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Leben auf frühem Mars war möglich – doch es endete wohl dramatisch

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Von: Tanja Banner

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Der Mars könnte einst Leben beherbergt haben – bis es einen Klimawandel verursachte und der eigene Planet unbewohnbar wurde. Das zeigt eine neue Studie.

Tucson – Wenn es um den Mars geht, gibt es viele Fragen, die die Forschung beschäftigen: Gab oder gibt es auf dem roten Planeten Leben? Wie hat der Mars sein Wasser und seine Atmosphäre verloren? Und wie wurde der rote Planet so kalt? Eine Studie französischer und amerikanischer Forschender könnte nun gleich zwei dieser Fragen beantwortet haben – und eine überraschende Erklärung liefern.

Das Forschungsteam um den Astrobiologen Boris Sauterey (University of Arizona und Université Paris Sciences et Lettres) hat für die Studie angenommen, dass der Mars vor mehr als 3,7 Milliarden Jahren lebensfreundlich war und zu dieser Zeit Mikroorganismen auf dem Planeten lebten, die sich von Wasserstoff ernähren und dabei Methan produzieren (sogenannte methanogene Hydrogenotrophen). Ganz ähnlich soll die Situation Forschungen zufolge auf der Erde gewesen sein: Forschende gehen davon aus, dass methanogene Hydrogenotrophen zu den ersten Lebewesen auf der Erde gehörten und ihre Methanproduktion das Klima auf der Erde wärmte und stabilisierte. In der Folge entstanden komplexere Lebensformen.

Studie: Einige Zeit lang soll es vor Leben auf dem Mars gewimmelt haben

„Wir glauben, dass der Mars damals etwas kühler als die Erde war, aber nicht annähernd so kalt wie heute, mit Durchschnittstemperaturen, die wahrscheinlich über dem Gefrierpunkt von Wasser lagen“, erklärt Co-Autor Regis Ferrière in einer Mitteilung der University of Arizona. „Während der heutige Mars als ein mit Staub bedeckter Eiswürfel beschrieben wurde, stellen wir uns den frühen Mars als einen felsigen Planeten mit einer porösen Kruste vor, der mit flüssigem Wasser durchtränkt war, das wahrscheinlich Seen und Flüsse, vielleicht sogar Meere oder Ozeane bildete.“

Forschende suchen nach flüssigem Wasser auf dem Mars. (Symbolbild)
Forschende suchen nach flüssigem Wasser auf dem Mars. (Symbolbild) © IMAGO/Marcos Osorio

Haupt-Autor Sauterey erklärt dem Portal Inverse: „Wir wissen, dass es auf dem Mars schon früh warm war, also wollten wir die biologische Erklärung für dieses frühe Klima liefern.“ Doch stattdessen entdeckten die Forschenden, dass auf dem Mars das Gegenteil von dem passierte, was auf der Erde geschah: In der Simulation der Forschenden wimmelte es auf dem roten Planeten einige hunderttausend Jahre lang vor unterirdischem Leben in Form der methanogenen Mikroorganismen.

Klimawandel auf dem Mars: Mikroben könnten Planeten unbewohnbar gemacht haben

Doch es gelangte immer mehr Methan in die Atmosphäre und Wechselwirkungen des Methans mit der Mars-Atmosphäre und den salzigen Eiskappen der Pole kühlten den Planeten immer weiter ab. „Durch den Entzug von Wasserstoff aus der Atmosphäre hätten die Mikroben das Klima des Planeten drastisch abgekühlt“, erklärt Sauterey. Innerhalb einer halben Million Jahre wurde der Mars in der Simulation fast vollständig von einer Eisschicht bedeckt.

Der durch das Leben auf dem Mars verursachte Klimawandel könnte also dazu beigetragen haben, dass die Oberfläche des Planeten schon sehr früh unbewohnbar wurde. „Das Problem, mit dem diese Mikroben dann konfrontiert gewesen wären, ist, dass die Marsatmosphäre im Grunde verschwunden wäre, völlig ausgedünnt, sodass ihre Energiequelle verschwunden wäre und sie eine alternative Energiequelle hätten finden müssen“, erläutert Sauterey. „Außerdem wäre die Temperatur erheblich gesunken, und sie hätten viel tiefer in die Kruste vordringen müssen. Im Moment ist es sehr schwierig zu sagen, wie lange der Mars bewohnbar geblieben wäre“.

Mars: Leben könnte in tieferen Bodenschichten überdauert haben

Doch in einigen tiefgelegenen Regionen könnte das Leben in der Nähe der Mars-Oberfläche zumindest für einige Zeit überdauert haben, heißt es in der Studie, die im Fachjournal Nature Astronomy veröffentlicht wurde. Die Forschenden identifizieren drei Regionen auf dem Mars, an denen die Wahrscheinlichkeit, Spuren frühen methanogenen Lebens in der Nähe der Mars-Oberfläche zu finden, hoch ist:

Leben auf dem Mars? Nasa-Rover untersucht interessante Region

Eine der genannten Regionen – Jezero-Krater – wird seit März 2021 vom Nasa-Rover „Perseverance“ untersucht. Der Mars-Rover hat dort erst kürzlich organisches Material entdeckt und die Forschungsgemeinde mit der Aussicht verzückt, dass das Material in den kommenden Jahren auf die Erde gebracht werden soll.

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Hauptautor Sauterey hat eine etwas düstere Sicht auf die Ergebnisse seiner Studie: „Die Tatsache, dass eine sehr primitive Biosphäre das Klima auf dem Mars stark abgekühlt und ihn möglicherweise unbewohnbar gemacht haben könnte, deutet darauf hin, dass einer der begrenzenden Faktoren für die Gemeinsamkeit des Lebens im Universum möglicherweise das Leben selbst ist“, betont er gegenüber Inverse in Anspielung auf die Menschheit und den Klimawandel auf der Erde. „Möglicherweise ist es ein gemeinsames Schicksal des Lebens im Universum, sich selbst zu zerstören.“ (tab)

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