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Leben auf dem Mars? Bakterien könnten unter Oberfläche bis heute überlebt haben

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Von: Tanja Banner

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Forschende suchen nach flüssigem Wasser auf dem Mars. (Symbolbild)
Forschende suchen nach flüssigem Wasser auf dem Mars. (Symbolbild) © imago images/UIG

Eine Studie zeigt, dass ein irdisches Bakterium die unwirtliche Umgebung auf dem Mars für Jahrmillionen überstehen könnte. Weckt das die Chance auf Leben?

Bethesda – Gab es einst Leben auf dem Mars? Ein Forschungsteam aus den USA und Slowenien geht in einer Studie sogar noch weiter: Wenn es einst Leben auf dem Mars gab, dann ist es möglich, dass es heute noch existiert, zeigen die Forschenden anhand eines irdischen Bakteriums, das besonders widerstandsfähig ist. Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, simulierte das Forschungsteam um Michael Daly von der Uniformed Services University of the Health Sciences in Bethesda die Umgebung auf dem Mars und setzte irdische Bakterien diesem unwirtlichen Umfeld aus.

Der Mars ist eiskalt und bei einer Durchschnittstemperatur von -63 Grad Celsius dauerhaft gefroren. Außerdem wird die Oberfläche des roten Planeten dauerhaft von kosmischer und solarer Strahlung bombardiert – kein Umfeld, in dem man sich vorstellen kann, dass sich Leben entwickelt. Erst kürzlich hat ein anderes Forschungsteam die Theorie aufgestellt, dass einst Mikroben auf dem Mars hätten leben können – bis sie einen Klimawandel verursachten, der den roten Planeten kalt und unbewohnbar machte.

„Conan das Bakterium“ könnte auf dem Mars sehr lange überleben

Doch die neue Studie, die im Fachjournal Astrobiology veröffentlicht wurde, zeigt, dass es zumindest auf der Erde ein Bakterium gibt, das die Bedingungen auf dem Mars über viele Jahrmillionen aushalten könnte: Deinococcus radiodurans, wegen seiner Widerstandsfähigkeit auch bekannt als „Conan das Bakterium“.

Gemeinsam mit fünf anderen Bakterien-Arten und Pilzen setzten die Forschenden „Conan das Bakterium“ den ungemütlichen Mars-Bedingungen aus. „Es gibt kein fließendes Wasser oder nennenswertes Wasser in der Marsatmosphäre, sodass Zellen und Sporen austrocknen würden“, erklärt Brian Hoffman, ein Co-Autor der Studie. „Es ist auch bekannt, dass die Oberflächentemperatur auf dem Mars in etwa der von Trockeneis entspricht, er ist also tatsächlich tief gefroren.“ Doch die Forschenden stellten fest, dass Deinococcus radiodurans im Laufe des Experiments kein Problem mit den Mars-Bedingungen hatte und deutlich besser abschnitt als beispielsweise Bacillus-Sporen, die auf der Erde Millionen Jahre überleben können.

Mars: Es ist eiskalt, es ist trocken, es ist ungemütlich

Konkret ermittelten die Forschenden folgende Werte: Wenn das Bakterium getrocknet, gefroren und vergraben ist, kann es eine Strahlendosis aushalten, die 28.000 Mal größer ist als die Menge, die einen Menschen töten würde. An der Oberfläche hielt „Conan das Bakterium“ der Strahlenmenge nur einige Stunden lang stand, doch sobald das Bakterium eingegraben wurde, erhöhte sich seine Lebenszeit dramatisch: Zehn Zentimeter unter der Oberfläche kann „Conan das Bakterium“ der Studie zufolge 1,5 Millionen Jahre bei typischen Mars-Bedingungen überleben. In einer Tiefe von zehn Metern kann das Bakterium sogar 280 Millionen Jahre überdauern.

Deinococcus radiodurans, auch bekannt als „Conan das Bakterium“ könnte auf dem Mars für Jahrmillionen Jahre überleben, zeigt eine Studie.
Deinococcus radiodurans, auch bekannt als „Conan das Bakterium“ könnte auf dem Mars für Jahrmillionen Jahre überleben, zeigt eine Studie. © Michael J. Daly/USU

Die Schlussfolgerung der Forschenden: Sollte sich auf dem Mars einst eine Mikrobe ähnlich wie „Conan das Bakterium“ entwickelt haben, könnte es immer noch in den Tiefen des roten Planeten schlummern. „Obwohl Deinococcus radiodurans, das direkt unter der Oberfläche des Mars begraben ist, die geschätzten 2 bis 2,5 Milliarden Jahre seit dem Verschwinden von fließendem Wasser auf dem Mars nicht ruhend überleben konnte, werden solche Marsumgebungen regelmäßig durch Meteoriteneinschläge verändert und geschmolzen“, erklärt Studienleiter Daly. „Wir vermuten, dass periodisches Schmelzen eine zeitweilige Wiederbesiedlung und Ausbreitung ermöglichen könnte.“

Menschen könnten den Mars kontaminieren – und Mars-Proben die Erde

Wenn es jemals Leben auf dem Mars gegeben habe, könnten dessen Makromoleküle und Viren sehr viel länger überleben. „Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass künftige Missionen zeigen werden, ob sich jemals Leben auf dem Mars entwickelt hat“, betont Daly. Möglicherweise könnte bereits die „Mars Sample Return“-Mission der US-Raumfahrtorganisationen Nasa und Esa in den 2030er Jahren Bodenproben vom Mars zurückbringen, in denen Forschende Mars-Bakterien nachweisen können. Daly warnt: „Mars-Proben zurückzuholen, könnte die Erde kontaminieren.“

Allerdings sei auch eine Kontaminierung des Mars durch irdische Besucher:innen möglich: „Wir kamen zu dem Schluss, dass die terrestrische Kontamination auf dem Mars im Wesentlichen dauerhaft ist – über Zeiträume von Tausenden von Jahren“, erklärt Hoffman. „Dies könnte die wissenschaftlichen Bemühungen um die Suche nach Leben auf dem Mars erschweren. Ebenso könnten Mikroben, die sich auf dem Mars entwickelt haben, bis zum heutigen Tag überleben. Das bedeutet, dass die Rückführung von Mars-Proben die Erde kontaminieren könnte“. (tab)

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