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Drastischer Schritt: Nasa bricht bedeutende Mars-Mission ab

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Von: Tanja Banner

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Mars-Hubschrauber knipst Hügel - und muss Rotoren schneller drehe
Der Mars-Hubschrauber „Ingenuity“ muss seine Rotorblätter künftig noch schneller drehen - die Luft wird dünner. © NASA/JPL-Caltech/dpa

Um den kleinen Mars-Helikopter „Ingenuity“ zu retten, beendet die Nasa vorerst die wichtige Mars-Mission des Rovers „Perseverance“.

Pasadena – Der Helikopter „Ingenuity“, den die US-Raumfahrtorganisation Nasa gemeinsam mit dem Rover „Perseverance“ zum Mars geschickt hat, hat eine steile Karriere gemacht: Gestartet ist er als sogenannte „Technologie-Demonstration“ und als „Anhängsel“ des wertvollen Mars-Rovers. Doch mittlerweile ist der kleine Hubschrauber ein wichtiger Teil der Mars-Mission. Nicht nur hat er bewiesen, dass Fliegen in der dünnen Mars-Atmosphäre möglich ist, er wird nun auch dafür eingesetzt, den Mars zu erkunden und aus einer neuen Perspektive zu erforschen.

Wie wichtig der Helikopter für die Nasa mittlerweile ist, zeigt ein Fall von Anfang Mai 2022: Am 3. Mai verlor das Team im Jet Propulsion Laboratory (JPL) der Nasa, das den Helikopter steuert, den Kontakt zu dem kleinen Fluggerät auf dem Mars. Weil der Akku-Ladestatus des Helikopters bereits genau beobachtet wurde, kamen die Teammitglieder schnell zu dem Schluss, dass hier das Problem zu finden sein dürfte. Der Bordcomputer des Helikopters hatte offenbar bemerkt, dass „Ingenuity“ nicht mehr genug Energie hatte – und schaltete den Hubschrauber ab, um die elektrischen Bauteile vor der Kälte auf dem Mars zu schützen.

Drastischer Schritt: Nasa stoppt wichtige Mars-Mission, um Helikopter „Ingenuity“ zu retten

Als die Sonne wieder schien und der Helikopter über seine Solarpaneele wieder Energie erhielt, versuchte „Ingenuity“, mit dem Rover „Perseverance“ zu kommunizieren. Sämtliche Kommunikation des Hubschraubers mit der Erde läuft über den Rover. Doch in der Kälte wurde auch die interne Uhr des Helikopters deaktiviert – was dafür sorgte, dass „Ingenuity“ zwar Kontakt mit dem Rover aufnahm, dieser jedoch zu dieser Zeit nicht auf Signale des Hubschraubers „hörte“.

Auf Grundlage dieser Vermutungen entschied man sich bei der Nasa für einen drastischen Schritt, um den Mars-Helikopter zu retten. Für fast einen ganzen Tag wurde die Mars-Mission des Rovers „Perseverance“ gestoppt. Der Rover stellte seine Arbeiten ein, um zu lauschen, ob der Helikopter sich meldet. Und tatsächlich: Um 11.45 Uhr lokaler Mars-Zeit am 5. Mai sei das Signal von „Ingenuity“ beim Rover angekommen, berichtet die Nasa. „Die Gesundheits- und Sicherheitsdaten waren nominal“, heißt es in einer Mitteilung der US-Raumfahrtorganisation, die Funkverbindung zwischen den beiden Mars-Gerätschaften sei stabil und die Batterie des Helikopters zu 41 Prozent geladen gewesen.

Mars-Missionen kämpfen mit Staub in der Atmosphäre und Kälte

Der Hubschrauber „Ingenuity“ kämpft auf dem Mars derzeit mit einem Phänomen, das auch der Mars-Sonde „InSight“ Probleme macht: Jahreszeitlich bedingt gibt es in der Mars-Atmosphäre mehr Staub, gleichzeitig sinken die Temperaturen, denn der Winter steht bevor. Der Staub in der Atmosphäre sorgt dafür, dass weniger Sonnenlicht auf die Solarpaneele trifft und es schwieriger wird, die Batterien zu laden. Gleichzeitig benötigt „Ingenuity“ die Batterien derzeit besonders dringend: Ab einer Batterie-Temperatur von minus 15 Grad Celsius schaltet der Helikopter seine Heizung an, um die Bordelektronik warmzuhalten. Die Temperatur in der Mars-Region, in der sich der Hubschrauber aufhält, liegt derzeit bei etwa minus 80 Grad Celsius.

„Wir haben immer gewusst, dass die Winter- und Staubsturmsaison auf dem Mars neue Herausforderungen für ‚Ingenuity‘ mit sich bringen würde, insbesondere kältere Tage, eine Zunahme des atmosphärischen Staubs und häufigere Staubstürme“, betont „Ingenuity“-Teamleiter Teddy Tzanetos in einer Nasa-Mitteilung. „Jeder Flug und jeder Kilometer, den wir über unsere ursprüngliche 30-Sol-Mission hinaus geflogen sind, hat das Raumfahrzeug bei jedem einzelnen Sol auf dem Mars an seine Grenzen gebracht.“

Nasa: Mars-Helikopter „Ingenuity“ hat seine Lebensdauer lange überschritten

Ursprünglich war geplant, dass „Ingenuity“ bis zu fünf Testflüge in einem Zeitraum von 30 Mars-Tagen (Sols) absolviert. Mittlerweile hat der Helikopter 28 Flüge durchgeführt und das Team hinter dem Hubschrauber hofft, seine Lebensdauer auf dem Mars weiter zu verlängern. Künftig soll „Ingenuity“ seine Heizung erst anschalten, wenn die Batterie minus 40 Grad kalt ist. Außerdem soll sich der Hubschrauber künftig schneller abschalten, statt seine wertvolle Batterieladung durch das Heizen zu verbrauchen. So soll die Batterieladung, die tagsüber gesammelt werden konnte, gespart werden. Nach einigen Tagen, in denen der Hubschrauber Sonnenstrahlen sammeln und Energie sparen kann, soll „Ingenuity“ zum normalen Betrieb übergehen, so der Plan.

Doch der hat einen Haken: Der Hubschrauber, der nur für eine 30-tägige Mission gebaut wurde, besteht aus zahlreichen Teilen von der Stange, die nicht für eine Mission in der Kälte des Weltraums gedacht waren. Wird „Ingenuity“ noch lange durchhalten? Das weiß derzeit niemand. „Unsere oberste Priorität ist es, die Kommunikation mit ‚Ingenuity‘ in den nächsten Sols aufrechtzuerhalten, aber selbst dann wissen wir, dass es noch erhebliche Herausforderungen geben wird“, erklärt Tzanetos. (tab)

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