Lebensrettender Eingriff

Bahnbrechende Operation: Ärzteteam transplantiert erstmals erfolgreich Schweineherz

In den USA könnte ein großer Schritt zur Lösung des Spenderorganmangels gelungen sein. Auch ein experimentelles Medikament kommt zum Einsatz.

Washington – In den USA* ist es einem Ärzteteam nach eigenen Angaben erstmals gelungen, einem Patienten erfolgreich das Herz eines genveränderten Schweins eingesetzt. Drei Tage nach der Transplantation gehe es dem 57-jährigen Patienten gut, erklärte die medizinische Fakultät der Universität des Bundesstaates Maryland am Montag (10.01.2022). „Diese Organtransplantation hat erstmals gezeigt, dass das Herz eines gentechnisch veränderten Tieres ohne sofortige Abstoßung durch den Körper wie ein menschliches Herz funktionieren kann.“

„Das war eine bahnbrechende Operation, die uns einen Schritt näher bringt, die Krise des Organmangels zu lösen*“, erklärte der Chirurg Bartley Griffiith, der das Schweinenerz eingesetzt hatte. „Wir wollen vorsichtig vorangehen. Aber wir sind auch optimistisch, dass diese weltweit erste Operation Patienten künftig eine wichtige neue Option geben wird.“

Dr. Bartley Griffith (l) macht ein Selfie mit dem Patienten David Bennett in Baltimore.

Patient: „Ich hatte die Wahl zu sterben, oder diese Transplantation vorzunehmen“

Angaben des Ärzteteams zufolge litt der Patient an einer Herzerkrankung im Endstadium. Die University of Maryland erklärte, die Transplantation des Schweineherzens sei die „einzige“ Behandlungsoption gewesen. Für eine herkömmliche Organtransplantation sei der Mann nicht zugelassen worden.

„Ich hatte die Wahl zu sterben, oder diese Transplantation vorzunehmen“, sagte der Patient David Bennett laut einer Erklärung der Universität vor der Operation vom Freitag (07.01.2022). Ich will leben. „Ich weiß, es ist ein Schuss ins Blaue, aber es ist meine letzte Wahl.“ Für den Eingriff hatte die US-Arzneimittelbehörde FDA eine Notfallzulassung erteilt. Bennett, welcher die letzten Monate bettlägerig an einer Herz-Lungen-Maschine verbracht hatte, fügte hinzu: „Ich freue mich darauf, nach meiner Genesung das Bett verlassen zu können.“

USA: Genmanipuliertes Schwein liefert Organe für Transplantation

Das Spenderschwein, von dem das Herz stammt, war genetisch verändert worden, um ein Gen zu eliminieren, das einen bestimmten Zucker bildet. Beim Patienten hätte dieser Zucker eine starke Immunreaktion ausgelöst, was zu einer Abstoßung des Organs geführt hätte. „Ausgeschaltet“ wurde auch ein Gen, welches zu übermäßigem Wachstum von Schweineherzgewebe geführt hätte. Um eine Abstoßung des Herzens durch Bennetts Körper zu verhindern, wurden insgesamt vier Schweinegene eliminiert und sechs menschliche Gene in das Genom des Schweins eingefügt.

Die im US-Bundesstaat Virginia ansässige Biotech-Firma Revivicor ist für die Genveränderung verantwortlich. Dieselbe Firma hatte bereits das Schwein geliefert, das bei einer bahnbrechenden Nierentransplantation an einem hirntoten Patienten im Oktober in New York verwendet wurde.

110.000 Menschen in den USA warten auf ein Spenderorgan

Während es sich bei diesem vorhergehenden Eingriff jedoch nur um ein Experiment zur Erprobung des Konzepts handelte und die Niere außerhalb des Körpers an den Blutkreislauf des Patienten angeschlossen wurde, soll der neue Eingriff künftig weitere Menschenleben retten. Vor der Implantation hatte die medizinischen Fachkräfte das Tierorgan in einer Konservierungsmaschine aufbewahrt. Beim Eingriff verwendeten sie außerdem ein neuartiges experimentelles Medikament zur Unterdrückung der Immunabwehr.

Derzeit waren allein in der USA rund 110.000 Menschen auf ein Spenderorgan. Jahr für Jahr sterben offiziellen Zahlen zufolge mehr als 6000 Menschen, bevor eine Transplantation vorgenommen werden konnte.

Mangel an Spenderorganen: Forschung setzt große Hoffnung in Xenotransplantation

Vor allem wegen des Mangels an menschlichen Spenderorganen* setzt die Forschung große Hoffnungen in die sogenannte Xenotransplantation – das Verpflanzen tierischer Organe. Herzklappen von Schweinen und Schweinehaut bei Verbrennungsopfern werden bereits verpflanzt.

Aufgrund ihrer Größe, ihres schnellen Wachstums und ihrer guten Züchtungseigenschaften gelten Schweine als ideale Spendertiere. Darüber hinaus sind sie gesellschaftlich als Spendertiere eher akzeptiert, da sie bereits zu Nahrungszwecken geschlachtet werden. (Lukas Zigo/afp) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Bartley Griffith/University of Maryland Medical Center/dpa

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