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Erfolgreiche Nasa-Mission: Mars-Helikopter „Ingenuity“ erstaunt Forschende – und fliegt immer weiter

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Von: Tanja Banner

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Der Mars-Hubschrauber „Ingenuity“ kreist über dem Mars.
Der Mars-Hubschrauber „Ingenuity“ kreist über dem Mars. © NASA/JPL-Caltech/dpa

Er sollte 30 Tage durchhalten, doch er fliegt bereits seit einem Jahr über den Mars: Der Nasa-Helikopter „Ingenuity“ ist ein voller Erfolg.

Pasadena – Die US-Raumfahrtorganisation Nasa ist dafür bekannt, dass ihre robotischen Erforscher auf dem Mars ihre Lebensdauer gerne überschreiten und noch Jahre später wertvolle Forschungsergebnisse liefern. So sollte der Mars-Rover „Opportunity“ gemeinsam mit seinem Zwilling „Spirit“ 90 Tage lang den roten Planeten erkunden – „Spirit“ lieferte sechs Jahre lang Daten zur Erde, „Opportunity“ arbeitete sogar fast 15 Jahre auf dem Mars. Im Sommer 2022 forscht der Nasa-Rover „Curiosity“ seit zehn Jahren auf dem Mars und sein Nachfolger „Perseverance“ hat auch schon mehr als ein Jahr hinter sich gebracht.

Doch es sind nicht nur Rover, die auf dem Mars deutlich länger arbeiten als geplant. In diesen Tagen kann die Nasa einen ganz besonderen Jahrestag feiern: Vor einem Jahr – am 19. April 2021 – ist erstmals der Hubschrauber „Ingenuity“ auf dem Mars abgehoben. Die kleine Drohne war gemeinsam mit Rover „Perseverance“ auf dem Mars gelandet und hatte nur eine einzige Aufgabe: Sie sollte beweisen, dass der motorisierte, gesteuerte Flug eines Drehflüglers in der extrem dünnen Mars-Atmosphäre möglich ist. Bis zu fünf Testflüge innerhalb von 30 Mars-Tagen waren geplant, die Nasa verglich „Ingenuity“ damals mit dem ersten gesteuerten motorisierten Flug der Gebrüder Wright.

Erfolg für die Nasa: Mars-Helikopter „Ingenuity“ fliegt immer noch

Seit diesem ersten Flug auf dem Mars ist nun ein Jahr vergangen – und der Helikopter fliegt immer noch. 25 Flüge über eine Strecke von insgesamt 5,8 Kilometern stehen im Logbuch von „Ingenuity“, insgesamt war der Hubschrauber etwa eine Dreiviertelstunde in der Luft und ist bis in eine Höhe von zwölf Metern aufgestiegen. Dabei ist der kleine Helikopter mit einer ordentlichen Geschwindigkeit unterwegs: knapp 20 Kilometer pro Stunde war bislang sein schnellstes Tempo.

Bereits nach einigen Demonstrationsflügen wurde aus der Technologie-Demonstration „Ingenuity“ ein wertvolles Forschungsinstrument auf dem Mars. „Mit dem dritten Flug hatten wir alle unsere Missionsziele erreicht und hatten alle Informationen eingesammelt, die wir bekommen wollten“, erklärte Nasa-Mitarbeiter Josh Ravich, als die Mission des Helikopters verlängert wurde. Der Hubschrauber hilft seinem Begleiter, dem Rover „Perseverance“, indem er vorab das Terrain erkundet, in das der Rover fahren soll.

Außerdem liefert er den Forschenden auf der Erde neue Perspektiven vom Mars. Bisher gab es hauptsächlich zwei Perspektiven: Von den Rovern, die sich auf der Mars-Oberfläche bewegen oder von den Raumsonden, die aus der Umlaufbahn auf den Mars blicken. „Das hat sich geöffnet zu einer komplett neuen Perspektive vom Mars“, freut sich die Planetenwissenschaftlerin Kirsten Siebach gegenüber ScienceNews.

Ungewöhnlicher Anblick auf dem Mars: Der Nasa-Hubschrauber „Ingenuity“ kreist über dem roten Planeten.
Ungewöhnlicher Anblick auf dem Mars: Der Nasa-Hubschrauber „Ingenuity“ kreist über dem roten Planeten. © Nasa/JPL

Mars: Kleine Nasa-Drohne „Ingenuity“ sollte nur zeigen, dass Flüge möglich sind

Sollte der Hubschrauber eigentlich nur zeigen, dass Flüge auf dem Mars möglich sind, zeigt er nun etwas anderes – was durch Flüge auf dem Mars möglich ist. Das wären neue Perspektiven, größere Distanzen und Hilfe für den Rover. „Wir landen an verschiedenen Stellen auf dem Mars, die wir niemals geplant hatten, zu erreichen“, betont der Chef-Pilot der Hubschraubers, Håvard Fjær Grip, gegenüber ScienceNews. „Es ist nun schon ein Jahr vergangen, seit wir ihn auf die Oberfläche gesetzt haben. Ich glaube, niemand von uns hat gedacht, dass das möglich sein wird.“

Name:Ingenuity
Typ:Helikopter
Ort:Jezero-Krater auf dem Mars
Gewicht:1,8 Kilogramm (auf der Erde)
Höhe des Helikopters:80 Zentimeter
absolvierte Flüge:25
geflogene Strecke:5,8 Kilometer
bisherige Flugzeit:46,5 Minuten
Quelle: Nasa, Stand: 20.04.2022

Nasa-Rover „Perseverance“ und Hubschrauber „Ingenuity“ erforschen den Mars gemeinsam

Derzeit befindet sich der Hubschrauber auf dem Weg zu einem Flussdelta, das auch der Rover „Perseverance“ ansteuert, um dort die Geschichte des Mars zu erforschen. Dort gebe es für „Ingenuity“ einige Optionen, erklärt der Chef-Pilot: Man könnte den Rover-Fahrern helfen, neue Ziele erkunden oder sogar erste Erkundungen für künftige Mars-Missionen unternehmen. „Wir befinden uns in einer neuen Ära. Die Luftfahrt im Weltraum ist jetzt ein Thema. Wir können uns die Erforschung des Mars nicht mehr ohne Luftfahrzeuge vorstellen“, betont Grip weiter.

Dass die Mission des Mars-Hubschraubers so gut läuft, war nicht von vorneherein klar, denn der rote Planet hielt einige Herausforderungen für „Ingenuity“ bereit: Die Atmosphäre des Mars hat nur etwa ein Prozent der Dichte der Erdatmosphäre. Darin zu fliegen war die größte Herausforderung. Der Hubschrauber wurde entsprechend gebaut: Er ist sehr leicht und hat sehr lange Rotorblätter, die sehr viel schneller rotieren als es für einen Helikopter seines Gewichts auf der Erde nötig wäre. Eine weitere Herausforderung liegt in der Temperatur des Mars: Der Hubschrauber musste nach der Landung Temperaturen von bis zu minus 90 Grad Celsius aushalten. Doch auch das schaffte der kleine Mars-Helikopter mit Bravour. (tab)

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