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Mars: Warum aktuelle Nasa-Rover keine Hinweise auf Leben finden – Neue Studie

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Von: Tanja Banner

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Planet Mars
Auf dem Mars sucht die Nasa nach Spuren von früherem Leben. Doch bisher wurde nichts Eindeutiges gefunden. Eine neue Studie zeigt, woran das liegen könnte. © UIG/Imago

Zahlreiche Nasa-Rover und -Sonden suchen nach Hinweisen für Leben auf dem Mars. Doch eindeutige Spuren gibt es nicht. Eine neue Studie zeigt, warum.

Greenbelt – Seit vielen Jahren sucht die US-Raumfahrtorganisation Nasa nach Leben auf dem Mars. Vor 25 Jahren landete mit der „Pathfinder“-Mission der erste Mars-Rover „Sojourner“ auf dem roten Planeten, derzeit untersuchen die Rover „Perseverance“ und „Curiosity“ den Mars von der Oberfläche aus, während mehrere Raumsonden den Planeten aus einer Umlaufbahn heraus erforschen. Zwar konnte man bisher zahlreiche Hinweise auf die frühere Existenz von Wasser finden, doch eindeutige Nachweise von Leben auf dem Mars gibt es bisher nicht.

Nun haben Forschende in einem Experiment herausgefunden, woran das liegen könnte: Aminosäuren haben auf dem roten Planeten eine kürzere Haltbarkeit als bisher vermutet. Der Fund bestimmter Aminosäuren auf dem Mars wäre ein deutlicher Hinweis auf früheres Leben, doch bisher wurden keine gefunden. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Aminosäuren durch kosmische Strahlung im Gestein und Regolith der Marsoberfläche viel schneller zerstört werden als bisher angenommen“, erklärt Alexander Pavlov vom Nasa Goddard Space Flight Center in Greenbelt.

Suche nach Leben auf dem Mars: Nasa-Rover bohren nicht tief genug

Pavlov ist Hauptautor einer von der Nasa geförderten Studie zu dem Thema, die im Fachjournal Astrobiology veröffentlicht wurde. Er erklärt die Details: „Aktuelle Mars-Rover graben etwa fünf Zentimeter tief. In dieser Tiefe würde es nur etwa 20 Millionen Jahre dauern, bis Aminosäuren komplett zerstört sind. Die Zugabe von Perchloraten und Wasser erhöht die Geschwindigkeit der Aminosäurezerstörung noch weiter.“ Das Problem: Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die nach Spuren von früherem Leben auf dem Mars suchen, wollen nicht maximal 20 Millionen Jahre in die Vergangenheit schauen, sondern noch viel weiter zurück. Fachleute gehen nämlich davon aus, dass der Mars vor mehreren Milliarden Jahren der Erde ähnlicher war als heute: Er hatte damals unter anderem eine Atmosphäre, das die Oberfläche vor der Sonne und kosmischer Strahlung schützte, außerdem war flüssiges Wasser auf seiner Oberfläche möglich.

Um intakte Aminosäuren auf dem Mars zu finden, müssten die Rover mindestens zwei Meter tief bohren, zeigt die Studie. Die aktuellen Rover können das nicht, die tiefste Grabung auf dem Mars ist bisher sieben Zentimeter tief, heißt es bei der europäischen Raumfahrtorganisation Esa. Besonders bitter ist, dass ein Rover, der dafür gedacht war, zwei Meter tief in den Mars-Boden zu graben, im Zuge des Ukraine-Kriegs auf Eis gelegt wurde: Der Rover „Rosalind Franklin“, Teil der europäisch-russischen „ExoMars“-Mission, sollte im Herbst 2022 zum Mars aufbrechen und hätte tief genug graben können.

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Nasa sucht Leben auf dem Mars: neue Taktik für Mars-Rover

Da jedoch nun auf absehbare Zeit kein Rover auf dem Mars so tief graben kann, haben sich die Forschenden um Pavlov eine andere Taktik überlegt: „Missionen mit oberflächlichen Bohrproben müssen nach kürzlich freigelegten Vorkommen suchen – etwa Mikrokrater mit einem Alter von weniger als 10 Millionen Jahren oder das aus solchen Kratern ausgeworfene Material“, fasst Pavlov zusammen.

Um zu den veröffentlichten Erkenntnissen zu gelangen, hat das Forschungsteam verschiedene Arten von Aminosäuren mit Silikat, hydratisiertem Silikat oder einer Kombination aus Silikat und Perchlorat gemischt, um die Bedingungen im Marsboden zu simulieren. Die Proben wurden in Reagenzgläsern unter Vakuum versiegelt, um die dünne Marsluft zu simulieren. Einige der Proben wurden bei Raumtemperatur aufbewahrt – der höchsten Temperatur, die es auf dem Mars gibt. Andere Proben wurden auf -55 Grad Celsius gekühlt – eine ganz normale Temperatur auf dem Mars. Anschließend wurden die Proben mit verschiedenen Stufen von Gammastrahlung – einer Art hochenergetischem Licht – bestrahlt, um die kosmische Strahlung zu simulieren.

Mars-Studie: Aminosäuren werden von kosmischer Strahlung zerstört

„Unsere Arbeit ist die erste umfassende Studie, in der die Zerstörung (Radiolyse, Anm. d. Red.) eines breiten Spektrums von Aminosäuren unter einer Vielzahl von Mars-relevanten Faktoren untersucht und die Radiolyse-Raten verglichen wurden“, erläutert Pavlov. „Es stellte sich heraus, dass die Zugabe von Silikaten und insbesondere von Silikaten mit Perchloraten die Zerstörungsraten von Aminosäuren stark erhöht.“

Bisher wurden auf dem Mars noch keine Aminosäuren gefunden, doch in Meteoriten wurden die Bausteine des Lebens bereits entdeckt – auch in einem Meteoriten, der vom Mars stammt. „Da Meteoriten vom Mars in der Regel aus einer Tiefe von mindestens einem Meter oder mehr ausgeworfen werden, ist es möglich, dass die Aminosäuren in dem Meteoriten vor kosmischer Strahlung geschützt waren“, erklärt Co-Autor Danny Glavin.

Im Gegensatz zu Aminosäuren wurde bereits organische Materie auf dem Mars gefunden – sowohl der Nasa-Rover „Perseverance“ als auch „Curiosity“ wurden fündig. Doch die Funde sind kein eindeutiges Zeichen für die Existenz früheren Lebens, da sie auch durch nicht-biologische Chemie entstanden sein können. Die Forschenden gehen außerdem davon aus, dass das gefundene organische Material durch Strahlung im Laufe der Zeit verändert wurde und sich nicht mehr im ursprünglichen Zustand befindet. (tab)

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