1. Startseite
  2. Wissen

„Hubble“: Weltraumteleskop fotografiert doppelte Galaxie – Was dahinter steckt

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Der Primärspiegel des „Hubble“-Weltraumteleskops ist dagegen nur 2,4 Meter groß. Die Bilder von „Webb“ und „Hubble“ im Vergleich.
Der Primärspiegel des „Hubble“-Weltraumteleskops ist dagegen nur 2,4 Meter groß. Die Bilder von „Webb“ und „Hubble“ im Vergleich. © NASA/dpa

Ein von Einstein vorhergesagter Effekt hilft Forschenden bei der Erforschung des Weltraums. Das „Hubble“-Weltraumteleskop fotografiert ein besonders schönes Beispiel.

Kassel – Auch wenn „James Webb“, der Nachfolger des „Hubble“-Weltraumteleskops im Einsatz ist und bereits erste atemberaubende Bilder und wissenschaftliche Erkenntnisse geliefert hat: Auch „Hubble“ kann noch überraschen und schier unglaubliche Bilder zur Erde schicken. Eine der neuesten veröffentlichten Aufnahmen zeigt ein nahezu unglaubliches Phänomen im Weltall, bei dem sich mancher Betrachter und manche Betrachterin wohl die Augen reiben dürfte: Eine Galaxie ist gleich zweimal auf dem Bild zu sehen – obwohl weit und breit kein Spiegel zu erkennen ist, wird die Galaxie mit dem komplizierten Namen SGAS J143845+145407 offensichtlich gespiegelt.

Wer genau hinschaut, erkennt, dass die Galaxie in der Mitte des Bildes teilweise sogar noch ein drittes Mal zu sehen ist: Die „Original“-Galaxie und ihr Spiegelbild werden von einer weiteren Spiegelung der Galaxie miteinander verbunden. Doch wie kommt dieses äußerst seltsame Phänomen zustande?

Universum: Wie große Massen für andere Objekte zum „Weltraum-Spiegel“ werden

Wie bei vielen anderen Dinge im Weltraum, muss man auch bei diesem Phänomen die Vorhersagen Albert Einsteins hinzuziehen. Einstein beschrieb in seiner Allgemeinen Relativitätstheorie von 1915/16 die sogenannte gravitative Lichtablenkung: Eine große Masse im Weltraum lenkt das Licht einer dahinterliegenden Quelle ab. Das massereiche Objekt – es kann beispielsweise ein Galaxienhaufen, ein schwerer Stern oder ein schwarzes Loch sein – biegt die Raumzeit und sorgt dafür, dass der Weg des Lichts sichtbar um das massereiche Objekt herumgebogen wird – wie bei einer Linse. Deshalb wird dieser Effekt auch „Gravitationslinseneffekt“ genannt. Das massereiche Objekt ist die Gravitationslinse, die die Objekte dahinter beeinflusst.

Im Fall des „Hubble“-Bilds der dreifachen Galaxie wird die Galaxie durch diesen Effekt gespiegelt. Der Gravitationslinseneffekt kann auf Bildern jedoch auch anders aussehen: Hintergrundobjekte können durch eine Gravitationslinse wie ein verzerrter Bogen erscheinen oder sogar ringförmig wirken – auf dem ersten Bild, das vom „James Webb“-Weltraumteleskop veröffentlicht wurde, sieht man zahlreiche dieser verzerrten Bögen. Sie werden durch eine Gravitationslinse sichtbar gemacht

Gravitationslinsen ermöglichen es Forschenden, tief ins Weltall zu schauen

Eine Gravitationslinse ist für Astronominnen und Astronomen ein Glücksfall: Sie ermöglicht es den Forschenden, tief ins Weltall zu schauen. Der physikalische Effekt vergrößert die Objekte nämlich auch und macht so eine bessere Erforschung möglich. Teilweise werden weit entfernte Objekte durch Gravitationslinsen überhaupt erst sichtbar gemacht. In letzter Zeit konnten Forschende mithilfe von Gravitationslinsen beispielsweise den am weitesten entfernten Stern entdecken.

Das „Hubble“-Weltraumteleskop, bei dem die Raumfahrtorganisationen Nasa und Esa kooperieren, kann Gravitationslinsen im Weltall wegen seiner Empfindlichkeit entdecken. Ein weiterer Vorteil des Teleskops: Im Vergleich zu erdgebundenen Teleskopen stört die Erdatmosphäre die Beobachtung nicht. „Hubble“ gilt als das erste Teleskop, das Details von Galaxien abbilden konnte, die durch einen Gravitationslinseneffekt sichtbar wurden. Im Fall der doppelten Galaxie SGAS J143845+145407 können Forschende mithilfe von „Hubble“ die Sternenentstehung in frühen Galaxien erforschen und untersuchen, wie Galaxien sich entwickelt haben. (tab)

Weltraum-Newsletter

Atemberaubende Aufnahmen, seltsame Phänomene, mysteriöse Himmelskörper – wenn Sie sich für diese Themen interessieren, ist unser kostenloser Weltraum-Newsletter das Richtige für Sie. Er hält Sie zweimal im Monat auf dem Laufenden.

Auch interessant

Kommentare