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Gefährden Bodenproben vom Mars die Erde? Fachleute sind unsicher

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Von: Tanja Banner

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Der Mars ist der Planet, der von den meisten menschlichen Gerätschaften erforscht wird. Zahlreiche Orbiter umkreisen den roten Planeten und auch auf seiner Oberfläche sind mehrere Rover und andere Forschungsgeräte aktiv.
Der Mars ist der Planet, der von den meisten menschlichen Gerätschaften erforscht wird. Zahlreiche Orbiter umkreisen den roten Planeten und auch auf seiner Oberfläche sind mehrere Rover und andere Forschungsgeräte aktiv. © dpa/Nasa/Hubble

Die US-Raumfahrtorganisation will den „heiligen Gral“ der Planetenforschung auf die Erde holen: Bodenproben vom Mars. Könnte das die Erde gefährden?

Kassel – Gibt es Leben auf dem Mars? Mit jeder neuen Mission zum roten Planeten kommt die Forschung dieser Frage ein Stück näher. Mit dem Mars-Rover „Perseverance“ der US-Raumfahrtorganisation Nasa ist zudem der „heilige Gral“ der Planetenforschung in beinahe schon greifbare Nähe gerückt: Der Mars-Roboter sammelt auf dem roten Planeten geeignete Gesteins- und Bodenproben ein, die in Zukunft zurück zur Erde befördert werden sollen. Dann können Forschende erstmals direkt mit Proben vom Mars arbeiten – und vielleicht endgültig herausfinden, ob es auf dem roten Planeten einst Leben gab oder möglicherweise heute noch gibt.

Eine unabhängige Untersuchung hat der Nasa bereits vor einiger Zeit grünes Licht für die Rückholaktion vom Mars gegeben – doch eine Organisation spricht sich schon seit längerer Zeit dagegen aus: Das „International Committee Against Mars Sample Return“ (ICAMSR) warnt vor einer möglichen Kontaminierung der Erde durch Organismen vom Mars.

„Mars Sample Return“: Nasa will Bodenproben vom Mars zur Erde holen

Auch die allgemeine Öffentlichkeit scheint Bedenken zu haben, wenn es um die Mission „Mars Sample Return“ (MSR) geht. Vor einigen Monaten bat die Nasa die Öffentlichkeit um Kommentare zu einem Entwurf für eine Umweltverträglichkeitserklärung betreffend die Mars-Rückholmission. Die meisten der 170 Kommentare äußerten sich – teils anonym – negativ. Die Kommentare reichen von „Seid ihr verrückt geworden? Nein, einfach nur nein“ über „Keine Nation sollte den ganzen Planeten riskieren“ bis hin zu „Ich darf nicht einmal Obst aus meinem Heimatland Mexiko mitbringen und ihr wollt, dass ich damit einverstanden bin, dass ihr Proben vom Mars zur Erde bringt? Nein, das ist nicht ok.“

Das „International Committee Against Mars Sample Return“ fordert bereits seit längerem, dass die Bodenproben vom Mars zuerst in einem Labor jenseits der Erde untersucht werden sollten – etwa im künftigen „Lunar Gateway“, einer Raumstation, die den Mond umkreisen soll. „Das ist der einzige Weg, wie wir zu 100 Prozent die Sicherheit der irdischen Biosphäre garantieren können“, zitierte der New Scientist bereits im vergangenen Jahr den ICAMSR-Direktor Barry DiGregorio.

Der Astrobiologe Steven Benner sieht das gegenüber dem New Scientist aktuell jedoch etwas anders: „Ich sehe keine Notwendigkeit für lange Diskussionen darüber, wie Proben vom Mars gelagert werden sollten, sobald sie unseren Planeten erreicht haben.“ Schließlich gingen aktuelle Schätzungen davon aus, dass jedes Jahr etwa 500 Kilogramm Marsgestein auf der Erde landet. „Wenn die Mikrobiota des Mars existieren und die Biosphäre der Erde zerstören können, ist das bereits geschehen, und ein paar Kilogramm mehr von der Nasa werden daran nichts ändern“, betont Benner.

Mars-Rückholaktion: „Wir müssen sehr wohl vorsichtig sein“

Der Astrobiologe John Rummel, der vor seinem Ruhestand das Nasa-Büro für „planetaren Schutz“ geleitet hat, betont dagegen einen anderen Aspekt: „In erster Linie wissen wir noch nicht alles über den Mars, was wir wissen wollen. Deshalb wollen wir die Proben.“ Auf der Erde würde man immer wieder Organismen finden, „die neue Dinge tun, die im Hinblick auf mögliches Leben anderswo recht interessant sind“. Deshalb fragt Rummel: „Warum denken wir also nicht, dass wir vorsichtig sein müssen? Die Antwort ist, dass wir sehr wohl vorsichtig sein müssen.“

Die Astrobiologin Cassie Conley betont, dass die Rückholaktion mindestens 10 Milliarden US-Dollar gekostet haben wird, wenn die Kapsel vom Mars auf der Erde landet. „Lohnt es sich also nicht, ein Prozent mehr auszugeben, um die bestmöglichen Einrichtungen und Instrumente für die Untersuchung dieser Proben zu bauen und gleichzeitig sicherzustellen, dass die MSR nicht dazu führt, dass dem einzigen Planeten, auf dem wir leben können, etwas Schlimmes zustößt?“, fragt sie. Doch die Entscheidung in dieser Angelegenheit liegt nicht mehr bei der Nasa alleine: China hat kürzlich bekannt gegeben, dass das Land Material vom Mars zur Erde holen will – möglicherweise früher, als die Nasa-Mission, bei der derzeit das Jahr 2031 angedacht ist.

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Nasa will den „heiligen Gral“ vom Mars zur Erde holen: Bodenproben

Eine Wunschliste aus der Wissenschaft, die im April veröffentlicht wurde, drängt die Nasa jedenfalls dazu, der „Mars Sample Return“-Mission „höchste wissenschaftliche Priorität“ einzuräumen. „Mars Sample Return ist für die Nasa von grundlegend strategischer Bedeutung“, schreiben die Autorinnen und Autoren des sogenannten „Decadal Survey“, der im Weißen Haus und bei der Nasa traditionell sehr ernst genommen wird. Die Aufgabe, Proben vom Mars zurückzuholen, solle „so schnell wie möglich vervollständigt werden“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können es kaum erwarten, ihren „heiligen Gral“ in den Händen zu halten und ihn genau zu untersuchen. (tab)

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