedimentschicht der Wand eingeritzt wurde, grenzt an einen natürlichen Riss in der Decke, der ihre Länge zu vergrößern scheint und darauf hindeutet, dass die Schlange aus dem Felsen auftaucht“, heißt es in dem Forschungsbericht. Man gehe davon aus, dass das Motiv der Diamant-Klapperschlange angelehnt ist; eine von den indigenen Völkern im Südosten Nordamerikas verehrtes Tier, das bereits ausgestorben ist.

In einer Höhlenwand im US-Bundesstaat Utah sind menschen- und tierähnliche Figuren geritzt worden. Ein Forscherteam der University of Tennessee hat nun ähnliche Motive in Alabama entdeckt, die zum bislang größten Höhlengemälde angehören.
Die nun entdeckten Wandgemälde der „19. unbekannten Höhle“ (Alabama) zeigen ähnlich wie bei diesen Motiven in Utah menschenähnliche und Tiergestalten aus der prähistorischen Zeit. © Richard Maschmeyer/Imago

Neben der Schlangen-Glyphe waren auf den Aufnahmen Motive menschenähnlicher Gestalten zu erkennen. Die mitunter 1,80 Meter großen Figuren hatten eckige Köpfe und Körper und waren per Längs- oder Querlinien ausgemalt. Was genau diese Motive darstellen, wissen Jan Simek und Co. nicht. „Diese anthropomorphen Figuren entsprechen keinem der ethnografisch dokumentierten Charaktere aus den Geschichten der Ureinwohner des Südostens und auch nicht den ikonografischen Materialien aus archäologischen Funden“, heißt es im Bericht der Fachleute. Aufgrund einiger übereinstimmenden Merkmale zu anderen Felsbilder gehen sie aber davon aus, dass die Gemälde aus der „19. unbekannten Höhle“ religiösen Ursprung hatten.

Immer wieder kommt es bei archäologischen Ausgrabungen zu bemerkenswerte Entdeckungen: Vor knapp zwei Wochen fand ein Forschungsteam in der Türkei die wohl größte unterirdische Stadt der Welt, nachdem Anfang letzten Jahres bereits eine andere Gruppe eine komplette römische Stadt aus der Antike freigelegt hatte. (rku)

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