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Nasa präsentiert „tiefste und schärfste Aufnahme des entfernten Universums“

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Von: Tanja Banner

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Das erste Farbbild des „James Webb“-Weltraumteleskops von Nasa, Esa und CSA: Ein „Deep Field“ des Galaxienhaufens SMACS 0723. Dieser agiert als Gravitationslinse und vergrößert die noch weiter entfernten Galaxien, die dahinter liegen (erkennbar an der leichten „Verzerrung“).
Das erste Farbbild des „James Webb“-Weltraumteleskops von Nasa, Esa und CSA: Ein „Deep Field“ des Galaxienclusters SMACS 0723. Dieser agiert als Gravitationslinse und vergrößert die noch weiter entfernten Galaxien, die dahinter liegen (erkennbar an der leichten „Verzerrung“). © NASA, ESA, CSA, and STScI

Vom „James Webb“-Weltraumteleskop wird Großes erwartet. Ein erstes veröffentlichtes Bild zeigt nun, was das Teleskop kann.

Update vom Dienstag, 12. Juli, 17.30 Uhr: Mittlerweile hat die Nasa auch die weiteren vier Bilder des „James Webb“-Weltraumteleskops vorgestellt.

Update vom Dienstag, 12. Juli, 09.00 Uhr: Bereits vor der geplanten Pressekonferenz hat die US-Raumfahrtorganisation Nasa das erste wissenschaftliche Bild des „James Webb“-Weltraumteleskops vorgestellt – beziehungsweise vorstellen lassen. Niemand geringeres als US-Präsident Joe Biden präsentierte das erste Bild, das zeigt, wozu das neue Teleskop imstande ist. Dabei herausgekommen ist laut Nasa-Angaben die „tiefste und schärfste Aufnahme des entfernten Universums“.

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Zu sehen ist ein sogenanntes „Deep Field“, das Weltraumteleskop von Nasa, Esa und CSA blickte dabei mit seiner Nahinfrarot-Kamera NIRcam in eine Region des Weltalls, die bereits der Vorgänger „Hubble“ fotografiert hatte. Das neue Bild ist atemberaubend: Zu sehen sind unzählige Galaxien – und zwar so, wie sie vor 4,6 Milliarden Jahren aussahen. Dazu kommt, dass der Galaxiencluster SMACS 0723 als Gravitationslinse agiert und noch weiter entfernte Galaxien, die dahinter liegen, vergrößert. Dem „Webb“-Weltraumteleskop ist es gelungen, diese weit entfernten Galaxien scharf abzubilden, sogar Strukturen sind darin zu erkennen. In Kürze sollen Forschende mit dem Bild und den dazugehörigen Daten arbeiten können und unter anderem das Alter, die Massen und die Geschichten der abgebildeten Galaxien in Erfahrung bringen.

Nasa veröffentlicht erste Bilder des „James Webb“-Weltraumteleskops

Am Dienstagnachmittag (16.30 Uhr MESZ) will die US-Raumfahrtorganisation weitere Bilder des „James Webb“-Weltraumteleskops veröffentlichen. Geplant waren folgende Ziele:

Nasa will atemberaubende Bilder des „James Webb“-Weltraumteleskops vorstellen

Erstmeldung vom Freitag, 1. Juli, 10.00 Uhr: Washington D.C. – Seit mehr als einem halben Jahr befindet sich das „James Webb“-Weltraumteleskop (JWST) von Nasa, Esa und der kanadischen Raumfahrtorganisation CSA im Weltall. Der riesige Spiegel des Teleskops wurde in einem aufwändigen Prozess aufgeklappt, kalibriert und überprüft. Erste Testbilder wurden aufgenommen und zeigten: Das neue Weltraumteleskop ist bereit, seine „Leistung übertrifft die Spezifikationen“, heißt es bei der US-Raumfahrtorganisation Nasa.

Nun steht die Veröffentlichung der ersten hochaufgelösten, wissenschaftlichen Bilder von „Webb“ kurz bevor. Die Nasa weckt bereits die Vorfreude: das „tiefste Bild, das je von unserem Universum gemacht wurde“ soll am 12. Juli unter anderem veröffentlicht werden, erklärte Nasa-Chef Bill Nelson kürzlich. Was genau auf dem Bild zu sehen sein wird, ist noch nicht bekannt, doch Nelson gab zumindest einen kleinen Ausblick: „Das ist weiter als die Menschheit je zuvor geblickt hat und wir beginnen jetzt erst zu verstehen, was ‚Webb‘ kann und tun wird.“

Nasa/Esa-Weltraumteleskop „James Webb“ soll tief ins Universum blicken

Bisher hält das „Hubble“-Weltraumteleskop den Rekord für den tiefsten Blick hinein ins Weltall: Es fotografierte Galaxien, die einige hundert Millionen Jahre nach dem Urknall (der vor etwa 13,7 Milliarden Jahren stattfand) entstanden sind. Doch „Webb“, das Teleskop, das als „Hubble“-Nachfolger gilt, könnte das noch übertreffen. „Mit diesem Teleskop ist es schwer, keine Rekorde zu brechen“, erklärte jedenfalls der Nasa-Wissenschaftsdirektor Thomas Zurbuchen bei einer Veranstaltung.

Das Bild „Hubble Ultra Deep Field“ von 2014 blickt tief hinein ins Universum. Auf dem Bild sind etwa 10.000 Galaxien zu sehen – die ältesten von ihnen sind eine hundert Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden.
Das Bild „Hubble Ultra Deep Field“ von 2014 blickt tief hinein ins Universum. Auf dem Bild sind etwa 10.000 Galaxien zu sehen – die ältesten von ihnen sind eine hundert Millionen Jahre nach dem Urknall entstanden. © NASA, ESA, H. Teplitz and M. Rafelski (IPAC/Caltech), A. Koekemoer (STScI), R. Windhorst (Arizona State University), and Z. Levay (STScI)

Eines der berühmtesten „Hubble“-Bilder, das „Ultra Deep Field“, zeigt etwa zehntausend Galaxien gleichzeitig. Es blickt tief hinein in das Universum und zeigt sehr alte Galaxien. Dafür wurden jedoch auch „hunderte von Stunden mit dem ‚Hubble‘-Weltraumteleskop, das an einen einzigen Ort im Weltraum gestarrt hat“ benötigt, erklärte Steven Finkelstein, der ein Experiment an Bord von „Webb“ betreut, gegenüber dem Portal Inverse. Bei „Webb“ soll eine solche Aufnahme deutlich schneller gelingen. Das Experiment „Cosmic Evolution Early Release Science“ (CEERS) soll – vermutlich am 12. Juli – ein ähnliches Bild liefern und den Forschenden zeigen, was das neue Weltraumteleskop kann.

„Was ich gesehen habe, hat mich bewegt, als Wissenschaftlerin, als Ingenieurin und als Mensch.“

Pamela Melroy, Astronautin und stellvertretende Nasa-Chefin

Weltraumteleskop „James Webb“: Nasa verspricht beeindruckende Aufnahmen aus dem Weltall

Einige der Aufnahmen, die derzeit für die Veröffentlichung vorbereitet werden, sind offenbar so beeindruckend, dass die stellvertretende Nasa-Chefin Pamela Melroy – eine gestandene Astronautin, die dreimal im Weltall war – hin und weg ist. „Was ich gesehen habe, hat mich bewegt, als Wissenschaftlerin, als Ingenieurin und als Mensch“, erklärte sie bei einer Nasa-Veranstaltung. Und auch Zurbuchen gab sich beinahe emotional, als es um die Aufnahmen ging, die er von „Webb“ schon zu Gesicht bekommen hat. „Es ist wirklich schwer, das Universum nicht in einem neuen Licht zu sehen und nicht einen Moment zu erleben, der sehr persönlich ist“, so Zurbuchen. „Es ist ein emotionaler Moment, wenn man sieht, wie die Natur plötzlich einige ihrer Geheimnisse preisgibt. Und ich möchte, dass Sie sich das vorstellen und sich darauf freuen.“

„Webb“ soll bis weit ins Universum hineinblicken – so weit wie kein Teleskop zuvor. Doch das neue Weltraumteleskop kann noch mehr: Es soll unter anderem Exoplaneten ins Visier nehmen und deren Atmosphären untersuchen. Geplant ist, dass das „Webb“-Teleskop unter anderem zwei Super-Erden ins Visier nehmen soll. Mit dem neuen Teleskop könnte es auch möglich sein, fremde Zivilisationen aufzuspüren – anhand ihrer Luftverschmutzung.

Nasa-Weltraumteleskop blickt im Infrarotlicht ins Universum

Das „James Webb“-Weltraumteleskop wird von der Nasa in Zusammenarbeit mit der europäischen Raumfahrtorganisation Esa und deren kanadischem Pendant CSA betrieben. Es blickt im Infrarotlicht ins Universum und soll die Entstehung des Universums erforschen. Ursprünglich geplant für einen Start im Jahr 2007, wurde es am 25. Dezember 2021 von einer europäischen Ariane-5-Rakete ins Weltall transportiert. Es befindet sich etwa 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt – im Gegensatz zu „Hubble“, das die Erde in einer Höhe von etwa 500 Kilometern umkreist. (tab)

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