1. Startseite
  2. Wissen

Forscher messen kürzesten jemals aufgezeichneten Tag: Deshalb dreht sich die Erde schneller

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Seit einigen Jahren rotiert die Erde schneller, statt langsamer. Nun hat die Wissenschaft den kürzesten Tag seit Beginn der Aufzeichnungen gemessen.

Kassel – Die Himmelskörper im Sonnensystem und ihre Bewegungen zueinander geben den Takt für das Leben auf der Erde vor: Ein Tag dauert 24 Stunden, weil die Erde so lange braucht, um sich einmal um sich selbst zu drehen. 365 Tage ergeben ein Jahr, weil die Erde so lange benötigt, um ein Mal die Sonne zu umrunden. Doch ganz so akkurat ist die Realität nicht: Die Erde benötigt genau 365 Tage, fünf Stunden, 48 Minuten und 46 Sekunden, um die Sonne zu umrunden. Um die Differenz aufzufangen und eine Verschiebung des Kalenders zu verhindern, wird etwa alle vier Jahre ein Schalttag in den Kalender eingefügt.

Ganz ähnlich ist es bei der Länge eines Tages: Die Erde braucht nicht immer genau 24 Stunden (also 86.400 Sekunden), um sich einmal um sich selbst zu drehen. Verschiedene Einflüsse wie Erdbeben, Wetterlagen, Bewegungen im Erdkern oder auch der Mond können die Länge eines Tages unmerklich verlängern oder verkürzen. Es handelt sich dabei um Bruchteile von Sekunden, die keinem Menschen auffallen – einer Atomuhr dagegen schon.

Kürzester jemals gemessener Tag war im Jahr 2022

Am 29. Juni 2022 wurde der kürzeste Tag seit Erfindung der Atomuhr gemessen. Der Tag war 1,59 Millisekunden kürzer als die 86.400 Sekunden, wie der International Earth Rotation and Reference System Service (IERS) mitteilte. Der IERS ist dafür zuständig, die Erdrotation zu messen und zu berechnen. Er gibt außerdem ein halbes Jahr im voraus bekannt, ob eine Schaltsekunde eingefügt werden muss, um die Schwankungen der Erdrotation auszugleichen.

Die Erde rotiert schneller, statt langsamer – womöglich auch wegen des Klimawandels.
Die Erde rotiert schneller, statt langsamer – womöglich auch wegen des Klimawandels. © imago/UPI Photo

Eine solche war jedoch bereits seit einigen Jahren nicht mehr nötig: Seit Dezember 2016 wurde keine Schaltsekunde mehr hinzugefügt, da die Erde sich seitdem offenbar etwas schneller dreht. Der bis dato letzte Rekord wurde im Jahr 2020 gemessen: Der 19. Juli 2020 war 1,46 Millisekunden kürzer als 24 Stunden.

Warum rotiert die Erde plötzlich schneller? Wissenschaft hat Klimawandel im Verdacht

Doch warum dreht sich die Erde plötzlich schneller? Forscherinnen und Forscher vermuten, dass unter anderem der Klimawandel dazu beitragen könnte. Der frühere Direktor des US-Marineobservatoriums, Dennis McCarthy, erklärt die Vermutung gegenüber CNN wie folgt: Die Erde ist etwas breiter als hoch, weil die Gletscher an den Polen die Erdkruste am Nord- und Südpol beschweren. Weil diese Pole jedoch durch den Klimawandel schmelzen, lässt der Druck auf die Ober- und Unterseite des Planeten nach. Die Erdkruste bewege sich dadurch nach oben und mache die Erde runder, so McCarthy. Diese rundere Form helfe der Erde, schneller zu rotieren, da ihre Masse näher am Zentrum sei und dadurch die Rotationsgeschwindigkeit beschleunige.

Bevor die Erde etwa 2016 begann, schneller zu rotieren, war lange Zeit der Mond dafür verantwortlich, dass die Erde sich langsamer drehte – seit 1820 ist das Phänomen dokumentiert. Der Mond bremste die Rotation der Erde alleine durch seine Anwesenheit ab. Wie groß der Einfluss des Mondes über einen langen Zeitraum war, zeigen zwei Zahlen: Vor 70 Millionen Jahren – also etwa zur Zeit der Dinosaurier – dauerte ein Tag 23 Stunden und 31 Minuten, ein Jahr bestand aus 372 Tagen. Im Laufe der Zeit bremste der Mond die Erde ab, sodass sie nun etwa 24 Stunden für eine Umdrehung benötigt. (tab)

Auch interessant

Kommentare