1. Startseite
  2. Wissen

Mysteriöses Leuchten: Forscher sind gespenstischem Phänomen im Ozean auf der Spur

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Das mysteriöse Meeresleuchten aus Erzählungen von Seeleuten gibt es tatsächlich. Ein Forscher ist dem gespenstischen Phänomen auf der Spur.

Fort Collins – Seit Jahrhunderten gibt es von Seeleuten Berichte über ein mysteriöses Meeresleuchten, bei dem die Meeresoberfläche ein gleichmäßiges helles Leuchten abgibt, das als „surreales taghelles Schneefeld unter dunklem, mondlosem Himmel“ beschrieben wird. Die sogenannten „milky seas“ sind „riesige Schwaden gleichmäßig und stetig leuchtender Ozeane, die nachts zu sehen sind“, erklärt der Forscher Steven Miller von der Colorado State University in Fort Collins. „Man nimmt an, dass dieses Phänomen durch leuchtende Bakterien verursacht wird, aber die Einzelheiten der Zusammensetzung, der Struktur, der Ursache und der Auswirkungen der Milchmeere in der Natur sind noch weitgehend unklar.“

Die „Milchmeere“ können tausende von Quadratkilometern bedecken, doch sie sind nur schwer zu fassen und kaum zu erforschen: Sie treten nur maximal zweimal im Jahr auf. Erst ein Mal fand sich ein Forschungsschiff im Meeresleuchten wieder – entsprechend wenig ist das Phänomen bisher erforscht. „Im Gegensatz zu den flüchtigen Blitzen der Biolumineszenz, die von Phytoplankton in unruhigen Gewässern erzeugt werden, leuchten die Milchmeere auch in ruhigen Gewässern gleichmäßig. Man nimmt an, dass sie von leuchtenden Bakterien verursacht werden, die miteinander kommunizieren und bei Erreichen einer kritischen Population eine leuchtende Reaktion auslösen“, beschreibt Miller das Phänomen.

Pärchen auf Auto Urlaubsstimmung Dokumente
Wenn die Sonne untergegangen ist, konnten Seeleute früher das mysteriöse Meeresleuchten beobachten. Ein Forscher versucht, dem Phänomen auf die Spur zu kommen. (Symbolbild) © moodboard/Imago

Mysteriöse Beobachtung auf dem Meer: Das Wasser wird weiß, das Meer leuchtet

Der Forscher ist dem Phänomen der „milky seas“ bereits seit Jahren auf der Spur. Mittels Satellitendaten konnte er gemeinsam mit einem Forschungsteam das Meeresleuchten im Meer nachweisen. Doch bisher fehlte den Forschenden noch ein wichtiges Puzzleteil für ihre Arbeit: Fotografische Beobachtungen der „milky seas“ aus dem Weltall und gleichzeitig von der Erde aus. Doch nun ist es Miller erstmals gelungen, einen Zusammenhang herzustellen zwischen Satellitendaten, die auf das Meeresleuchten hindeuten und Erfahrungsberichten und Fotografien von Personen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren: inmitten der „Milchmeere“.

Im Jahr 2019 entdeckte der Forscher mithilfe von Satelliten ein weit ausgedehntes Meeresleuchten: Es breitete sich südlich von Java über mehr als 100.000 Quadratkilometer Meeresfläche aus. Erstmals gibt es nun auch einen Bericht von „vor Ort“ dazu: Crew-Mitglieder der privaten Jacht Ganesha konnten das mysteriöse Phänomen mit eigenen Augen betrachten. In seiner neuen Studie, die im Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences veröffentlicht wurde, dokumentiert Miller die Erfahrung der Crew und vergleicht sie mit den Satellitenaufnahmen.

Meeresleuchten: Jacht-Besatzung beobachtet das gespenstische Phänomen

Die 16 Meter lange Jacht Ganesha war mit sieben Besatzungsmitgliedern auf einer Weltumsegelung, als sie im August 2019 im östlichen Indischen Ozean in das Meeresleuchten geriet. Etwa acht Stunden lang war das gespenstische Leuchten auf dem Ozean für die Schiffscrew zu sehen. Die Studie zitiert aus dem Logbuch der Jacht:

Beim Aufwachen um 22:00 war das Meer weiß. Es gibt keinen Mond, das Meer ist anscheinend voll von Plankton, aber die Bugwelle ist schwarz! Es macht den Eindruck, als würde man auf Schnee segeln!

Aus dem Logbuch der Jacht Ganesha

Nach Angaben der Crew-Mitglieder an Bord der Jacht war der gesamte Ozean heller als der Nachthimmel, am Horizont war ein gleichmäßiges Leuchten zu sehen. Die Jacht-Besatzung entnahm per Eimer eine Probe aus dem Meer – auch dieses Wasser leuchtete. Doch dort, wo das Meerwasser bewegt wurde – durch das Schiff oder durch Rühren im Eimer – verschwand das Leuchten.

„Milky seas“: Bakterien leuchten und färben das Wasser des Ozeans

Aufnahmen einer GoPro-Kamera und mehrerer Smartphones zeigen deutlich das leuchtende Meer, das sich von Horizont zu Horizont erstreckt. Ein Crew-Mitglied versuchte, die gespenstische Sichtung auf dem Ozean im Logbuch zu beschreiben: „Die Farbe und Intensität des Leuchtens waren ähnlich wie Sterne/Sticker, die im Dunkeln leuchten oder das leuchtende Ziffernblatt einer Uhr... ein sehr sanftes und augenschonendes Leuchten.“

Der Kapitän der Jacht, Johan Lemmens, beschrieb gegenüber Forscher Miller, das Leuchten sei aus einiger Tiefe – etwa zehn Meter unter der Wasseroberfläche – gekommen. Das widerspricht der bisherigen Annahme, dass die Bakterien, die das Leuchten erzeugen, einen dünnen Film an der Oberfläche bilden, der durch Bewegung des Wassers gestört wird. Dank der Informationen der Crew geht Miller nun davon aus, dass es sich um eine „volumetrische und/oder untergetauchte Bakterienemissionsquelle“ handelt.

Fotos der Meeresleuchtens, aufgenommen von der Crew der Ganesha. Links: Aufnahme einer GoPro, Mitte: Aufnahme mit einem Samsung-Smartphone, Rechts: Bild angepasst an die tatsächliche Farbwahrnehmung der Crew.
Fotos der Meeresleuchtens, aufgenommen von der Crew der Ganesha. Links: Aufnahme einer GoPro, Mitte: Aufnahme mit einem Samsung-Smartphone, Rechts: Bild angepasst an die tatsächliche Farbwahrnehmung der Crew. © Crew of the Ganesha

Forscher Miller ist glücklich und hat einen ganz unwissenschaftlichen Traum

„Das größte fehlende Glied in unserer Studie vom letzten Jahr war das Fehlen von Bodendaten“, erklärt Miller in einer Mitteilung seiner Universität. „Aber diese aktuelle Studie liefert sie. Es war eine große Erleichterung, diesen Kontakt von der Ganesha-Crew zu bekommen.“ Die Schiffsbesatzung hatte sich bei Miller gemeldet, nachdem sie von dessen Satelliten-Sichtung des Milchmeeres im Jahr 2019 erfahren hatte. „Da wir in der wissenschaftlichen Gemeinschaft in der Lage sind, diese Phänomene vom Weltraum aus zu sehen, hoffen wir, dass sich mehr Augenzeugen melden und weitere Teile des Wissenschafts-Puzzles zusammenfügen“, betont Miller.

Der Forscher will sich dem Phänomen weiter widmen und hat auch einen ganz unwissenschaftlichen Traum, wie er in der Mitteilung seiner Universität verrät: „Vor allem träume ich davon, eines Tages auf einem Schiff zu sein, das in ein riesiges Milchmeer hineinfährt, in das wir alle eintauchen und uns in seinem Glanz sonnen! Ich weiß, das ist nicht sehr wissenschaftlich, aber was inspiriert uns?“ (tab)

Die Meere sind noch weitestgehend unerforscht, so stellen nicht nur die Milchmeere Forscher vor ein Rätsel: Im Februar wurde ein mysteriöses Tier vor der Küste Italiens entdeckt.

Auch interessant

Kommentare