1. Startseite
  2. Wissen

Mars-Sonde „InSight“: Nasa verkündet traurige Nachricht

Erstellt:

Von: Tanja Banner

Kommentare

Die Nasa-Sonde „InSight“ hat auf dem Mars mit extrem staubigen Verhältnissen zu kämpfen. Diese Aufnahme vom 24. April 2022 zeigt, wie verschmutzt die Solarpaneele der Sonde mittlerweile sind – sie können kaum noch Energie generieren.
Die Nasa-Sonde „InSight“ hat auf dem Mars mit extrem staubigen Verhältnissen zu kämpfen. Diese Aufnahme vom 24. April 2022 zeigt, wie verschmutzt die Solarpaneele der Sonde mittlerweile sind – sie können kaum noch Energie generieren. © Nasa/JPL Caltech

Eine Nasa-Mission auf dem Mars neigt sich dem Ende zu – obwohl die Sonde „InSight“ der Forschung wertvolle Daten liefert. Helfen könnte nur ein Wunder.

Pasadena – Seit die Nasa-Sonde „InSight“ im November 2018 auf dem Mars gelandet ist, hat sie mehr als 1300 Mars-Beben gemessen – erst Anfang Mai berichtete die Nasa vom stärksten gemessenen Mars-Beben mit einer Magnitude von 5. Doch nun nähert sich die Mission von „InSight“ ihrem Ende – sie bekommt nicht mehr genug Energie.

Das hat zwei Gründe, die beide mit den speziellen Verhältnissen auf dem staubigen Planeten Mars zusammenhängen. „InSight“ produziert die benötigte Energie über Solarpaneele – die durch Staubstürme auf dem Mars mittlerweile so staubig sind, dass sie nur noch wenig Energie generieren können. Nach der Landung konnten die Paneele etwa 5000 Watt-Stunden pro Mars-Tag produzieren, derzeit sind es nach Nasa-Angaben nur noch etwa 500 Watt-Stunden. Dazu kommt, dass sich in der Mars-Region Elysium Planitia, in der „InSight“ gelandet ist, gerade ein Wechsel der Jahreszeiten vollzieht: Es wird Winter. In den nächsten Monaten wird mehr Staub in der Luft sein, der dafür sorgt, dass noch weniger Sonnenlicht an die Solarpaneele gelangt und die Raumsonde noch weniger Energie erhalten wird.

Nasa-Sonde „InSight“ auf dem Mars: Kampf gegen den Staub

In der Vergangenheit gelang es bereits einige Male, etwas Staub von den Solarpaneelen zu entfernen, doch nur ein Wunder oder ein sogenannter „Staub-Teufel“ (ein vorbeiziehender Wirbelwind) könnten der Nasa-Sonde auf dem Mars jetzt noch helfen. „Wir haben auf eine Staubreinigung gehofft, wie wir sie bei den Rovern ‚Spirit‘ und ‚Opportunity‘ mehrmals erlebt haben“, erklärt der leitende „InSight“-Forscher Bruce Banerdt. Wenn etwa ein Viertel der Solarpaneele vom Wind gereinigt würde, könnte die Sonde wieder etwa 1000 Watt-Stunden pro Tag generieren – genug Energie, um zu arbeiten.

Da jedoch die Energie derzeit immer weniger wird, wird künftig priorisiert, welche Instrumente noch elektrisch versorgt werden. Vorrang hat das wichtigste Instrument der Raumsonde, das Seismometer. Es soll zu bestimmten Tageszeiten – vor allem nachts, wenn die Winde geringer und Marsbeben leichter wahrnehmbar sind – aktiviert werden. Instrumente, die keine seismischen Daten sammeln, sollen nach Ende Mai dagegen nur noch selten aktiviert werden, teilt die Nasa mit. Bis zum Ende des Sommers sollte die Energie für das Seismometer noch ausreichen, hofft man beim Jet Propulsion Laboratory (JPL) in Pasadena, das für die Nasa die Mars-Missionen betreut.

Nasa-Mission „InSight“: Mars-Mission ist vor dem Ende

Hat das Seismometer seine Arbeit aufgrund zu geringer Energie eingestellt, kann „InSight“ immer noch gelegentlich Fotos machen und mit der Erde kommunizieren, heißt es bei den Fachleuten. Eines Tages – wahrscheinlich im Dezember – werde die Energie dann so niedrig sein, dass „InSight“ einfach aufhöre, sich zu melden. Für die Forschenden wird es ein trauriger Tag sein, denn die Sonde hat ihnen zahlreiche neue Einblicke in den roten Planeten ermöglicht.

So hat „InSight“ beispielsweise einen Blick in den inneren Aufbau des Mars ermöglicht, aber auch gezeigt, welche Mars-Region besonders häufig bebt. „‚InSight‘ hat unser Verständnis des Inneren von Gesteinsplaneten verändert und die Weichen für künftige Missionen gestellt“, betont Lori Glaze, Direktorin der Nasa-Abteilung für Planetenforschung. „Wir können das, was wir über die innere Struktur des Mars gelernt haben, auf die Erde, den Mond, die Venus und sogar auf Gesteinsplaneten in anderen Sonnensystemen anwenden.“

Raumsonde „InSight“: Nasa-Team hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben

So ganz hat das Team, das die Nasa-Sonde auf dem Mars betreut, die Hoffnung noch nicht aufgegeben: Es sei „immer noch möglich“, dass ein „Staub-Teufel“ die Solarpaneele von „InSight“ reinige, betont Banerdt und fährt fort: „Aber die Energie ist so gering, dass wir uns darauf konzentrieren, das Beste aus den Daten herauszuholen, die wir noch sammeln können.“ Wann genau „InSight“ die Arbeit einstellen wird, ist Banerdt zufolge nicht ganz klar: „Die Raumsonde hat unsere Erwartungen bei fast jeder Gelegenheit auf dem Mars übertroffen“, macht er Hoffnung.

„InSight“ ist nicht die erste Nasa-Raumsonde, die auf dem Mars mit dem Staub kämpft und am Ende deshalb keine Energie mehr bekommt. Zuletzt verlor die Nasa den Kontakt zum Rover „Opportunity“, nachdem dieser in einen Staubsturm geraten war und mithilfe seiner Solarpaneele nicht mehr genügend Energie generieren konnte. Auch der kleine Helikopter „Ingenuity“ kämpft derzeit mit ähnlichen Problemen auf dem Mars. Für „InSight“ soll es ein kontrollierter Abschied werden: Noch im Mai soll der Roboterarm der Raumsonde zum letzten Mal bewegt werden – in die sogenannte „Ruhestellung“. Dann gibt die Mars-Sonde den Takt vor – so lange, bis sie nicht mehr ausreichend Energie hat. (tab)

Weltraum-Newsletter

Der kostenlose Weltraum-Newsletter hält Sie zweimal im Monat über die wichtigsten Themen aus Astronomie und Raumfahrt auf dem Laufenden.

Auch interessant

Kommentare