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„Wir sind der Gnade des Mars ausgeliefert“: Nasa bereitet Abschied von Raumsonde vor

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Von: Tanja Banner

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Während sich die meisten Missionen, die auf dem Mars landen, mit der Suche nach möglichem früheren Wasser oder Leben beschäftigen, hat die Nasa-Landesonde „InSight“ eine andere Mission: Gelandet im November 2018, sollte der Lander das Innere des roten Planeten erforschen. Die wichtigsten Instrumente der Nasa-Sonde sind ein Seismometer und eine Wärmeflusssonde, mit denen die beteiligten Forschenden ein Verständnis für den inneren Aufbau des Mars und damit für die Entstehung der erdähnlichen Planeten (Merkur, Venus, Erde, Mars) erreichen wollten. „InSight“ konnte unter anderem den inneren Aufbau des Mars ermitteln und zahlreiche Beben auf dem roten Planeten aufzeichnen. Nach Angaben der Nasa verstauben nun jedoch die Solarpaneele der Raumsonde, weshalb man davon ausgeht, dass die Mission im Sommer 2022 beendet sein wird. (Stand: Mai 2022)
Die Nasa-Raumsonde „InSight“ wird nicht mehr lange auf dem Mars funktionieren – ihr geht der Strom aus. © Nasa/JPL

Die Nasa-Mission „InSight“ geht zu Ende, denn die Raumsonde produziert nicht mehr genug Strom. Doch ganz wird die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

Pasadena – Es ist nur noch eine Frage der Zeit: Bald wird die Nasa-Forschungssonde „InSight“ auf dem Mars die Arbeit einstellen. Bereits seit längerer Zeit weist die US-Raumfahrtorganisation darauf hin, dass das Ende der Mission bald kommt. Es war bereits vor der Landung von „InSight“ im November 2018 klar, dass die Solarpanels der Forschungssonde irgendwann nicht mehr genügend Strom werden produzieren können. Die Solarpanels werden im Laufe der Zeit auf dem Mars mit Staub bedeckt und liefern weniger Energie. Einen Mechanismus, um die Paneele zu reinigen, wurde bewusst nicht mit zum Mars genommen – er wäre zu schwer gewesen.

Nun ist „InSights“ letzter Tag in greifbare Nähe gerückt. „Das Ende wird in den nächsten Wochen erwartet“, schreibt die Nasa in einer Mitteilung. Das „InSight“-Team bereite bereits alles für das Ende der Mission vor, heißt es weiter. So werden unter anderem die Daten, die die Forschungssonde auf dem Mars gesammelt hat, gesichert und Forschenden in aller Welt verfügbar gemacht. „InSight“ war die erste Raumsonde, die tief in das Innere des Mars geschaut hat, um den Aufbau des Planeten zu erforschen. Das Landegerät, das sich im Gegensatz zu Rovern wie „Curiosity“ oder „Perseverance“ nicht fortbewegen kann, hat unter anderem ein Seismometer dabei, um Marsbeben zu untersuchen.

Mars-Sonde „InSight“: Nasa-Mission nähert sich ihrem Ende

Dabei ist es ihm gelungen, mehr als 1300 Beben des Marsbodens zu messen – das größte Mars-Beben hatte eine Magnitude von 5. Auch Beben, die von Meteoriten-Einschlägen ausgelöst wurden, konnte „InSight“ aufzeichnen. Die beteiligten Forschenden konnten durch die seismischen Wellen, die sich durch das Innere des Planeten bewegten, einige Schlussfolgerungen über den inneren Aufbau des Planeten ableiten. Für die Forschung ist das von großem Interesse, denn es geht darum, zu verstehen, wie Gesteinsplaneten entstehen.

„Letztendlich können wir den Mars als einen Planeten mit Schichten unterschiedlicher Dicke und Zusammensetzung betrachten“, betont der Hauptforscher der Mission, Bruce Banerdt vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena in der Mitteilung. „Wir fangen an, die Details zu entschlüsseln. Jetzt ist er nicht mehr nur ein Rätsel, sondern ein lebender, atmender Planet.“

Nasa-Sonde „InSight“ arbeitet mit nur noch einem Instrument

Bereits im Sommer wurden alle anderen wissenschaftlichen Instrumente von „InSight“ abgeschaltet, um Energie für das wichtige Seismometer zur Verfügung zu haben. „Wir hatten nur noch weniger als 20 Prozent der ursprünglichen Erzeugungskapazität“, erklärt Banerdt. „Das bedeutet, dass wir es uns nicht leisten können, die Geräte rund um die Uhr laufen zu lassen.“ Während eines regionalen Staubsturms wurde auch das Seismometer deaktiviert, um Energie zu sparen. Mittlerweile ist das Gerät wieder aktiv – doch das Team geht davon aus, dass die Energie nur noch für einige Wochen reicht. „Wir treiben es bis zum Ende“, betont Liz Barrett aus dem „InSight“-Team.

Sobald die Forschungssonde zwei aufeinanderfolgende Kommunikations-Möglichkeiten mit den Orbitern, die den Mars umkreisen, verpasst hat, wird die Mission als beendet erklärt werden, heißt es bei der Nasa. Anschließend soll das Deep Space Network der Nasa – zahlreiche große Teleskope auf der Erde – sicherheitshalber noch einige Zeit nach Signalen von „InSight“ lauschen.

Nasa-Mission: Keine „heroischen Maßnahmen“, um Mars-Mission zu retten

Es werde jedoch keine „heroischen Maßnahmen“ geben, um den Kontakt mit der Raumsonde wiederherzustellen. Ein Ereignis, das die Mission in letzter Sekunde noch retten könnte – beispielsweise eine starke Windböe, die die Solarpanels vom Staub reinigt – ist nicht ausgeschlossen, gilt jedoch als unwahrscheinlich. Bis es so weit ist und „InSight“ endgültig den Kontakt einstellt, will das Nasa-Team noch Messungen auf dem Mars durchführen. „Wir sind der Gnade des Mars ausgeliefert. Das Wetter auf dem Mars ist nicht Regen und Schnee, Wetter auf dem Mars ist Staub und Wind“, seufzt Banerdt. (tab)

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