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Wettrennen zum Mars läuft: Zwei Startups wollen schneller sein als SpaceX

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Von: Tanja Banner

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Wie der Mars-Lander „InSight“ soll auch der kommerzielle Mars-Lander in einer Schutzhülle verpackt in die Mars-Atmosphäre eintreten. (Künstlerische Darstellung)
Wie der Mars-Lander „InSight“ soll auch der kommerzielle Mars-Lander in einer Schutzhülle verpackt in die Mars-Atmosphäre eintreten. (Künstlerische Darstellung) © NASA/JPL-Caltech/dpa

Entsteht gerade ein privater Wettlauf zum Mars? Zwei Startups wollen den Mars 2024 erreichen – deutlich vor dem ambitionierten SpaceX.

El Segundo – SpaceX hat große Pläne, was den Mars angeht. Gründer Elon Musk will den roten Planeten besiedeln, um die Menschheit zu einer „multiplanetaren Spezies“ zu machen. Mit diesem Hintergedanken baut sein Raumfahrtunternehmen derzeit das „Starship“ – eine Kombination aus Rakete und Raumschiff, die beide wiederverwertbar sein und in nicht allzu ferner Zukunft den Mars ansteuern sollen. Bisher hat das Unternehmen noch keine Rakete Richtung Mars geschickt, hat mit der „Falcon 9“ jedoch immerhin eine Rakete, die sehr regelmäßig und erfolgreich startet und Fracht in die Erdumlaufbahn befördert. Unter anderem die US-Raumfahrtorganisation Nasa ist ein wichtiger Kunde von SpaceX.

Der Zeitplan, bis wann SpaceX erstmals Fracht oder Menschen zum Mars bringen will, ist nicht ganz klar. Ende 2020 sagte Elon Musk öffentlich, er wolle „in zwei Jahren“ ein unbemanntes Fahrzeug auf den Mars schicken. Im Frühjahr 2022 erklärte Musk, bis 2029 würden die ersten Menschen zum roten Planeten Mars fliegen. Allerdings ist Musk nicht unbedingt bekannt dafür, seine selbst gesetzten Termine einzuhalten. Laut SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell ist das Unternehmen Ende des Jahrzehnts bereit, eine kommerzielle Mission zum Mars zu fliegen – einen offiziellen Termin gibt es nicht.

Kommerzielle Mars-Mission: Zwei Startups wollen SpaceX Konkurrenz machen

Nun melden sich zwei Startups aus Kalifornien zu Wort und scheinen einen Wettlauf mit SpaceX beginnen zu wollen: Relativity Space und Impulse Space haben sich nach Unternehmensangaben zusammengetan, um 2024 die ersten kommerzielle Mission zum Mars zu starten. Geplant sei, dass Relativity Space die wiederverwertbare, 3D-gedruckte Rakete „Terran R“ für den Start nutzt, Impulse Space will sich um eine Raumsonde und einen Mars-Lander kümmern, mit dem Fracht auf die Oberfläche des roten Planeten befördert werden soll.

Gelingt der Plan der beiden Raumfahrt-Startups, könnten sie tatsächlich die erste kommerzielle Fracht auf dem Mars absetzen – doch es gibt etliche Zweifel. Keins der beiden Unternehmen hat bisher Fracht ins Weltall transportiert, bisher ist noch keine Rakete von Relativity Space abgehoben. Allerdings steckt hinter dem Unternehmen Impulse Space Tom Mueller, der von Anfang an in die Arbeit bei SpaceX involviert war und die Entwicklung der „Merlin“-Raketentriebwerke leitete, die die „Falcon 9“-Raketen des Unternehmens antreiben. 2020 verabschiedete sich Mueller von SpaceX, um ein Jahr später sein eigenes Raumfahrtunternehmen zu gründen.

Mars-Mission zweier Startups: „Multiplanetare Zukunft“

„Das ist ein großer Meilenstein für Impulse und Relativity sowie für die ganze Raumfahrtindustrie“, betont Mueller in einem Statement. Einer der herausforderndsten Aspekte einer Mars-Landung sei die „glide stage“, bei der der Lander in einer Schutzhülle stecke, um den Eintritt in die Mars-Atmosphäre zu überstehen. „Ich bin zuversichtlich, dass diese historische Mission mit der Kraft unserer gemeinsamen Teams, Erfahrung und Leidenschaft nur eine von vielen sein wird, die noch folgen werden.“

Auch Tim Ellis, Gründer von Relativity Space, gibt sich zuversichtlich: „Wir glauben, dass der Aufbau einer multiplanetaren Zukunft auf dem Mars nur möglich ist, wenn wir Dutzende bis Hunderte von Unternehmen dazu inspirieren, auf ein einziges Ziel hinzuarbeiten“, erklärt er in einem Statement. „Dies ist eine monumentale Herausforderung, aber eine, die, wenn sie erfolgreich bewältigt wird, die Möglichkeiten für menschliche Erfahrungen auf zwei Planeten in unserem Leben erweitern wird.“ 

Flug zum Mars: 35 Prozent aller Mars-Landungen sind gescheitert

Es ist keine leichte Aufgabe, die sich die beiden US-Startups ausgesucht haben. Landungen auf dem Mars gelten als äußerst schwierig: Eine Raumsonde erreicht den Mars mit sehr hoher Geschwindigkeit und muss nach dem Eintritt in die Mars-Atmosphäre schnell abbremsen, weil das Raumschiff durch den sehr geringen atmosphärischen schnell zu Boden fällt. Zu den weiteren Herausforderungen gehört unter anderem, dass die Signallaufzeit zwischen Erde und Mars zu lang ist, um die Landung von der Erde aus zu kontrollieren: Die Raumsonde muss autonom landen. Bisher ist dieses Kunststück nur der Nasa und China gelungen – etwa 35 Prozent aller Mars-Landungen sind bisher gescheitert. Ob das Team, bestehend aus Relativity Space und Impulse Space, die Aufgabe meistern kann, wird sich zeigen. (tab)

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Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels hatten wir geschrieben, dass 40 Prozent aller Mars-Landungen gescheitert sind. Tatsächlich hat sich diese Zahl dank der beiden Landungen im Jahr 2021 etwas verbessert: Nur noch 35,3 Prozent der versuchten Landungen sind gescheitert. Vielen Dank an das DLR für den Hinweis!

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