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Mysteriöse Hepatitis-Fälle bei Kindern: Forschende entdecken mögliche Ursache

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Von: Tanja Banner

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In Großbritannien gibt es eine Häufung von unerklärten Hepatitis-Fällen bei Kindern. (Symbolbild)
Forschende kommen den mysteriösen Hepatitis-Fällen bei Kindern auf die Spur. (Symbolbild) © Imago

Mehr als 1000 Kinder weltweit erkranken an einer ungeklärten Hepatitis-Infektion. Nun kommen Forschende dem Auslöser auf die Spur – es ist nicht Corona.

London – Anfang April sind sie erstmals aufgetreten: mysteriöse Fälle einer Hepatitis-Erkrankung bei Kindern, bei denen keinerlei Hepatitis-Viren nachgewiesen werden konnten. Am 12. Juli meldete die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die aktuellsten Zahlen: Weltweit gab es bis zu diesem Zeitpunkt 1010 Fälle in 35 Ländern, 22 der betroffenen Kinder starben. Forschende in zahlreichen Ländern versuchten herauszufinden, weshalb so viele Kinder scheinbar unerklärlich an einer Leberentzündung erkrankten und hatten schnell einen Verdächtigen gefunden: Ein Adenovirus wurde bei zahlreichen der jungen Patientinnen und Patienten gefunden – das Coronavirus Sars-CoV-2 sowie die Corona-Impfung wurden dagegen schnell als Auslöser ausgeschlossen.

Nun ist Forschenden in Großbritannien offenbar ein Durchbruch gelungen: In zwei unabhängigen, noch nicht von Fachleuten überprüften Studien, berichten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass sie in den meisten Blutproben von erkrankten Kindern große Mengen des Adenoassoziierten Virus 2 (AAV2) gefunden haben (Studie 1 auf medRxiv, Studie 2 als PDF). Das Virus kann sich den Angaben zufolge nicht selbst vermehren – es benötigt „Helferviren“. Deshalb gehen die Forschenden davon aus, dass die Kinder neben AAV2 mit einem zweiten Virus infiziert waren, das AAV2 bei der Vermehrung unterstützte. Bei den meisten der jungen Patientinnen und Patienten wurden die Forschenden fündig: Sie fanden ein Adenovirus und ein Herpesvirus, die als „Helferviren“ infrage kommen.

Mysteriöse Hepatitis-Fälle bei Kindern: Zwei Viren und eine Gen-Mutation gefunden

Einen weiteren Fund machten die Forschenden beider Studien in den Genen der meisten Kinder: Sie hatten eine bestimmte Mutation im HLA-System, einer Gen-Gruppe, die für die Funktion des Immunsystems zentral sind. Das HLA-System bestimmt beispielsweise die Reaktion des Körpers auf Krankheitserreger mit. Die Mutation, die bei den Kindern gefunden wurde, kommt in Nordeuropa besonders häufig vor, berichtet das Magazin Science. Elf Prozent der Briten trügen die Mutation in sich und es sei bekannt, dass sie mit einigen Autoimmunkrankheiten in Zusammenhang stehe.

Mögliche Symptome einer Hepatitis:
Übelkeit/Erbrechen
Gelbfärbung der Haut/Augen (Gelbsucht)
Durchfall
Bauchschmerzen
Abgeschlagenheit
Fieber
Appetitlosigkeit

Eine Veränderung in der saisonalen Zirkulation von Viren, die durch die Schutzmaßnahmen in der Corona-Pandemie ausgelöst wurde, könnte einen Anstieg von Co-Infektionen mit AAV2 und einem „Helfervirus“ verursacht haben, die normalerweise eher selten sind, so die Theorie der Forschenden. In einigen Fällen könnten so die bisher unerklärlichen Hepatitis-Infektionen bei Kindern entstanden sein. „Mein Gefühl sagt mir, dass dies wahrscheinlich schon einmal passiert ist. Aber weil es einige Veränderungen in den saisonalen Trends dieser Viren gab, haben wir eine kleine Ansammlung von Fällen auf einmal gesehen, und das ist der Grund, warum wir sie wahrgenommen haben“, erklärt Emma Thomson vom University of Glasgow Centre for Virus Research, die an der Forschung beteiligt war, gegenüber dem Guardian.

Hepatitis-Fälle bei Kindern: Coronavirus spielte wohl nur indirekt eine Rolle

Das Coronavirus Sars-CoV-2 spielte bei der Entwicklung der Hepatitis-Erkrankung bei Kindern dagegen wohl tatsächlich eine untergeordnete Rolle. Allenfalls das Ende der Kontaktbeschränkungen und der damit einhergehende Kontakt mit zahlreichen Viren binnen kurzer Zeit sowie die saisonale Verschiebung des Viren-Aufkommens könnte eine Rolle gespielt haben.

Ob die beiden noch nicht geprüften Studien tatsächlich die Ursache für die Hepatitis bei Kindern gefunden haben, ist noch nicht ganz klar. „Es gibt viele unbeantwortete Fragen und größere Studien werden dringend benötigt, um die Rolle von AAV2 bei Kinder-Hepatitis zu untersuchen“, betont Thomson. Und auch Judy Breuer vom UCL Great Ormond Street Institute of Child Health, die ebenfalls an einer der Studien beteiligt war, stellt fest: „Wir haben noch einige unbeantwortete Fragen, wie genau es zu dem Anstieg an akuter Hepatitis kommen konnte. Wir hoffen aber, dass unsere Ergebnisse besorgte Eltern beruhigen können, da kein Team eine direkte Verbindung zu einer Sars-CoV-2-Infektion gefunden hat.“ (tab)

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